Nach verpasstem Aufstieg 

KSV Hessen: Trainer Tobias Cramer verlässt die Löwen

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Verlässt den KSV Hessen: Tobias Cramer hört bei den Nordhessen auf.

Keine Entlassung, kein Rücktritt, kein Auflösungsvertrag – am Ende ist es ein Abschied. Nach zwei Jahren als Co- und drei Jahren als Cheftrainer verlässt Tobias Cramer den KSV Hessen Kassel.

Aktualisiert um 17 Uhr. Der 44-Jährige unterrichtete die Gremien sowie die Spieler des Fußball-Hessenligisten von seiner Entscheidung, nachdem klar war, dass der Verein die Aufstiegsrunde verpasst hat. Cramers Vertrag – der Willinger hatte zuletzt auch die Position des sportlichen Leiters inne – hätte sich nur bei einem Aufstieg in die Regionalliga automatisch um ein Jahr verlängert.

„Es war mein Schritt. Ich hatte zwei Rollen. Und als sportlicher Leiter geht es auch um eine sachliche Aufarbeitung. Ich habe das Gefühl, dass es Zeit für einen neuen Trainer ist – nach den ganzen Erlebnissen der vergangenen Jahre“, sagte Cramer am Montag. 

Das Drama vom vergangenen Wochenende sei wahnsinnig schwierig zu verarbeiten gewesen, der Schritt, den Klub zu verlassen, extrem emotional. „Am Ende haben wieder die letzten fünf Prozent gefehlt. Da muss man sich auch fragen, ob das an der fehlenden Qualität in der Mannschaft oder am Trainerteam liegt“, sagt der 44-Jährige.

"Vielleicht braucht es mal einen Neuen" 

Cramer fügt an, dass es eine andere Situation gewesen sei, hätte die Mannschaft die Aufstiegsrunde erreicht. „So muss ich aber auch ganz sachlich analysieren, dass es vielleicht mal einen Neuen braucht, der mehr Spielglück hat, mit dem die entscheidenden Spiele gewonnen werden. Dafür wünsche ich der Mannschaft und dem Nachfolger viel Erfolg.“ Cramer wirkt aufgeräumt, die Entscheidung ist sicher schon ein wenig in ihm gereift. Sein Co-Trainer Tobias Damm verlängerte zuletzt seinen Vertrag – ebenso wie Teammanager Steffen Friedrich. 

Klarstellen will der Willinger – und das ist ihm besonders wichtig: „Ich habe nichts anderes, keine Angebote. Die Entscheidung ist rein aus der eigenen Reflexion entstanden. Es ist eine im Sinne des Vereins. Es sind neue Impulse notwendig.“

Cramer macht allerdings auch kein Geheimnis daraus, dass die Vorfälle der vergangenen Monate eine Rolle gespielt haben. „Ich muss da die gesamte Saison mit einbeziehen. Die Sache mit meinem Trainerlehrgang, die Entscheidung der Gremien Anfang des Jahres, dass sie dann nicht mit mir weitermachen wollen. Da fragt man sich natürlich, ob überhaupt noch volles Vertrauen in meine Person vorhanden ist.“

Cramer sieht Saison nicht als Enttäuschung 

Der scheidende Trainer sieht die abgelaufene Saison trotz des verpassten Aufstiegs aber nicht als Enttäuschung. „Wir haben eine überragende Saison gespielt. Die Mannschaft hat ihren Job gemacht. Nach solchen Erlebnissen am Samstag frage ich mich aber auch, ob ich überhaupt die Kraft habe, das noch mal alles anzugehen? Ob das Sinn ergibt? Man ist ja selbst so involviert.“

Kapitän Frederic Brill äußerte sich am Montag so: „Natürlich bekommen wir als Spieler mit, dass über den Trainer spekuliert wird. Uns war klar, dass wir nur sicher mit Tobi weitermachen, wenn wir aufsteigen. Der Trainer war ein Bestandteil von uns. Ich kenne den KSV gar nicht ohne Tobi. Das wird ungewohnt.“ 

Brill sagte aber auch selbstkritisch: „Wenn ein Trainer geht oder gehen muss, hat die Mannschaft einen Anteil daran, ist auch die Mannschaft daran Schuld. Als Tobi sich verabschiedet hat, war das sehr emotional. Nach dem verpassten Aufstieg waren die Köpfe ohnehin schon tief, nach dieser Nachricht noch ein wenig tiefer.“

Großer Teil des Kaders steht fest 

Viel Zeit zum Zurückblicken bleibt aber nicht. Mitte Juni soll die Vorbereitung beginnen. Spätestens dann soll laut Vorstandsmitglied Jens Rose auch ein Nachfolger feststehen. „Wir haben letzte Woche mit Tobias Cramer zusammengesessen. Es war klar: Im Aufstiegsfall machen wir zusammen weiter. Für Tobi war aber auch klar, dass er sonst aufhört“, sagt Rose.

Konkrete Namen, mit denen sich der Klub beschäftige, gebe es noch nicht. Dafür habe man mit Damm, Friedrich und Torwarttrainer Michael Gibhardt Leute, die das Team kennen. „Ein großer Teil des Kaders steht schon fest. Wir werden nicht viel verändern“, sagt Rose. Das Team wird also ein ähnliches Gesicht haben. Der Trainer allerdings wird ein ganz anderes haben.

Cramer war seit 2014 bei den Löwen 

Schon im Winter berichtete unsere Zeitung, dass sich die Wege von Tobias Cramer und dem KSV Hessen trennen werden. Zuletzt zeigte sich Cramer aber gesprächsbereit, seine Arbeit beim Klub fortsetzen zu wollen. Seit 2014 war Cramer bei den Löwen. Erst als Co-Trainer, dann ab Juli 2016 als Cheftrainer.

Der Verein bedankte sich in einer Pressemitteilung für die Zusammenarbeit in "schwierigen Zeiten". "Der mit Tobias Cramer begonnene Weg, junge regionale Talente in die erste Mannschaft zu integrieren und den KSV als regionalen und bodenständigen Verein in Nordhessen zu verankern, wird auch künftig fortgesetzt werden", heißt es weiter in der Mitteilung.

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