Vor- und Nachteile der Corona-Pause

KSV-Athletiktrainer Anders: „Sprünge sind jetzt richtig wichtig“

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Der Lehrer und sein Schüler: Ludiwg „Lutz“ Anders (hinten) ist Athletiktrainer des KSV Hessen, Adrian Bravo Sanchez Spieler der Löwen.

Das richtige Fitnessprogramm in Zeiten von Corona - darüber haben wir mit Lutz Anders gesprochen, Athletik-Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen.

Wenn der KSV Hessen Kassel am 1. September – so ist es derzeit vorgesehen – das erste Pflichtspiel in der Regionalliga Südwest bestreiten wird, dann ist er beinahe ein halbes Jahr gegen kein anderes Team angetreten. Für Fußballer eine Ewigkeit. Da kann auch keine noch so lange Sommerpause mithalten. Die letzte Partie der Löwen stand am 7. März gegen Dreieich (4:0) an. Dann sorgte Corona für die wohl längste nicht verletzungsbedingte Pause eines jeden derzeit aktiven KSV-Spielers.

Mittlerweile wird wieder trainiert. Auch Zweikämpfe sind wieder erlaubt. Dennoch ist die Corona-Pause ein Risiko für den Körper. „Muskuläre Verletzungen sind da noch das geringste Problem“, sagt Ludwig „Lutz“ Anders, Athletiktrainer des KSV. „Ich sehe vor allem eine Gefahr für Bänder und Knöchel. Die Spieler sind zwar gelaufen. Aber die Abbremsbewegungen waren nicht da. Die Gewohnheit geht da schneller weg, als man es kontrollieren kann.“

Anders hat sich mit der derzeitigen Situation auseinandergesetzt. Er hat geschaut, wo es etwas Vergleichbares schon einmal gegeben hat. Und ist fündig geworden. „Es gab einen Lockout in der NFL 2011, der mehr als fünf Monate gedauert hat. Ich habe medizinische Arbeiten dazu gelesen. Als der Lockout vorbei war, sollte schnell wieder gespielt werden. Aber die Last war viel zu hoch. Die Folge war eine vielfach höhere Verletzungsrate – vor allem gab es einige Achillessehnenrisse“, sagt Anders. Er hat seine Schlüsse daraus gezogen.

Anders hat den KSV-Spielern zu Beginn der Corona-Pandemie, als kein Training erlaubt war, empfohlen, im normalen Rhythmus weiter zu trainieren. Also fünfmal pro Woche, was sonst vier Einheiten plus ein Spiel sind. Er hat ihnen Fitnesspläne erstellt, die im Abstand von vier Wochen angepasst wurden. Er sagt: „Vor allem Sprünge sind nun richtig wichtig.“ Auch Sprints seien wichtig. Um Gelenke und Bänder wieder an die Belastung zu gewöhnen.

Für Anders als Athletiktrainer war die Fußballpause aber auch nicht durchweg negativ. „Ich hatte das erste Mal die Chance, die Spieler wirklich über einen längeren Zeitraum zu unterstützen“, sagt er. Das ist durch Trainingseinheiten und Spiele im normalen Alltag nicht möglich. Mittelfeldspieler Adrian Bravo Sanchez und einige andere Löwen begleitet Anders dagegen schon seit Längerem kontinuierlich.

„Adrian und ich haben einen guten Draht zueinander“, sagt der 39 Jahre alte Anders. „Ich glaube, dass ihm die dauerhafte Betreuung schon etwas gebracht hat. Seit er 2016 aus Lohfelden zum KSV gekommen ist, hat er im Kraft- und auch im läuferischen Bereich zugelegt. Spieler investieren immer mehr in ihren Körper.“

Um so etwas festzustellen, überprüft Anders regelmäßig die Werte von Bravo Sanchez. Der Athletiktrainer erklärt: „Die Balance zwischen Kraft und Kondition und dem fußballspezifischen Training muss passen, da bei wohl 42 anstehenden Spielen und einem durchschnittlichen Laufpensum von etwa zehn Kilometern pro Partie ein großer Tank nötig ist.“

Anders will mit seinen Erfahrungen dabei helfen, dass die Löwen möglichst ohne Verletzungen aus der Corona-Pause kommen. Er sagt aber auch: „Es gibt keine Garantie. Jedes Spiel ist immer auch Chaos. Aber wir können ein bisschen vorsorgen.“

Zur Person Ludwig „Lutz“ Anders (39) wurde am 28. Januar 1981 in Fulda geboren. Anders hat selbst unter anderem für den VfL Kassel und den KSV Hessen Kassel II Fußball gespielt. Derzeit ist er Athletiktrainer der Löwen. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus, die Zukunft ist noch offen. Zudem ist Anders Sportwissenschaftlicher Koordinator beim Deutschen Karate Verband und Personal Trainer. Der 39-Jährige wohnt in Kassel.

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