2:2 gegen Ginsheim 

KSV Hessen: Trainer Cramer nach Unentschieden sauer aufs Team

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Am Boden: KSV-Kapitän Frederic Brill (rechts). Links Ginsheims Sebastian Platten, über Brill hinweg steigt Stürmer Nils Fischer, ebenfalls von Ginsheim. Im Hintergrund: Jan-Phillip Häuser und Torwart Niklas Hartmann.

Kassel. Wenn das eigene Team kurz vor Schluss den Ausgleich erzielt, dann ist der Trainer meistens glücklich. Vielleicht nicht zufrieden. Aber er freut sich.

Bei Tobias Cramer, Trainer des Fußball-Hessenligisten KSV Hessen Kassel, sah das nach dem 2:2 (1:2) im Auestadion gegen den VfB Ginsheim allerdings ganz anders aus. Cramer war sauer. Und er ließ Dampf ab. Wer die Partie gesehen hatte, der konnte ihn gut verstehen.

Das Spiel

Mit Ginsheim war ein Team zu Gast, das sich im Abstiegskampf befindet. Zudem sind die Südhessen bislang die Schießbude der Liga – 28 Gegentore in zehn Spielen standen für die Mannschaft von Trainer Artur Lemm in der Statistik. Eigentlich eine Pflichtaufgabe für die Löwen, wollen sie weiterhin an der Spitzengruppe dran bleiben. Doch es kam anders.

Bereits in der 11. Minute ging Ginsheim in Führung: Nach einer Ecke flipperte der Ball durch den KSV-Strafraum und sprang vor die Füße von Innenverteidiger Maximilian Thomasberger. Der schob unten rechts ein. In der Folge bekamen die 1100 Zuschauer vor allem eines zu sehen: einen verunsicherten KSV, Fehlpass um Fehlpass, hängende Köpfe, hängende Schultern.

Dass Marco Dawid nach einem tollen Zuspiel von Adrian Bravo Sanchez – das Sebastian Schmeer verpasste – auf einmal allein vor Gäste-Torwart Lukas Langenstein auftauchte und zum Ausgleich traf, kam da eher überraschend.

Doch noch vor der Pause gingen die Ginsheimer erneut in Führung. Lukas Manneck spielte auf der rechten Seite gleich mehrere Kasseler aus, bei seiner Flanke blieben alle stehen und spekulierten auf Abseits – Jörg Finger machte weiter und erzielte die erneute Führung für den Gast (44.). Und der Treffer zählte.

Nach der Pause war zwar mehr Einsatz beim KSV zu erkennen, die Fehler blieben allerdings. Ingmar Merle sorgte mit einem wunderschönen Freistoß noch für den Ausgleich (87.). Trotzdem war dieses Unentschieden gegen eine maximal durchschnittliche Mannschaft zu wenig.

Die Ansage

Zielführender als die 90 Minuten der Löwen war da die anschließende Pressekonferenz. Trainer Tobias Cramer fand deutliche Worte. Es sei absolut enttäuschend gewesen, was seine Mannschaft gezeigt hat. Sein Team habe die Gegneranalyse und die taktischen Vorgaben nicht ernst genommen.

„Ich bin es leid, die Mannschaft immer vollständig in Schutz zu nehmen“, sagte der Coach. „Den jungen Spielern kann ich keinen Vorwurf machen. Aber was die etablierten Spieler zeigen, ist einfach nur enttäuschend. Sie lassen es laufen. Ich habe das Gefühl, sie müssen immer erst mit dem Rücken zur Wand stehen, damit sie ihre Leistung abrufen.“ Das saß.

Und Cramer war noch nicht fertig: „Die Einstellung war in der ersten Halbzeit nicht vorhanden. Das ärgert mich brutal. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, um das zu erklären. Entweder hat die Mannschaft zu viel Selbstbewusstsein. Oder es mangelt am respektvollen Bearbeiten des Gegners. Der Spieler mit dem Ball war heute bei uns die ärmste Sau der Welt.“ Beide Möglichkeiten sprechen für eine gewisse Arroganz. Eine, die sowieso nie und derzeit erst recht nicht angebracht ist.

Eines wollte Cramer dann noch klarstellen: „Ich will nicht im Mittelmaß der Oberliga versinken. Aber wir sind gerade auf dem Weg dahin.“ Für diese deutliche Ansage gab es Applaus.

Am Rande

Tobias Cramer in kurzer Hose? Da war doch was. Genau, in der vergangenen Saison war der KSV-Trainer im Auestadion lange nur mit freien Beinen zu sehen gewesen – bei jedem Wetter. Gegen Ginsheim hatte Cramer die kurze Hose wieder ausgepackt. Obwohl der Sommer endgültig nicht mehr zu spüren war. Im vergangenen Jahr war es die Glückshose des Coaches. Er trug sie bis zur ersten Heimniederlage. Eine Wiederholung wird es aber wohl nicht geben. Er habe sie nur angezogen, weil die Sonne noch draußen war, sagte Cramer.

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