Als ein Greif die Löwen rettete

KSV Hessen: Neuauflage des legendären Duells mit Hanau 93 scheint möglich

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Das Siegtor: Dieter Greif vom KSV (dunkles Trikot, links) wuchtet den Ball gegen Hanau zum 3:2 ins Netz. Vorn Helmut Hampl (10).

Der BC Sport, gegründet 1894, ist der zweitälteste hessische Fußballklub. Noch ein Jahr älter ist der FC Hanau 93. Nach langen trostlosen Jahren auf Kreisebene scheint der Klub auf dem Weg zurück in die Hessenliga.

Bei der TS Ober-Roden startet der souveräne Spitzenreiter der Verbandsliga Süd am Samstag in die Restrunde. Was auch für den KSV Hessen bedeutungsvoll ist, weil die 93er und die Löwen somit in der kommenden Saison knapp 40 Jahre nach ihrem legendären Duell im Auestadion erstmals wieder aufeinandertreffen könnten.

5500 Zuschauer sahen am 9. Februar 1980 ein Spiel, das sie und alle Beteiligten wohl nicht vergessen haben. Auch deshalb, weil es wegweisend war. Der KSV rang Hanau in der Oberliga 3:2 nieder und nahm Kurs Zweitligaaufstieg, die Gäste rutschten ab in sportliche Bedeutungslosigkeit. „Nach Höllenqualen im siebten Fußballhimmel“, titelte damals HNA-Redakteur Günter Grabs.

80 Minuten lang hatte der KSV Hessen seine Anhänger zur Verzweiflung getrieben und lag 0:2, darunter ein Eigentor von Bernd Hüter, hinten. Dann gewannen die Löwen noch 3:2. Ein von Trainer Rudi Kröner als Joker aufs Feld geschickter Neuzugang namens Dieter Greif leitete die Wende ein und vollendete sie in der Nachspielzeit.

Zur Pause für Bernd Sturm gekommen, verkürzte der gebürtige Bochumer im ersten Einsatz nach eineinhalb Jahren Pause zunächst auf 1:2 (81.). Und nach dem Ausgleich durch Klaus Zaczyk (89.) legte der 30-Jährige nach und traf zum Sieg (90.+2). Vergessen waren im grenzenlosen Jubel der Fans deren vorherige Schimpftiraden. „Wir haben heute Zweitliga-Fußball gesehen“, sagte Hanaus Trainer Gyula Toth, von 1976 bis 1979 selbst ein Löwe, an früherer Wirkungsstätte.

Die Kasseler wurden Meister vor dem Lokalrivalen KSV Baunatal. Mit FSV Bergshausen, Tuspo Ziegenhain und Olympia Kassel gehörten weitere nordhessische Teams der Oberliga an. Die Zwehrener stiegen allerdings ab.

Danach ließen sich die Löwen den Aufstieg in die 2. Liga nicht mehr nehmen und erlebten erfolgreiche, wenn auch nicht vom Bundesliga-Aufstieg gekrönte Jahre.

Die geschlagenen Gäste, gerade aus der 2. Bundesliga abgestiegen, versanken in den unteren Ligen. Daraus arbeitete sich der Klub erst seit wenigen Jahren wieder heraus. Mit acht Punkten führen die 93er die Verbandsliga Süd an. Nur eine Partie verloren sie, und zwar Ende November zu Hause gegen Schlusslicht Eintracht Altwiedermus mit 0:4. Kaum zu glauben, aber wahr.

Die Mannschaft ist gespickt mit aus der Hessenliga bekannten Namen wie Spielertrainer Christoph Prümm, Khaibar Amani oder Tim Fliess. Auch Daniyel Cimen, Ex-Profi von Eintracht Frankfurt und Trainer von Hessenliga-Spitzenreiter FC Gießen, kickt, wenn es der Terminplan ermöglicht, für die Hanauer. Setzen diese den Höhenflug fort, könnte es in der kommenden Saison eine Neuauflage des Duells von 1980 geben. Falls die Löwen bis dahin nicht selbst noch zum Höhenflug angesetzt haben. 

Hintergrund: Der FC Hanau 93

Der 1. FC Hanau 93, ältester hessischer und siebtältester deutscher Fußballverein, spielte schon früh und auch noch in den Fünfzigerjahren relativ hochklassig. 1894 qualifizierten sich die Hanauer für das Finale um die deutsche Meisterschaft bei Viktoria Berlin. Weil die Reisekosten zu hoch waren, musste der Klub passen. 2007 wurde das Duell in Hin- und Rückspiel nachgeholt. 

Es erregte bundesweit großes Medieninteresse, ging für die 93er aber verloren. Laut deren Sportlichem Leiter Giovanni Fallacara ist Hanau die einzige deutsche Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern, die nicht mindestens in der landesweit höchsten Fußballklasse vertreten ist - ein Ansporn für ihn und den Traditionsverein.

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