Gremiensitzung am Dienstagabend

KSV Hessen Kassel trennt sich von Trainer Hirsch - Neuer Trainer steht fest

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Nicht mehr länger KSV-Trainer: Dietmar Hirsch.

Nach dem elften Spieltag und der 1:2-Niederlage gegen Eddersheim ist Schluss. Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel hat sich von Trainer Dietmar Hirsch getrennt.

Update am 09.10.2019 um 11.15 Uhr - Noch vor der Pressekonferenz am Nachmittag steht die wichtigste Personalie beim Fußball-Hessenligisten KSV Hessen Kassel fest. Nach der Entlassung von Trainer Dietmar Hirsch wird Tobias Damm das Amt bis zum Saisonende übernehmen. 

Der 35-Jährige war unter Hirsch wie unter dessen Vorgänger Tobias Cramer Co-Trainer. Als Spieler hat der Stürmer fast 200 Spiele für die Löwen bestritten. Damm, der hauptberuflich im VW-Werk beschäftigt ist, bekommt einen weiteren Ex-Spieler des KSV als Co-Trainer an die Seite gestellt. 

Sebastian Busch spielte lange Jahre für die erste und zweite Mannschaft. Der 37-Jährige war bisher Co-Trainer von Thorsten Hirdes in der Gruppenliga-Reserve. In der Pressemitteilung des Vereins wird Vorstandsmitglied Jens Rose so zitiert: „Tobias Damm und Sebastian Busch haben diesen Herbst ihre Trainerausbildung erfolgreich abgeschlossen. Tobias Damm steht für uns für die Ruhe und Besonnenheit, um die Verunsicherung in der Mannschaft zu beseitigen. Sebastian Busch für die Mentalität und den Einsatz, den die Mannschaft auf dem Platz zeigen wird. Beide sind regional verwurzelt und eng mit dem KSV verbunden - diese Identifikation mit dem Verein benötigen wir jetzt.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 8. Oktober 21.05 Uhr - Das haben Vorstand und Aufsichtsrat in einer Sitzung am Abend beschlossen.

Auch der sportliche Leiter Jörg Müller nahm am Abend an der Sitzung teil. Vorstandsmitglied Daniel Bettermann bestätigte die Entscheidung gegenüber unserer Zeitung: „Die Gremien haben das einstimmig beschlossen. Der Grund liegt auf der Hand. Wir sind von unserer Zielsetzung weit entfernt.“ 

Weitere Gründe und die Planungen für die Zukunft will der KSV am Mittwoch während einer Pressekonferenz bekannt geben. 16 Punkte aus elf Spielen, lediglich vier Siege, die Tabellenspitze in weiter Ferne – allein diese Bilanz zwang zum Handeln. 

Hirsch hatte die Mannschaft vor der Saison von Tobias Cramer übernommen. Mit dem früheren Bundesliga-Spieler, der einen Einjahres-Vertrag mit Option für ein weiteres Jahr im Falle des Aufstiegs unterschrieb, wollte der KSV schrittweise eine größere Professionalisierung einleiten. 

Die Ergebnisse aber blieben von Beginn an aus. Beim Auftaktspiel in Stadtallendorf unterlagen die Kasseler trotz einer starken Offensivleistung mit 3:4. Dabei waren bereits die Fehler zu sehen, die sich durch die gesamten bisherige Saison zogen: haarsträubende Fehler vor allem in der Defensive. „Individuelle Fehler“ waren es auch, die der Trainer in den kommenden Wochen immer wieder ansprach. Das stimmte einerseits, brachte ihm aber auch viel Kritik ein. 

Die ausbleibenden Erfolge führten zuletzt zu einen Stimmungsboykott und Fan-Protesten. Am Sonntag waren die Anhänger aus der Nordkurve auf den Platz gestürmt und diskutierten mit den Spielern.

