Interview über Trainer, Neuzugänge und Ziele

KSV-Vorstand Jens Rose: „Diese Jahre bleiben in den Klamotten stecken“

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Vorstandsmitglied und Fan des KSV Hessen: Jens Rose im Auestadion.  

Die Saison des KSV Hessen Kassel endete auf eine bittere Weise. Zum Greifen nah – und doch wurde die Aufstiegsrunde zur Fußball-Regionalliga verpasst. Ein Interview im Vorstand Jens Rose.

Für die Löwen bedeutet das: Mindestens ein Jahr werden sie noch in der Hessenliga spielen. Wie der Verein das verkraftet, wie weit der KSV bei der Trainersuche ist und welches Ziel er in der kommenden Saison verfolgt – wir haben mit Vorstandsmitglied Jens Rose gesprochen.

Herr Rose, haben Sie die Ereignisse von Flieden schon verdaut?

Das war bitter. Ganz zum Schluss. Aber man darf sich nicht auf andere verlassen. Man sieht ja, was passiert. Das wirkt natürlich ein bisschen komisch, was sich in Gießen zugetragen hat. Als wir angefangen haben, Tore zu schießen, hat Alzenau auch getroffen. Im Endeffekt haben wir es selbst aus der Hand gegeben. Einmal mit den fünf Punkten Abzug. Die haben wir nach dem Winter aufgeholt. Gegen Hadamar und Waldgirmes haben wir es dann selbst verschenkt.

Das klingt noch nach ein wenig Verbitterung.

Logisch. Aber wir müssen jetzt aufstehen und wieder angreifen.

War der Aufstieg denn Pflicht?

Nein. Wir wollten uns erst einmal konsolidieren. Vor zwei Jahren war der Verein pleite, seit einem Jahr sind wir aus der Insolvenz raus. Wir haben einen Zwei-Jahres-Plan. Konsolidieren. Wirtschaftlich einen Überschuss erzielen und uns gut präsentieren. Das haben wir. Das Baunatal-Spiel war ein Highlight. Im Pokal hätten wir noch ein wenig weiter kommen können.

Und was ist das Ziel für die kommende Saison?

Wir wollen aufsteigen.

Tobias Cramer hat den Verein kurz nach dem Saisonende verlassen. Inwieweit trifft Sie das?

Es gab mehrere Gesprächsrunden. Als er den Gremien mitgeteilt hat, dass er den Fußball-Lehrer machen möchte. Dann die Besprechungen, in denen wir gesagt haben: Wenn das etwas wird mit dem Fußball-Lehrer, dann können wir Montag bis Mittwoch nicht wegschenken vom Training her. Wir wollen weiter zweimal am Tag trainieren. Dann ging es um eine eventuelle Vertragsauflösung. Die kam nicht zustande. In der Woche vor dem Spiel in Flieden haben wir uns dann noch einmal besprochen und geklärt: Was passiert wenn. Wenn wir aufsteigen, hätten wir weitergemacht. Ansonsten – das hat Tobi klar gesagt – steht er nicht mehr zur Verfügung.

Hätten Sie ihn denn gern gehalten?

Die Frage hat sich gar nicht mehr gestellt. Wir haben mit ihm die Saison analysiert. Was war gut, woran müssen wir arbeiten? Aber er hatte es mit sich schon ausgemacht. Das ist auch in Ordnung. Er geht nach einer sehr ereignisreichen Zeit: vom Co- zum Cheftrainer, die Insolvenz. Diese Jahre bleiben in den Klamotten stecken. Da bist du am Rande der Leistungsfähigkeit.

Wie weit sind Sie mit einem Nachfolger?

Wir haben am Montag eine Vorstands- und Aufsichtsratssitzung. Da werden wir diese Personalie besprechen. Das wird ein Hauptthema sein. Am 20. Juni fangen wir wieder mit dem Training an. Also sollte der Nachfolger bald feststehen.

Sie haben also einen im Blick?

Nein. Das Ergebnis ist noch völlig offen.

Wenn Sie einen aussuchen dürften, wie wäre der?

Ein junger, regionaler Trainer hat den Vorteil, dass er den Verein kennt. Einer mit einem großen Namen lässt sich gut vermarkten, schmeißt dir aber vielleicht den halben Laden erst mal um. Wir haben uns Regionalität auf die Fahne geschrieben. Das ist auch das Beste.

Wie sieht es finanziell aus?

Ich bin sicher, dass am 30. Juni eine schwarze Zahl stehen wird. In welche Höhe wissen wir noch nicht. Wir wollen das Marketing verstärken, damit wir die Ziele, die wir haben, auch wirtschaftlich erreichen können.

Haben Sie Angst, dass im zweiten Jahr in der Hessenliga weniger Zuschauer ins Auestadion kommen?

Wir müssen uns natürlich etwas überlegen. Die Liga wird mit Dreieich und Stadtallendorf interessanter. Wir haben ein klares Ziel. Wenn wir von Anfang an oben mitspielen, dann wird es sicher auch für Zuschauer attraktiver.

Wie weit ist die Kaderplanung?

Die wird kommende Woche abgeschlossen sein.

Kommt noch einer dazu?

Ich denke schon. Die Innenverteidigung war über die gesamte Saison nicht optimal besetzt. Da musste der Trainer immer wieder improvisieren. Jan-Philipp Häuser hat das gut gemacht. So einen brauchen wir noch mal dazu. Dann können andere wieder weiter vorn spielen.

Wie war Ihr Jahr mit dem KSV?

Wenn du KSV machst, musst du leidensfähig sein. Da musst du einen Nagel im Kopf haben. Aber es macht ja auch Spaß. Man bekommt viel zurück. Ich habe immer noch den Wunsch, mit Kassel irgendwann im bezahlten Fußball anzukommen. So lange mich keiner rausschmeißt, mache ich weiter.

Jens Rose (58) wurde in Kassel geboren und war von 2002 bis 2013 mit einer Unterbrechung Vorsitzender des KSV Hessen Kassel. Zuvor gehörte er vier Jahre lang dem Aufsichtsrat des Vereins an. Mittlerweile ist Rose Vorstandsmitglied bei den Löwen. Der Unternehmer führt in dritter Generation den in Kassel ansässigen Familienbetrieb Martin Rose Gleisbau. Der 58-Jährige ist geschieden und hat zwei Kinder.

Das ist die Abschlusstabelle der Fußball-Hessenliga

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