Nach 2:0 nur 2:2 – KSV hat gegen Balingen nur eine Halbzeit alles im Griff

Wenn der Schein trügt

KSV Hessen Trainer Tobias Damm steht vor der Videowand im Auestadion Kassel beim Spiel gegen die TSG Balingen
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Da war die Welt noch in Ordnung: Kurz nach der Halbzeitpause dachte KSV-Trainer Tobias Damm noch nicht daran, dass dieser Samstag mit der 2:0-Führung gegen Balingen noch eine bittere Wendung nehmen würde.

Kassel – Mit gesenkten Köpfen schlichen die KSV-Spieler vom Platz. Ganz nach dem Motto: Nur weg hier, nur rein in die Kabine, um die zweite Halbzeit so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

Die Löwen hatten in den ersten 45 Minuten dieser Regionalliga-Partie gegen die TSG Balingen aber sowas von alles im Griff, führten 2:0 und nichts – aber auch gar nichts – machte den Anschein, dass nach diesem Duell keine drei Punkte stehen würden. Am Ende wurde es jedoch ein derart seltsamer Nachmittag, der gemeinsam mit dem 2:2-Endstand viel Rat- und Sprachlosigkeit hinterließ. Beim Trainer und bei den Spielern.

„Das ist eine Riesen-Enttäuschung heute, mir fehlen irgendwie die Worte. Dieses Spiel aus der Hand zu geben, ist verdammt brutal. Das müssen wir jetzt genau analysieren, bislang habe ich noch keine Erklärung dafür“, sagte KSV-Trainer Tobias Damm. Vor allem meinte er damit die Phase in der zweiten Halbzeit zwischen der 55. und 64. Minute, als die Gastgeber zwei Treffer und damit den Ausgleich hinnehmen mussten.

Aber der Reihe nach. Es ließ sich gut an für die Löwen, die auf einen extrem defensiv eingestellten Gegner trafen, der nur wenig am Spielgeschehen teilnehmen wollte und seine Chancen über Konter suchte. Der auffällige Felix Heim wurde zweimal gestoppt (12., 33.). Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits 1:0 für die Gastgeber gestanden, nachdem Kevin Nennhuber einen langen Einwurf von Adrian Bravo Sanchez übder die Linie gedrückt hatte. Das 2:0 besorgte dann Mahir Saglik in der 38. Minute per Foulelfmeter, nachdem zuvor Alban Meha von Leander Vochatzer im Strafraum umgestoßen worden war. Dass der Schein trog, konnte jetzt noch keiner ahnen.

„Wir hatten alles unter Kontrolle und haben in der Halbzeitpause extra nochmal darauf hingewiesen, dass wir nun aufpassen müssen. Aber das Gegenteil war der Fall. Wir haben den Gegner stark gemacht, und der bekam nach dem Anschlusstreffer die zweite Luft“, sagte KSV-Verteidiger Alexander Mißbach. Dieser Anschlusstreffer fiel aus heiterem Himmel in der 55. Minute. Nachdem Heims Distanzschuss kurz zuvor noch gegen den Pfosten geklatscht war (52.), machte Vochatzer seinen Fauxpas vor dem Strafstoß wieder gut und schlenzte den Ball im Nachschuss ins Netz. Dieser arg gebeutelte Gegner, der die vergangenen vier Spiele teils hohe Niederlagen kassiert hatte und gerade mal vier Ersatzspieler aufbieten konnte, kam soeben auf die Bildfläche zurück.

Und irgendwie wirkten die Löwen schockiert von diesem Zwischenstand. Denn bis auf Sagliks Schuss, der noch abgeblockt wurde, brachten sie in dieser Phase nicht wirklich viel zustande. Stattdessen folgte die kalte Dusche in der 64. Minute. Simon Klostermann hatte sich gegen Mißbach durchgesetzt und wahrhaftig das 2:2 erzielt. Nach den Erkenntnissen der ersten Halbzeit wirkte dieser Ausgleich fast schon unwirklich. „Das ist das Schlechteste, was wir in dieser Saison gezeigt haben. Balingen war in der ersten Halbzeit schon mehr als erledigt, das müssen wir ganz anders zu Ende spielen“, sagte KSV-Innenverteidiger Kevin Nennhuber. Im Anschluss kamen die Löwen nur mit sehr viel Mühe in die Partie zurück, zwei Chancen durch Meha und Sebastian Schmeer blieben letztlich ungenutzt.

Und so feierte Balingen das Unentschieden und den perfekten Klassenerhalt mit Gesängen im Stadion und lauter Musik in der Kabine. Dort verschwanden dann auch die KSV-Spieler recht schnell. Nach einem wirklich seltsamen Nachmittag.

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