Nicht alles gut, trotz der sechs Punkte

Der KSV Hessen nach dem zweiten Sieg: Von sehr gut bis ausreichend

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Freude nach dem Sieg beim FC Ederbergland: Hier feiern (von links) Nael Najjar, Jon Mogge, Marco Dawid, Adrian Bravo Sanchez, Frederic Brill (verdeckt) und Michael Voss mit den Fans. 

Kassel. Zweites Spiel, zweiter Sieg – also eigentlich alles gut für den Fußball-Hessenligisten KSV Hessen Kassel. Sehr gut sogar. Doch es gab auch Schwachpunkte.

Der 2:1-Erfolg beim FC Ederbergland zeigte deutlich, wo und wann die Löwen verwundbar sind. Die Partie in Schulnoten:

• Das war sehr gut:Bis zur 60. Minute eigentlich fast alles – nimmt man einmal die Chancenverwertung aus. Der KSV war in Allendorf vor rund 1000 Zuschauern drückend überlegen. Trainer Tobias Cramer konnte sich an kein Spiel in seiner Amtszeit mit so viel Ballbesitz erinnern.

Die Löwen nutzten diese Überlegenheit schnell, Sebastian Schmeer traf früh zur Führung (9.). Adrian Bravo Sanchez hatte einen tollen Ball raus auf den Flügel zu Marco Dawid gespielt, der querlegte. Keine schwere Arbeit mehr für Schmeer.

„Die erste Halbzeit war richtig gut. Wir haben das Tempo hochgehalten, hatten Pass-Sicherheit und haben Bereitschaft gezeigt, in die Räume zu starten“, sagte Cramer.

Sehr gut waren ein weiteres Mal auch die Anhänger des KSV. Mehrere Hundert waren mit nach Allendorf gekommen und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Außenverteidiger Michael Voss, der das erste Mal von Beginn an für den KSV auflief, war begeistert: „Natürlich ist vor dem ersten Spiel auch Nervosität dabei. Aber es war großartig, vor diesen Zuschauern zu spielen“, sagte der Debütant. Nach seinem Kreuzbandriss merke er das Knie zwar immer noch, aber es werde immer besser.

• Das war gut:Neben Voss gab es noch einen weiteren Startelf-Debütanten bei den Löwen. Jan-Philipp Häuser ersetzte Sergej Evljuskin – der an den Stimmbändern operiert wurde – in der Innenverteidigung. Und der 20-Jährige machte ein gutes Spiel neben Ingmar Merle. Körperlich sieht man bei Häuser schon jetzt keinen Unterschied zu den Älteren. „Wir haben ja auch in der Vorbereitung zusammengespielt. Klar braucht das alles aber ein bisschen Zeit“, sagte sein Partner Merle.

Häuser, der aus Frankfurt nach Kassel gezogen ist, gab wie Voss zu, dass er schon etwas nervös gewesen sei. „Ich wurde von der Mannschaft aber sehr gut aufgenommen und fühle mich wohl.“

• Das war befriedigend: Nach dem Anschlusstreffer durch Ederberglands Michael Möllmann (60.), der eine Flanke auf zweiten Pfosten ins Tor köpfte und dabei seinen Größenvorteil im Duell mit Nael Najjar ausspielte, fingen die Löwen an zu wackeln. Und das obwohl sie das Spiel vorher komplett kontrollierten. „Da hat man gemerkt, dass die Mannschaft noch nicht stressresistent ist. Wir haben angefangen, Positionen nicht einzuhalten“, urteilte Cramer über diese Phase des Spiels. Ab der 80. Minute sorgte der KSV dann wieder für etwas mehr Ruhe und rettete den Sieg über die Zeit.

• Das war ausreichend:Die Chancenverwertung. Weil der KSV vor und nach dem 2:0 durch ein Eigentor von Marco Kovacevic (41.) viele Chancen ungenutzt ließ, wurde es am Ende dann doch noch einmal eng. „Wir müssen den Sack zumachen. So fangen wir an zu wackeln“, befand auch Merle. Von sehr gut bis ausreichend war an diesem Tag alles dabei. Mangelhaft war aber nichts. Es hat ja zum Glück gereicht.

Auswärtsspiel: Mit 50 km/h Richtung Allendorf

Knapp 90 Kilometer sind es von Kassel nach Allendorf. Ein paar davon führen über die Autobahn. Dann schlängelt sich die Bundestraße 253 durch kleine Orte, an Feldern vorbei. Idyllisch sieht es aus. Zu schnell darf man gar nicht fahren. Mit dem Auto dauert die Fahrt schon rund 70 Minuten. Mit einem Roller, der maximal 50 km/h fährt, dann noch einmal etwas länger. Mindestens ein KSV-Fan hat sich am Samstagmittag aber auf sein Zweirad geschwungen und die Strecke auf sich genommen. 

Auch er fuhr vorbei an Rastplätzen, auf denen viele andere Löwen-Anhänger pausierten. Vorbei an der Diskothek Utopia in Geismar. Vorbei am Restaurant Adriano in Dainrode. Das fällt schon auf dem Hinweg ins Auge. Und auf dem Rückweg, da kommt der Hunger. Rund 200 Menschen sollen in Dainrode leben. Und Adriano ist im Gedächtnis geblieben. Also abgebogen, auf den Parkplatz und einen Platz gesucht. Das fällt nicht schwer. 

Da fällt auf: Adriano heißt gar nicht Adriano, sondern Adriana. Und ein italienisches Restaurant – wie vermutet – ist es auch nicht. Egal. Es schmeckt. Und bei Schnitzel und Pommes sind die Gedanken zurück beim unbekannten Rollerfahrer. Hat er es pünktlich zum Anpfiff geschafft? Wie oft musste er tanken? Fährt er so auch nach Alzenau? Und was macht er im Winter? Was man nicht alles für den Fußball tut.

Im "Auswärtsspiel", einer Kolumne der HNA-Sportredaktion, berichten unsere Reporter von Begebenheiten rund um den Ball, die sie auf ihren Auswärtsfahrten erleben.

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