Fußball-Hessenligist am Einheitstag im Auestadion im Einsatz

Vor Heimspiel des KSV Hessen gegen Hadamar: Was ist bloß mit den Löwen los?

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Schwere Zeiten: Trainer Dietmar Hirsch und der KSV Hessen Kassel hinken den Erwartungen in der Hessenliga weit hinterher. 

Kassel. Der KSV Hessen Kassel empfängt in der Fußball-Hessenliga heute ab 14 Uhr Hadamar - wir blicken vor der Partie im Auestadion auf die aktuelle Entwicklung bei den Löwen.  

Das Wochenende hinterließ dann nur noch eine seltsame Mischung aus Sprachlosigkeit und Wut bei den Fans der Löwen. Wieder ließ Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel die Chance ungenutzt, das zarte Pflänzchen Hoffnung zu stärken. Auf einen ja durchaus überzeugenden 4:0-Sieg gegen Dietkirchen folgte ein 1:1 beim Tabellenletzten Fernwald. Vor dem heutigen Spiel gegen Hadamar (14 Uhr, Auestadion) drohen die Löwen eine selbstzerstörerische Saison zu spielen.

Alles, was im letzten Jahr trotz des Abstiegs in die Fünftklassigkeit und eines selbst verschuldeten Punktabzugs aufgebaut wurde, gerät ins Wanken. Vom Stimmungshoch wie beim Rekordderby gegen Baunatal ist nichts mehr zu spüren. Ein Überblick über die Lage bei den Löwen.

Der Trainer

Dietmar Hirsch ist ein direkter Mensch. Der frühere Bundesliga-Profi spricht offene Worte. Er hat eine klare Vorstellung vom Spiel seiner Mannschaft. Ist ein Profi, der sich „rund um die Uhr mit dem Fußball beschäftigt“ – so die eigene Aussage, die man ihm durchaus abnehmen darf. Beides ist aber vielleicht auch Teil des Problems.

Die Mannschaft besteht in weiten Teilen nicht aus Profis. Es mehren sich Hinweise darauf, dass sie teilweise überfordert ist mit dem, was von ihr verlangt wird. Gleiches gilt für das taktische Konzept. Hirschs Idee, mit einem stark besetzten Kader die Gegner spielerisch dominieren zu wollen, ist nachvollziehbar. Allein: Auf dem Platz funktioniert sie zu häufig nicht. Das Spiel mit hochstehenden Außenspielern ist für diesen KSV bisher zu risikobehaftet. Die Mannschaft kann Hirschs Vorgaben nicht umsetzen, auch weil die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht stimmt.

Hirschs wiederholte Hinweise auf individuelle Fehler sind da inhaltlich vielleicht richtig, aber wenig zielführend. Er sollte sein Team schützen. Auch durch taktische Maßnahmen, die diesem mehr Sicherheit geben. Was die Meinung der Fans angeht, scheint es dafür zu spät. Bei ihnen ist Hirsch längst in Ungnade gefallen.

Der lange Schatten

Eines von Hirschs Problemen – aber ebenso eines der Vereinsgremien – ist natürlich der lange Schatten von Tobias Cramer. Der frühere Trainer war die Symbolfigur des Wiederbeginns nach Insolvenz und Abstieg. Der, mit dem sich alle rund um den KSV identifizieren konnten. Der die Fans ebenso mitzog wie die Mannschaft. Der auf den Nachwuchs setzte.

Cramer konnte den Abstieg nicht verhindern, er schaffte den Wiederaufstieg nicht, auch weil entscheidende Spiele wie das in Alzenau nicht gewonnen wurden. Übel nahm ihm das niemand, „Cralle“ – wie ihn die Fans riefen – hatte ja die Hypothek der Punktabzüge. Und vor allem: Der Willinger nahm die Leute mit. Er schuf eine KSV-Gemeinschaft. Das Wir-Gefühl, das nun zu zerbröseln droht.

Die Gremien

„Wir müssen jetzt alles hinterfragen. Auch ich mich selbst.“ Das hatte Jens Rose nach dem Spiel gegen Dietkirchen gesagt, das von einem Stimmungsboykott der Fans begleitet worden war. Rose gilt in Vorstand und Aufsichtsrat als derjenige, der die Professionalisierung in kleinen Schritten vorantreiben will. Das Ergebnis der ersten Schritte mit neuem Trainer und der Verpflichtung der Ex-Profis Mahir Saglik und Alban Meha ist aber ernüchternd. Die Löwen hinken ihren Ansprüchen hinterher.

Vor allem die voreilige Bekanntgabe der Trennung von Cramer fällt so mit Wucht auf die Gremien zurück. Das ist auch deshalb bitter, weil gute Ansätze, allen voran die gelungene Aktion des Rekord-Derbys, so zu schnell an Wert verlieren. Bei aller Kritik, die auf die Löwen-Macher einprasselt, sollte aber nicht vergessen werden: Hier wird ehrenamtliche Arbeit in der fünften Liga geleistet.

Die Mannschaft

Auch sie steckt offenbar im Stimmungstief – nicht nur wegen der sportlichen Misere. Sagen wir mal so: Einheitlich sieht anders aus. Derzeit wirken die Löwen vor allem uneins und unzufrieden. Das kann nicht allein am gewachsenen Konkurrenzkampf liegen in einem breiter gewordenen Kader. Der Frust von Spielern wie Adrian Bravo Sanchez, der unter Hirsch nicht die Rolle des Vorjahres spielt, ist nachvollziehbar. Insgesamt aber wird auf dem Platz zu viel gemeckert, zu wenig gemeinsam agiert. Es entsteht der Eindruck: Dieses Team kämpft nicht gemeinsam für sein Ziel.

Rund ums Spiel

Dawid und Mogge fehlen: Am Mittwoch hatten die Löwen frei. „Wir müssen in der englischen Woche mit den Kräften haushalten. Und vielleicht hilft es der Mannschaft, wenn sie einen Tag abschalten kann“, sagt Dietmar Hirsch. Der Trainer muss für das Spiel gegen Hadamar (heute, 14 Uhr) aber auch personelle Rückschläge hinnehmen. Mit Marco Dawid (Rückenprobleme) und Jon Mogge (Magen-Darm-Grippe) fällt die Flügelzange aus. Dafür ist Ingmar Merle wieder einsatzbereit.

Treffen mit Ex-Profi Cacau:  Mehr als 30 Grundschulkinder haben der KSV Hessen und sein Partner „Jumpers – Jugend mit Perspektive“ zur „Sport und Wort“-Woche eingeladen. Höhepunkt dieser schon traditionellen Aktion wird ein Besuch des heutigen Heimspiels sein. Die Kinder laufen mit den Teams ein und und werden zudem auf Cacau treffen, ehemaliger DFB-Nationalspieler und Integrationsbeauftragter.

Fanbus zum Spiel in Dreieich: Für KSV-Anhänger gibt es bei den beiden Heimspielen in dieser Woche die Möglichkeit, sich am Fanmobil auf dem Stadionvorplatz für den Fanbus nach Dreieich (16. Oktober) anzumelden. Abfahrt in Kassel wird um 16 Uhr, Anpfiff in Südhessen um 19.30 Uhr sein. Der Fahrpreis beträgt 20 Euro, teilt die „Abteilung Herzblut“ mit. 

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