Vier Operationen am Knie 

KSV-Torhüter Niklas Hartmann: „Ich hatte Angst um mein Bein“

+
12. Oktober 2019: KSV-Torhüter Niklas Hartmann muss in der Partie gegen Steinbach verletzt das Feld verlassen. 

Kassel – Es ist der 12. Oktober 2019. In der Partie des KSV Hessen Kassel gegen den SV Steinbach läuft die 66. Minute. Tobias Damm gibt sein Cheftrainer-Debüt für die Löwen.

Doch dieses Spiel, diese 66. Minute ist auch der Beginn einer langen Leidenszeit für Torhüter Niklas Hartmann.

Nach einer Standardsituation der Gäste bleibt der damals 29-Jährige im Strafraum liegen, humpelt anschließend vom Feld. Damm sagt hinterher, Hartmann habe schon in den Tagen vorher Probleme mit dem Knie gehabt, es sich dann verdreht. Deswegen habe er vom Feld gemusst. Es stellt sich heraus, dass der Meniskus gerissen ist. Hartmann wird dem Fußball-Hessenligisten aber länger als die zunächst vermuteten drei Monate fehlen.

„Am Samstag habe ich mich verletzt, am Donnerstag wurde ich dann in Kassel operiert. Eigentlich hätte ich sechs Wochen auf Krücken gehen müssen und dann wieder normal laufen können“, sagt Hartmann. Es kommt anders. „Einen Tag nach der OP ist das Knie dick geworden, die Schmerzen wurden immer größer“, erzählt der Torwart. Mit dem Krankenwagen wird er in die Notaufnahme gebracht, das Knie wird punktiert. Dabei passiert etwas, das die kommenden Monate für Hartmann zu einer schlimmen und schmerzhaften Zeit macht.

„Ich bin anschließend wieder nach Hause gefahren. Aber ein paar Tage später waren die Schmerzen wieder da, das Knie wieder dick“, sagt er. Es wird erneut punktiert. Dabei wird jedes Mal ein Bluttest gemacht. Und der zeigt: Es ist ein Infekt im Knie. „Das muss passiert sein, als es das erste Mal punktiert wurde, sagt Hartmann, „denn nach der OP war noch alles gut.“

Von diesem Moment an wird alles kompliziert. Der KSV-Torhüter muss zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. „Ich hatte höllische Schmerzen, habe Morphin bekommen, damit es geht“, sagt er. Er habe in dieser Zeit kaum etwas essen können und sieben Kilogramm abgenommen.

Wegen des Infekts muss Hartmanns Knie zweimal gespült werden. Das bedeutet: Es wird wieder aufgemacht. Dabei stellt sich heraus, dass der Infekt den verletzten Meniskus angegriffen hat. Der operierte Teil muss komplett entfernt werden.

„Als das durch war, hätte ich das Knie sofort wieder komplett belasten dürfen, weil der Teil ja rausgenommen wurde. Ich konnte es aber nur zu 20 Grad beugen, nicht mal richtig sitzen“, erzählt Hartmann. Es folgt tägliche Physiotherapie. Durch das lange Liegen hat sich das Gewebe verklebt. Aber auch nach drei Wochen wird es nicht besser. Die Folge: Hartmanns Knie muss unter Narkose durchbewegt werden. Wieder geht es ins Krankenhaus. Es ist der 10. Dezember, ein Tag nach seinem 30. Geburtstag. Anschließend bleibt er dort. Eine Motorschiene bewegt das Knie immer wieder durch.

„Danach wurde es besser. Ich bin nach Hause gekommen. Da wurde es wieder schlechter. Zehn Tage später hatte ich dann aber einen Durchbruch. Die Schmerzen sind zurückgegangen und ich bin wieder beweglicher geworden,“ erzählt der Torhüter. Es sei eine heftige Zeit gewesen. Er sagt: „Ich hatte manchmal Angst um mein Bein, dass es steif wird. „Keiner konnte mir sagen, wann es besser wird. Der Infekt hatte so viel kaputtgemacht. Ich habe mal gelesen, dass die Chance, einen Infekt zu bekommen, bei eins zu 34 000 liegt“, sagt Hartmann.

Wenn er ehrlich sei, habe er den Fußball in dieser Zeit kaum vermisst, erzählt der 30-Jährige. „Ich wollte einfach wieder gesund sein, am Alltagsleben teilnehmen. Ich konnte nicht am Tisch sitzen, nicht Autofahren, war immer auf Hilfe angewiesen.“

Am 1. Januar fängt Hartmann wieder an zu arbeiten. Einen Zeitplan für die Rückkehr aufs Feld habe er nicht. „Keiner kann sagen, wie lange es dauern wird“, sagt er. Er kann gerade wieder gehen, humpelt aber noch, versucht, wieder ein vernünftiges Bewegungsbild zu bekommen. Es wird noch Monate dauern, bis er wieder spielen kann, vermutet er. Aber: „Ich bin gerade einfach dankbar, dass ich am Leben teilnehmen kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.