Über Regionalliga, Corona und Sponsoren

KSV-Finanzvorstand Swen Meier: „Fans können großer Sponsor sein“

+
Er kümmert sich um die Finanzen beim KSV Hessen: Swen Meier. 

Kassel – Der KSV Hessen Kassel wird in der kommenden Saison in der Fußball-Regionalliga spielen.

In dieser Hinsicht hat der Verein nun Planungssicherheit. Wegen der Corona-Pandemie sind viele andere Fragen aber noch ungeklärt. Wann wird die Saison starten? In welchem Format wird sie ausgetragen? Wird es Geisterspiele geben? Wie reagieren die Sponsoren, und was ist mit Neuzugängen? Wir haben KSV-Finanzvorstand Swen Meier dazu befragt. Meier über ...

die Planung für die Regionalliga: „Wir planen seit 2018 immer zweigleisig. Es war ja anfangs ein Thema, ob wir in der Regionalliga bleiben oder absteigen. Dann, ob wir aufsteigen oder in der Hessenliga bleiben. Da mussten wir immer einen Etat für die vierte und die fünfte Liga haben. Durch die Regelung, dass die Saison zum 30. Juni endet, habe ich eine wirtschaftliche Planungssicherheit. Unser Wirtschaftsjahr ist ja auf die Saison bezogen und nicht aufs Kalenderjahr. Wenn wir theoretisch bis in den Dezember gespielt hätten, um die aktuelle Spielzeit zu beenden, wäre das zum Beispiel hinsichtlich der Verträge schwierig geworden.“

den Umfang des Etats: „In der Regionalliga muss man mit einem Etat zwischen 1,4 und 1,5 Millionen Euro planen. In der Hessenliga war es etwa eine Million. Die Regionalliga ist einfach teurer, weil die Reisekosten höher sind, die Stadiongebühr steigt und wir Ligaabgaben zahlen müssen. In der Hessenliga haben wir zudem einen kleinen vierstelligen Betrag durch den Sponsor Lotto bekommen. Das fällt weg.“

die Auswirkungen von Corona:„Vor der Krise waren wir zuversichtlich. Unsere vernünftige Arbeit hat sich auch im Interesse der Sponsoren widergespiegelt. Wir haben gehofft, die Sponsorenanzahl zu erhöhen. Zu Beginn der Krise musste man dann natürlich vorsichtig sein, Fingerspitzengefühl haben. Viele Sponsoren mussten die Auswirkungen selbst erst einmal überblicken. Zudem fehlen auch die Einnahmen aus den letzten Heimspielen. Corona ist auch für uns wirtschaftlich eine Katastrophe. Aber ich sehe jetzt, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen werden.“

die Sponsoren:„Es war erst einmal schwierig, diese anzusprechen wegen der Krise. Da willst du ja auch nicht nerven. Aber mit der Zeit mussten wir natürlich agieren. In unserer Etatplanung gibt es immer eine konservative und eine optimistische Variante. Die Wahrheit liegt meist irgendwo in der Mitte. Wir hatten gehofft, dass wir ein paar neue Sponsoren dazugewinnen, andere ihr Engagement erhöhen. Nun müssen wir abwarten. Viele sagen derzeit: Frag mich in drei Monaten noch mal, ich kann es gerade nicht abschätzen. Schauinsland und Volkswagen sind noch in der Schwebe. Deswegen planen wir jetzt mit der konservativen Variante des Etats und haben diese noch einmal nach unten angepasst. Wer nicht zugesagt hat, steht in der Planung auch mit 0,0. Da riskieren wir nichts. Wir werden mehr denn je auf die Zuschauer angewiesen sein. Fans können ein großer Sponsor sein. Uns fehlt noch ein kleiner sechsstelliger Betrag.“

mögliche Geisterspiele:„Ich hoffe darauf, dass mehr Zuschauer ins Auestadion kommen werden, wenn es wieder erlaubt ist. In der Planung sind erst einmal nur 17 Heimspiele. Wir werden wahrscheinlich mehr haben. Zwei oder drei Geisterspiele könnten wir sicherlich verkraften. Aber mehr geht nicht. Wir haben eine große Kapazität im Stadion, das ist gut für uns, weil man Zuschauer verteilen könnte. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf könnten am Ende eine Variable sein, die sich positiv für uns auswirkt.“

die aktuellen Verträge der Spieler: „Viele Spieler haben Verträge über den Sommer hinaus. Wir haben diese auch zweigleisig ausgearbeitet, damit wir im Fall des Aufstiegs nicht mit allen neu verhandeln müssen. Da sind bei manchen natürlich auch bessere Bezüge für die Regionalliga verankert. Vertrag ist Vertrag, und wir werden diese auch einhalten und nicht mehr nachverhandeln.“

Neuzugänge:„Der Markt ist riesengroß und wir bekommen durch den Aufstieg jetzt auch täglich Anrufe von Beratern, weil Hessen Kassel eben ein Name mit Strahlkraft ist. Wir rücken da wieder mehr in den Fokus. Stand jetzt planen wir aber ohne Neuzugänge. Das ist wirtschaftlich nicht möglich. Ich gehe davon aus, dass der Spielermarkt groß sein wird. Je nachdem, wie es sich entwickelt, können wir am Ende vielleicht doch noch jemanden verpflichten.“

Abgänge:„Acht Spieler haben derzeit auslaufende Verträge. Es wird Abgänge geben. Der Kader ist groß. Ich denke aber, dass wir mit der aktuellen Mannschaft einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Regionalliga Südwest erreichen können.“

Zur Person: 

Swen Meier (42) ist seit 2018 im Vorstand des KSV Hessen Kassel und für den Bereich Finanzen zuständig. Meier ist Ingenieur und arbeitet als technischer Leiter für die Rohde Tief- und Straßenbau GmbH. Fußballerisch war er als Torhüter lange in Korbach aktiv, später dann beim OSC Vellmar. Der 42-Jährige wohnt in Kassel und hat einen Sohn.

Das Trikot der Löwen ziert in der neuen Saison das Logo der DRK-Kliniken. Der KSV Hessen Kassel hat einen neuen Sponsor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.