Klassenerhalt nur noch mit Hilfe 

KSV Hessen nach der Niederlage in Koblenz: Albrecht und der Wenn-Moment

+
Kann es nicht fassen: KSV-Innenverteidiger Lucas Albrecht musste sich doppelt ärgern. Erst verschoss er einen Strafstoß zum möglichen Ausgleich. Dann verloren die Löwen am Ende 0:1.

Koblenz. Die ganze Dramatik des Fußballs, sie liegt oft in den Worten „wenn“ und „hätte“. „Wenn doch bloß... .“ Und: „Dann hätte alles anders kommen können... .“ Der KSV Hessen Kassel hatte in Koblenz einen solchen Wenn-Moment.

Er ereignete sich in der 53. Minute des Krimis im Keller der Regionalliga Südwest. Es war der Moment, der alles hätte ändern können.

0:1 lagen die Löwen hinten. Durch ein Tor, das Michael Stahl per Kopfball bereits in der 5. Minute erzielte. Der KSV hatte danach nie wirklich in die Partie gefunden. Dann aber pfiff Schiedsrichter Tobias Fritsch Strafstoß für die Löwen. Lucas Albrecht trat an. Albrecht, der in dieser Saison schon fünf Strafstöße sicher verwandelt hatte. Er wählte das linke Eck, doch TuS-Torhüter Dieter Paucken war da, hielt den zu schwach geschossenen Ball. „Ich bin sicher, wenn wir diesen Elfmeter verwandelt hätten, dann hätte Koblenz daran schwer zu knabbern gehabt“, sagte Trainer Tobias Cramer später.

So aber verlor seine Mannschaft das so wichtige Spiel im Abstiegskampf. Und kann den Klassenerhalt nun nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

Albrecht war nach Abpfiff sichtlich geknickt. „Der verschossene Elfmeter macht mich richtig traurig“, sagte er. Aber es war eben bezeichnend, dass ausgerechnet der Konstante im KSV-Spiel dieses Mal nicht traf. So schwand die Hoffnung auf die Wende. „Mit dem 1:1 hätte wir eine ganz andere Ausgangslage gehabt. Ich hätte lieber mal einen verschossen, wenn wir 3:0 führen. Mit einem Unentschieden hier hätten wir ein ganz anderes Gefühl für das letzte Spiel gehabt“, sagte Albrecht.

Die Niederlage vor allem am verschossenen Elfmeter festzumachen, wäre aber nicht gerecht. Zu schwach war die erste Halbzeit, in der auch der entscheidende Treffer für Koblenz fiel. Die Löwen sorgten selten für Entlastung. Nach Balleroberungen ging es immer wieder hoch und weit nach vorn – mit der Folge, dass kaum ein geordnetes Spiel entstand. Zudem sorgte die TuS vor allem über die Außen – auf denen Sergej Schmik und Steven Rakk Probleme hatten – für Gefahr.

„In der ersten Halbzeit war der Druck noch in den Köpfen. In der zweiten Hälfte haben wir uns dann darauf besonnen, was wir machen müssen“, erklärte Albrecht den schwachen Beginn.

Nach der Pause stand der KSV defensiv stabiler, offensiv erspielte er sich nun Chancen. Sichtbar war auch, dass die Löwen mehr Kraft hatten, Koblenz dem hohen Aufwand Tribut zollen musste. „Trotzdem ist es ein verdienter Sieg für Koblenz. Wir haben nicht auf allen Positionen 100 Prozent auf den Platz bekommen“, bilanzierte Cramer. Er stellte aber auch fest: „Wir haben so viel geleistet in den vergangenen Wochen.“ Aufgegeben hat der Trainer deshalb längst nicht: „Wir sind noch im Rennen um den fünftletzten Platz. Wir wollen gegen Stadtallendorf siegen – alles andere liegt dann nicht in unserer Hand.“

Und es hätte ja schon in Koblenz noch einmal alles besser kommen können für den KSV. Und für Albrecht. Der in der Nachspielzeit erneut die Chance hatte zum Ausgleich. Sein Kopfball passte perfekt. Doch wieder parierte Paucken. Die Löwen hatten ihren letzten Wenn-Moment.

Der Spielfilm: 

Koblenz. Ein frühes Gegentor, ein verschossener Elfmeter und vergebene Großchancen zum Schluss. Der Krimi im Keller zwischen Koblenz und Kassel im Spielfilm:

14 Uhr, Anpfiff. Es ist alles angerichtet für einen packenden Abstiegskampf. 2500 Zuschauer im Stadion Oberwerth sorgen für beste Stimmung. Vor allem gilt das für die fast 600 KSV-Anhänger, die ihr Team sensationell unterstützen. 5. Minute: Fehlstart für Kassel. Eine Ecke der Gastgeber scheint geklärt. Aber beim folgenden Ball aus dem Halbfeld kommt Michael Stahl am langen Pfosten zum Kopfball und trifft ungehindert zum 1:0.

