Vorläufige Insolvenzverwalterin hat sich geäußert

„Situation beim KSV ist alles andere als einfach“

Frau der Stunde beim KSV: Jutta Rüdlin. Foto:  Schachtschneider/nh

Kassel. Die vorläufige Insolvenzverwalterin Jutta Rüdlin hat aktuell das Sagen bei Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel. Die Rechtsanwältin äußert sich zur Lage bei den Löwen.

Vor drei Jahren rettete Jutta Rüdlin die Kassel Huskies. Nun liegt das Schicksal des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel in den Händen der 44 Jahre alten Rechtsanwältin. Seit drei Tagen ist sie als vorläufige Insolvenzverwalterin eingesetzt - und hat sich inzwischen ein Bild über die Lage bei den Löwen machen können. Rüdlin sagt: „Ich habe ein hoch motiviertes und kampfbereites Team vorgefunden. Ich bin positiv gestimmt und freue mich auf die Arbeit.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerte sie sich zu folgenden Punkten:

Vergleich zu den Huskies:

Jutta Rüdlin: „Die Situation lässt sich nicht vergleichen. Erstens rechtlich: Bei den Huskies handelte es sich um eine GmbH. Beim KSV betrifft es den gesamten Verein, also nicht nur die erste Mannschaft. Und zweitens die Liquidität: Die Huskies steckten damals mitten in der Saison - es gab regelmäßig Einnahmen, um laufende Kosten zu decken. Die Basis war gesichert. Beim KSV sieht es wesentlich schwieriger aus. Wir benötigen derzeit jeden Euro für den täglichen Betrieb und brauchen ganz schnell Hilfe von Sponsoren und Fans.“

Schulden und Sanierung:

Rüdlin: „Derzeit wird die gesamte Schuldensumme von etwa zwei Millionen Euro geprüft und eine Liste der Forderungen erstellt. Was ich bis jetzt gesehen habe, stammt ein stattlicher Betrag von Vorstandsmitgliedern. Ansonsten gibt es sowohl institutionelle als auch private Gläubiger. Klar ist: Der KSV musste den Insolvenzantrag stellen, weil er nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden vollständig zurückzuzahlen und gleichzeitig die laufenden Kosten zu decken. Was ich aber auch sagen kann: Die Mannschaft ist nicht überteuert. Eine konkrete Prognose zur Sanierung kann ich noch nicht geben. Dafür ist es zu früh. Grundsätzlich hat der KSV den richtigen Zeitpunkt für den Insolvenzantrag gewählt. Wäre er noch in der Saison gestellt worden, hätte er den Abstieg bedeutet. Und dann wären die Chancen auf eine Sanierung erheblich geringer.“

Spenden und Eigentum:

Rüdlin: „Die Situation ist alles andere als einfach. Zumal der Verein fast ausschließlich durch Sponsoren finanziert wird. Wir suchen nach jeder Möglichkeit, um Geld zu generieren. Es hört sich banal an, aber Strom, Telefon und Internet müssen auch bezahlt werden - aber Geld ist kaum vorhanden. Im Besitz des KSV befinden sich das Vereinsheim und die Videowand. Wir hoffen, dafür eine langfristige Lösung zu finden. Niemand hat Interesse daran, die Dinge zu zerschlagen.“

Gehälter und Verträge:

Rüdlin: „Da bleibt alles wie gehabt. Keine Kündigungen. Auch der Mietvertrag fürs Auestadion läuft regulär weiter. Generell gilt: Wir reden mit den Vertragspartnern und versuchen, gemeinsam Lösungen für Engpässe zu finden. Die Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Wir bemühen uns derzeit um die Vorfinanzierung über ein Bankdarlehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir kurzfristig die Zustimmung der Arbeitsagentur für die Vorfinanzierung erhalten.“

Fristen und Zeiträume:

Rüdlin: „Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren nicht vor September eröffnet wird. Neben der Fortsetzung des Spiel- und Vereinsbetriebes müssen wir die Zeit bis zur Verfahrenseröffnung nutzen, um eine Insolvenzplanlösung zu erarbeiten. Die sollte bereits vor Eröffnung mit den Gläubigern abgestimmt werden. Da die Lizenzen nicht übertragbar sind, sehe ich die Insolvenzplanlösung derzeit als einzige Sanierungschance für den KSV. Ab Eröffnung des Verfahrens muss der KSV in der Lage sein, die laufenden Kosten - das heißt auch die monatlichen Personalkosten - zu stemmen. Ein großer Hauptsponsor wäre sehr hilfreich.“

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