Hirsch wollte der Mannschaft eine andere Spielidee verpassen als sein Vorgänger. Sehr offensive, hochstehende Außenverteidiger, viel Ballbesitz, spielerische Lösungen statt langer Bälle – all das schien die Spieler aber zu verunsichern. Die Stimmung innerhalb des Teams schien zudem in den letzten Wochen deutlich verschlechtert. Am Sonntag saßen dann einstige Stammkräfte wie Sebastian Schmeer und Adrian Bravo Sanchez auf der Tribüne. Nun hat der KSV Hessen die Reißleine gezogen.

Das passierte vor der Sitzung

Artikel vom 8. Oktober 8.25 Uhr - Es hätte eine Woche werden können, in der der KSV Hessen Kassel vieles hätte geraderücken können. Auswärts beim Tabellenletzten Fernwald, dann die beiden Heimspiele gegen Hadamar und Eddersheim.

Es wurde schließlich eine Woche zum Vergessen für den Fußball-Hessenligisten. Nur zwei von neun möglichen Punkten geholt, zudem das erste Liga-Heimspiel seit dem 25. November 2017 verloren. Seit fast zwei Jahren!

Es wurde also eine Woche, in der die Löwen ihr klar kommuniziertes Ziel – den Aufstieg in die Regionalliga – noch weiter aus den Augen verloren. Klar, bei einem Spiel weniger könnte der optimistische Fan meinen, dass es nur sieben Punkte auf den zweiten Platz sind, neun auf Rang eins. 

Jens Rose, Vorstandsmitglied des KSV

Frustration bei Fans, Spielern, Trainern und Gremien

Bei noch 23 Partien – alles möglich. Allerdings sollte der Blick vielmehr nach unten gehen. Der erste Abstiegsplatz ist nur drei Zähler entfernt. Es warten ein Heimspiel am Samstag gegen den Drittletzten Steinbach und dann am Mittwoch das Nachholspiel gegen Hessen Dreieich. Das Team, das am Samstag zuhause gegen Fulda gewann.

Vorstandsmitglied Jens Rose findet für die aktuelle Situation klare Worte: „Wer im Moment das Wort Aufstieg in den Mund nimmt, der sollte zur Strafe im Mittelkreis 100 Liegestütze machen.“ Die Lage der ersten Mannschaft sei absolut unbefriedigend, sagt Rose. „Das geht nicht nur den Zuschauern so, das geht auch uns so. Jeder ist frustriert: Fans, Spieler, der Trainer, die Gremien.“

Rose kündigt an, dass es in dieser Woche eine Sitzung der Gremien geben werde. „Wir werden uns zusammensetzen und eine Entscheidung treffen“, sagt er. Geht es dabei um Trainer Dietmar Hirsch? „Das Ergebnis ist offen. Wir sind zehn Leute. Wir treffen uns nicht und haben schon eine Entscheidung“, sagt Rose. Das klingt nicht mehr nach Vertrauen in die aktuelle sportliche Leitung. Es wird eng für Hirsch.

Die Mannschaft wirkt uneins

Der KSV hat in wenigen Wochen vieles von dem eingerissen, was er sich in mühsamer Arbeit aufgebaut hat. Die Fans – lange der ewigtreue Rückhalt, der ihm auch das Verpassen der Ziele vergab, weil die Mannschaft authentisch auftrat und ihr Herz auf dem Platz ließ – wenden sich ab. Der Trainer wirkt ratlos. Die Mannschaft wirkt uneins. Nun ist auch noch die beeindruckende Heimserie gerissen. Das alles führt dazu, dass das Ziel in immer weitere Ferne rückt.

Wieviel Zeit bleibt Hirsch also noch? Das ist wohl auch eine Frage der Alternativen. Co-Trainer Tobias Damm wäre kein Vollzeit-Coach, hat einen Job. Der Sportliche Leiter Jörg Müller soll – so klingt es durch – nicht die bevorzugte Wahl vieler Spieler sein. Ob das Geld für einen Trainer von außerhalb ausreicht, ist fraglich. Viele Fans werden nun sicherlich denken: Irgendwo in Willingen sitzt doch ein Mann, ein Trainer, mit dem alles viel einfacher hätte sein können.

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