Videos gegen Rassismus

KSV Hessen: Kein Derby, aber die Botschaft bleibt

+
Screenshot aus einem Video: Löwen gegen Rassismus. Im Hintergrund: Adrian Bravo Sanchez. 

Kassel – Das Internet ist der neue Spielplatz: Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel ist wegen der Coronavirus-Pandemie zum Abwarten verurteilt.

In den sozialen Medien sind die Löwen aber aktiv – zuletzt mit drei Videos gegen Rassismus. Ein Überblick der Entwicklungen:

Die Videos

Drei Videos veröffentlichten die Löwen am vergangenen Samstag innerhalb von sieben Stunden auf Facebook. An diesem Samstag, an dem eigentlich das Derby gegen den KSV Baunatal im Auestadion hätte stattfinden sollen. Ein Samstag, der einen besonderen Fokus hätte haben sollen. Denn der 21. März ist auch der Internationale Tag gegen Rassismus. Der KSV wollte diesen in Verbindung mit dem Nordhessenderby nutzen, um aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren.

„Wir hatten mehrere Dinge geplant“, sagt Daniel Bettermann, Vorstandsmitglied des KSV. „Oberbürgermeister Christian Geselle hätte ein Grußwort gesprochen, wir haben CityCards gedruckt, Plakate aufgehängt, es gibt T-Shirts und Aufkleber und Videos.“ Diese Videos waren zum Zeitpunkt, als beschlossen wurde, dass das Derby nicht stattfinden kann, bereits fertig oder in der Produktion. „Das war ein wenig surreal. An dem Donnerstag, als zunächst die Stadt informiert hat, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen, der Hessische Fußball-Verband später den Spielbetrieb eingestellt hat, da wurde ein Video gedreht“, sagt Bettermann.

Zurück zum 21. März. Um 10 Uhr veröffentlichte der KSV ein Statement von Cheftrainer Tobias Damm, der an die Anschläge von Hanau erinnert und sich gegen Rassismus ausspricht. Um 13.05 Uhr folgte dann der zweite Clip, den der Verein zusammen mit der Initiative „Offen für Vielfalt“ erstellt hatte: KSV-Hessen-Kapitän Frederic Brill und Baunatals Spielführer Daniel Borgardt stehen sich gegenüber, hinter ihnen die restlichen Spieler. Die Vogelperspektive zeigt, wie die Spieler – scheinbar wie auf dem Schlachtfeld – aufeinander zustürmen, sich dann aber umarmen und abklatschen. Das dritte Video ist schließlich eine Anlehnung an die Uefa-Kampagne „Respekt“. Die KSV-Spieler werden nacheinander gezeigt und sagen auf unterschiedlichen Sprachen „Nein zu Rassismus“. Gedreht wurde dieses letzte Video vom Kasseler Filmemacher Paul Mayer. Eigentlich sollten die Clips Stück für Stück als Werbung für das Derby und am Spieltag veröffentlich werden. „Die Partie ist zwar ausgefallen, aber die Botschaft bleibt“, sagt Bettermann. „Trotz des momentanen Abstands wollten wir ein Zeichen setzen.“ Mit rund 10 000 Aufrufen in den ersten 24 Stunden ist das den Löwen gelungen.

Die Spieler

Setzen sich gegen Rassismus ein – und auch für ihren Klub. Während einige Akteure wohl auf Kurzarbeitergeld umgestellt werden, verzichten manche sogar komplett auf ihre Aufwandsentschädigung.

Bei Facebook und Instagram gibt der KSV Hessen zudem einen Einblick in das aktuelle Leben seiner Fußballer. Regelmäßig gibt es kurze Clips von einzelnen Spielern. Zum Beispiel – wie gerade im Trend – jonglieren sie mit einer Klopapierrolle. Auch die Verletzten kommen zu Wort und berichten vom Stand der Dinge.

Die Fans

Die Anhänger können dem Verein helfen. Und das auf unterschiedliche Weise. Wie Bettermann sagt, habe bisher noch niemand das Geld für ein bereits gekauftes Ticket zurückverlangt. „Jeder hilft dem Verein, wenn er auf die Rückerstattung verzichtet“, sagt er.

Zudem seien bereits nach einem Tag 80 bis 90 der Löwen-Tickets verkauft worden, mit denen die Fans den Klub finanziell unterstützen. Jedes Ticket kostest ab fünf Euro aufwärts – je nachdem, mit wie viel Geld man dem KSV helfen möchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.