15. Minute: Brian Schwechel ist nach einer der wenigen schönen KSV-Kombinationen im Strafraum, will querlegen, wird aber geblockt. Schwechel und die Löwen-Anhänger reklamieren Handspiel. 17. Minute: Einen schönen Freistoß, den Sascha Korb von der linken Strafraumgrenze schieß, faustet Torhüter Dieter Paucken über die Latte. 31. Minute: Dino Bajric köpft eine Flanke von Kevin Lahn über das Kasseler Tor. Koblenz bereitet den Kasseler immer wieder größte Probleme auf den Flügeln. 32. Minute: Eine Halbchance der Löwen. Sebastian Schmeer trifft das Außennetz.  37. Minute: Auch Koblenz kann Außennetz. Marco Müller trifft es nach erneuter Flanke von Lahn. 45. Minute: Frederic Brill verhindert bei einem Schuss von Bajric auf der Linie in höchster Not das 0:2. Sergej Schmik war von Marco Koch auf dem Flügel ausgespielt worden. Nachspielzeit: Es wird turbulent. Wieder im Mittelpunkt: Frederic Brill. Der KSV-Kapitän lässt Lahn bei einem Konter böse auflaufen. Die TuS-Anhänger fordern Rot. Schiedsrichter Tobias Fritsch gibt Gelb. Zurecht: Brill war nicht letzter Mann. 46. Minute: Kassels Trainer Tobias Cramer reagiert auf die defensiven Probleme auf dem Flügel. Bringt Marco Dawid für den diesmal überforderten Steven Rakk. Sascha Korb stabilisiert nun die Verteidigung. 53. Minute: Tim Philipp Brandner wird im Strafraum gefoult. Elfmeter. Doch Lucas Albrecht scheitert an Paucken. 60. Minute: Das Spiel wird immer dramatischer. Kassel drängt, Koblenz kontert. Torhüter Niklas Hartmann verhindert gegen Stahls Kopfball bravourös das 0:2. 69. Minute: Noch einmal Hartmann. Der Torhüter pariert auch einen 25-Meter-Schuss von Marco Müller. 80. Minute: Der KSV startet endlich eine stürmische Schlussphase. Das Signal gibt wieder ein Freistoß von Korb, der knapp über das Tor geht. 83. Minute: Das ist die Riesenchance zum Ausgleich. Nach Vorarbeit des eingewechselten Marco Dawid kommt der Ball am hinteren Pfosten zu Brandner. Der aber kann sich für eine starke Leistung nicht belohnen, zieht knapp am langen Pfosten vorbei. 90. Minute. Abstiegskampf sorgt für Emotionen. Bei einem Einwurf für Kassel kommt es zu Rudelbildung und wilden Schubsereien. Kassels Nael Najjar und der Koblenzer Felix Käfferbitz sehen wegen Tätlichkeiten die Rote Karte. Kurios: Beide sind Auswechselspieler. Nachspielzeit: Für eine weitere Tätlichkeit sieht auch der Koblenzer Patrik Dzalto Rot – drei Minuten nach seiner Einwechslung. Und der KSV, er bekommt tatsächlich noch die Chance. Albrechts tollen Kopfball faustet Paucken über die Latte. Dann ist es vorbei. Der KSV verliert den packenden Krimi im Keller.

So schafft der KSV noch den Klassenerhalt

Die Niederlage gegen Koblenz tut weh: Denn der KSV hat den Klassenerhalt nun nicht mehr in der eigenen Hand. Platz 14 – der zum direkten Klassenerhalt gereicht hätte – ist außer Reichweite. Für die Löwen gibt es noch drei mögliche Szenarien:

• Szenario 1: Die Löwen springen am letzten Spieltag noch auf Platz 15. Dann müsste nur eine Mannschaft – Saarbrücken gegen 1860 München oder Mannheim gegen den Meister der West-Staffel – den Aufstieg schaffen, damit der KSV die Liga hält. Dafür müssen die Löwen aber auf einen Ausrutscher von Koblenz in Elversberg hoffen und selbst gegen Stadtallendorf punkten.

• Szenario 2: Die Löwen bleiben auf dem 16. Platz. Dann müssten Saarbrücken und Mannheim in der Aufstiegsrelegation den Sprung in Liga drei schaffen, damit die Löwen drin bleiben.

• Szenario 3: Auch der direkte Abstieg ist noch möglich. Sollte der KSV gegen Stadtallendorf verlieren und die Stuttgarter Kickers gegen den FSV Frankfurt gewinnen, geht es in die Hessenliga.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.