Erst katastrophal, dann druckvoll 

KSV Hessen nach 3:4 in Stadtallendorf: Das war kaum zu fassen

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Wie konnte das nur passieren? KSV-Mittelfeldspieler Marco Dawid schlägt die Hände über den Kopf zusammen.  

Die bemerkenswerte Aufholjagd in der zweiten Halbzeit blieb ohne Krönung: Eine haarsträubende Defensivleistung vor der Pause hat dem KSV Hessen den Saisonstart verdorben.

Beim Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf verlor der Fußball-Hessenligist 3:4 (1:4). Die Steigerung nach dem Wechsel wurde nicht belohnt. Die wichtigsten Punkte des Debüts von Trainer Dietmar Hirsch:

Die Aufstellung

Hielt eine echte Überraschung parat. Lukas Iksal startete auf dem linken Flügel. Der 25-Jährige machte seine Sache richtig gut, überzeugte mit Laufbereitschaft und Tempo, erzielte das Tor zum 1:2 und holte den Elfmeter vor dem 2:4 heraus. Allein richtig darüber freuen konnte er sich nicht. „Das ist schon sehr bitter, wie die Gegentore gefallen sind. Wir waren von der ersten bis zur letzten Minute die bessere Mannschaft“, sagte Iksal kurz nach dem Abpfiff. „Wir haben für die, die die Fehler gemacht haben, gekämpft. Wir haben alles gegeben. Spielerisch hätte ich von Stadtallendorf mehr erwartet.“ Er erkannte aber auch: „Wenn du vier Tore kassierst, dann hast du auch verdient verloren. Aber wir haben in der zweiten Hälfte eine Reaktion gezeigt.“

Das Abwehrdrama

Bevor die Mannschaften auf das Feld laufen, erklingt in Stadtallendorf „Spiel mir das Lied vom Tod“. Tödlich war dann vor allem das Defensivspiel der Löwen. Einfacher als für die Gastgeber in der ersten Hälfte kann Toreschießen kaum sein. Dreimal reichte ihnen für die Vorbereitung ein Befreiungsschlag aus dem Strafraum. Den Rest erledigte die Kasseler Innenverteidigung, in der vor allem Jan-Philipp Häuser einen schwarzen Tag erwischte.

Dem 0:1 war ein Fehlpass in der eigenen Hälfte vorausgegangen, dann nutzen die Gastgeber Kasseler Stellungsfehler dreimal gnadenlos. „Das ist sehr ärgerlich. Es waren alles individuelle Fehler“, sagte Innenverteidiger Alexander Mißbach, der selbst einmal patzte. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann nichts mehr zugelassen. Aber dafür können wir uns nichts kaufen. Wir müssen das jetzt abhaken.“

Auffällig war: Der KSV stand extrem hoch, rückte mit den Außenverteidigern weit in die gegnerische Hälfte. Der Gegner sollte früh unter Druck gesetzt werden, die Löwen waren so aber defensiv sehr anfällig. „Das war unser Plan. Und ich bin mir auch sicher, dass wir das können“, sagte Trainer Dietmar Hirsch hinterher. „In der gesamten Vorbereitung haben wir das hinbekommen. Solche Fehler wie heute habe ich da nicht einmal gesehen.“

Die Garantie

Das war bemerkenswert. Direkt nach dem Spiel stellte sich Dietmar Hirsch demonstrativ hinter den zur Pause ausgewechselten Häuser. „Ich weiß, was er kann. Ich bin von seinen Qualitäten absolut überzeugt“, sagte der Trainer. Und nicht nur das. Er gab dem Innenverteidiger, der in der Kabine untröstlich war, eine Einsatzgarantie: „Ich habe ihm bereits gesagt, dass er kommende Woche in der Startformation stehen wird.“

Die Hektik

In der Schlussphase wurde die Partie hektisch und bisweilen schwer überschaubar. Schiedsrichter Timo Wlodarczak machte da nicht immer die beste Figur. Nach dem Schlusspfiff war KSV-Außenverteidiger Tim Brandner dann auch auf der Suche nach dem Unparteiischen, denn: „Ich würde ihm gern ein Foto zeigen.“ Auf diesem war klar zu sehen, wie er von einem Stadtallendorfer Verteidiger im Strafraum gehalten wurde. Aber: Er bekam eine Gelbe Karte wegen Schwalbe.

Wohl eine Konzessionsentscheidung. Zuvor hatte Wlodarczak den Gastgebern einen Strafstoß verweigert und ebenfalls auf Schwalbe entschieden. Auch wegen dieser Hektik kam es mehrmals zu Rudelbildungen. Nach einer von diesen sah Neuzugang Alban Meha die Rote Karte wegen eines Schubsers, Stadtallendorfs Felix Nolte Gelb-Rot. Die Krönung blieb aus.

Der Spielfilm: 

8. Minute. 0:1 durch Damijan Heuser. Vorausgegangen waren ein Fehlpass, ein Über-den-BallSchlagen von Jan-Philipp Häuser, ein Reklamieren wegen Handspiels. Stadtallendorf ist wach und trifft. 29. 0:2. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Befreiungsschlag Nummer eins der Gastgeber. Aber Häuser wird von Felix Nolte überlaufen, der auch noch Niklas Hartmann umspielt und einschiebt. 

30. 1:2. Kurzzeitige Hoffnung für den KSV. Marco Dawid gelingt der erste Torschuss, den Abpraller verwandelt Lukas Iksal zum Anschlusstreffer. 

33. 1:3. Es ist so leicht für die Eintracht. Wieder ein langer Ball nach vorn. Diesmal verschätzt sich Alexander Mißbach. Jascha Döringer trifft. 

45. 1:4. Desaster perfekt. Wieder unterläuft Häuser einen langen Ball, wieder ist Döringer der Nutznießer. 

60. 2:4. Iksal geht ins Laufduell, wird von Arne Schütze gefoult. Sebastian Schmeer verwandelt mit Wucht. Ein Elfmeter mit Signalwirkung. Hier soll noch was gehen. 

73. 3:4. Es geht tatsächlich noch etwas. Freistoß für die mittlerweile komplett dominanten Löwen. Der eingewechselte Alban Meha schlenzt den Ball von der linken Strafraum-Kante ansatzlos in Netz. 

90. Marcel Fischer hat nach einem Freistoß von Meha die Chance zum Ausgleich, kann den Ball volley aber nicht richtig platzieren. 

90.+6. Wegen der Trinkpausen wird lange nachgespielt. Die in der Schlussphase extrem hektische Partie erhält nach einer Flut an Gelben Karten noch die negative Krönung. Meha sieht nach einem Gerangel Rot, Stadtallendorfs Nolte Gelb-Rot. Kurze Zeit später ist dann endgültig Schluss.

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