Was ist denn da los?

Altes KSV-Plakat an Litfaßsäule entdeckt: Löwen in der 2. Bundesliga

Als der KSV noch in der zweiten Liga spielte: Ein bisschen Plakat weckt Erinnerungen. Foto: Bauscher

Kassel. Ein Plakat, das jetzt auf einer Litfaßsäule im Vorderen Westen entdeckt wurde, weist auf ein Spiel des KSV Hessen Kassel im Jahr 1983 hin.

Als der KSV noch in der zweiten Liga spielte: Ein bisschen Plakat weckt Erinnerungen. Foto: Bauscher

Nun steht sie da, diese Litfaßsäule. Goethestraße, Ecke Freiherr-vom-Stein-Straße in Kassel. Es ist Winter 2015, und doch erweckt diese Werbefläche den Eindruck, als sei die Zeit stehen geblieben - irgendwann im Jahr 1983. Ein paar Fetzen alter Plakate sind noch sichtbar, wecken Erinnerung. Auf einem Plakat, das an den Seiten schon abgerissen ist, steht leicht fragmentarisch: „2. Bundesliga, Auestadion in Kassel, MSV Duisburg.“

Lang, lang ist es her - und die Frage kommt auf: Wie schafft es dieser Hinweis in eine Zeit, in der die Löwen vom KSV Hessen Kassel nicht mehr in der zweiten Bundesliga, sondern in der Regionalliga spielen? Ein Klamauk einiger KSV-Anhänger in närrischen Stunden?

Die Lösung ist einfacher, die Rekonstruktion geht so: Die Litfaßsäule hatte früher einen anderen Standort, wurde dort nicht mehr benötigt und eingelagert, wie Cornelia Hodeck von der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH erzählt, die für die Litfaßsäulen zuständig ist. „Sie ist im Laufe der Jahre immer weiter nach hinten gerutscht.“

Bis vor Kurzem, bis an der Goethestraße, Ecke Freiherr-vom-Stein-Straße im Vorderen Westen eine Litfaßsäule benötigt wurde. So kehrte die alte Werbefläche zurück - und zwar so, wie sie einst die Straßen Kassels verlassen hatte.

So berichtete die HNA am 7. März 1983 über den KSV gegen Duisburg.

Nun gehört sie zu den knapp 200 Litfaßsäulen in Kassel - und lässt einen nicht los: KSV Hessen Kassel in der 2. Bundesliga gegen Duisburg, was waren das für Zeiten? Fest steht, auch wenn der Fetzen Papier kein Datum mehr aufweist: Das Spiel muss im Jahr 1983 stattgefunden haben. Das lässt sich schließen aus den anderen Fragmenten, die auf der Säule kleben und auf Kulturveranstaltungen in eben diesem Jahr hinweisen.

Infrage kommen zwei Spiele. Die erste Partie am 6. März gewannen die Löwen durch Treffer von Uli Wielandt, Mats Nordgren und Uwe Pallaks 3:1, die zweite Partie am 16. Oktober verloren die Löwen 0:1 (siehe Hintergrund). Mit den Trainern Timo Konietzka und Jörg Berger und dem Spieler Peter Kempa sind drei Protagonisten der Löwen bereits gestorben.

Mit dabei auf Seiten des KSV waren bei beiden Spielen auch Hans Wulf und Karl Bönisch. „Oh je, wir haben jetzt 2015. Da habe ich einiges nicht mehr auf der Festplatte. Aber die hatten doch einen kleinen Torhüter, den nannten wir laufenden Meter“, erinnert sich Wulf, ebenfalls Schlussmann, an Gerhard Heinze im MSV-Tor. Auch Bönisch sind besagte Spiele nicht mehr präsent. „Hängen geblieben ist, dass wir dreimal Vierter wurden und spektakuläre Partien wie das 4:3 gegen Karlsruhe nach 0:3-Rückstand“, sagt der frühere Flügelflitzer.

Vom Lager ins Freie: Die Litfaßsäule an der Goethestraße, Ecke Freiherr-vom-Stein-Straße. Foto: Bauscher

Mit dabei war auch Uli Wielandt. Er ist heute Bezirksdirektor einer Versicherung in Südbaden. Ob er sich noch an die Partien gegen den MSV erinnert, bleibt ungewiss. Wegen der alemannischen Fastnacht war er gestern nicht erreichbar.

Lange ist der Blick auf die gute, alte Zeit wohl nicht mehr möglich. Sobald der Frost vorüber ist, wird die Litfaßsäule neu beklebt. Auch wenn diese Form der Werbung laut Cornelia Hodeck einen Boom erlebt, wird der KSV dann nicht mehr sichtbar sein: Der Verein verzichtet seit geraumer Zeit auf diese Form der Reklame.

Von Wolfgang Bauscher und Florian Hagemann

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