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Abschiedsinterview von Teammanager Steffen Friedrich: „KSV ist interessanter geworden“

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Von: Maximilian Bülau

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Steffen Friedrich.
Er wurde zum Abschied gefeiert: Die Spieler des KSV Hessen Kassel lassen Steffen Friedrich am letzten Spieltag der vergangenen Saison hochleben. © Dieter Schachtschneider

Wer sich mit Steffen Friedrich unterhält, bekommt schnell den Eindruck, dass da ein sehr reifer Mann vor einem sitzt. Nicht optisch. Da passt das Äußere zu seinen 28 Jahren. Aber Friedrich ist reflektiert, strahlt Ruhe aus, antwortet wohlüberlegt.

Kassel – Dinge, die sicher auch mit seiner bewegten Geschichte zu tun haben. Mehrfach schwebte er in Lebensgefahr, weil sein Herzschlag aussetzte. Dinge, die aber auch die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel an ihm schätzen. Für den Klub war Friedrich als Teammanager tätig. Nun hört er auf. Nach seinem Sportmanagement-Studium hat er einen Job in der Agentur „projekt b“ von Marc Kosicke angetreten. Wir haben vor seinem Abschied mit ihm über die Zeit beim KSV, den neuen Job und die Zukunft der Löwen gesprochen.

Herr Friedrich, da Sie nun als Spielberater tätig sind: Was sagen Sie dazu, dass Stefan Ortega wohl zu Manchester City wechselt?

Das ist ein super Transfer – für beide Seiten. Ortega ist stark mit dem Fuß, Pep Guardiola schätzt das. Er ist ein super Torwart, geht von einem Bundesliga-Absteiger zu einem englischen Topklub, wird definitiv mindestens sieben, acht Spiele in der Saison machen, wohl einen Titel gewinnen. Da gibt es nichts zu überlegen, wenn so eine Anfrage kommt.

Wenn der KSV zuletzt einen Spieler verpflichtet hat, dann waren Sie nicht unbeteiligt. Nun wechseln Sie die Seiten. Wie kam der Kontakt zustande?

Tatsächlich über eine Geschichte in der HNA, Ende 2020 zusammen mit meinem Bruder Marvin. Marc Kosicke hat die gelesen. Damit ging es los. Marvin war als Bundesligaspieler natürlich auch ein Faktor, er ist in Nordhessen mittlerweile bekannt.

Sie arbeiten ja nun schon ein paar Monate für die Agentur. Ist das Angebot wie ein Sechser im Lotto gewesen? Marc Kosicke hat auch international einen guten Ruf.

Ich habe mir jetzt nicht gesagt: Ich muss da rein in die Branche. Aber ich habe Sportmanagement studiert und es war klar, dass nach dem Ende des Studiums im vergangenen Oktober nun der nächste Schritt kommen muss. Ich habe auch darüber nachgedacht, vielleicht im Eishockey oder Handball Erfahrungen zu sammeln. Um erst mal das komplette Feld kennenzulernen. Aber das musste ich jetzt zum Glück gar nicht. Ich war selbst Fußballer, da kenne ich mich am besten aus. Ich habe es aktiv nicht bis in die Spitze geschafft. Jetzt versuche ich es über die passive Seite.

Können Sie schon bewerten, welche Seite Ihnen mehr Spaß macht: Die im Verein oder die als Berater außerhalb eines Vereins?

Nein, dafür bin ich in der Agentur jetzt noch nicht lange genug dabei. Ich habe im Vereinsleben alles kennengelernt. Meine beste Zeit hatte ich sicher auf dem Feld. Aber da ist die Gesundheit reingegrätscht. Ich kann jetzt aber glücklicherweise auch sagen: Seit zwei Jahren ist nichts mehr gewesen, und ich fühle mich gut.

Wie sieht Ihr Aufgabenbereich künftig aus?

Hauptsächlich werden über unsere Agentur Trainer betreut. Wir haben auch Leichtathleten. Da darf ich reinschnuppern, eigene Ideen einbringen. Im Kern soll ich aber schauen, ob auch der Spielermarkt etwas für uns ist. Ob es sich lohnt, Arbeit in junge Spieler zu investieren. Der Spielermarkt wird immer größer.

Beim Wechsel Ihres Bruder nach Mönchengladbach waren Sie und die Agentur ja bereits beteiligt.

Bei dem Wechsel war ich bereits beteiligt, das hat Spaß gemacht, mit den Verantwortlichen zu verhandeln. In Zukunft dürfen wir Marvin vertreten in Verbindung mit seinem alten Berater.

Was schätzen Sie an Ihrem neuen Arbeitgeber?

Wir sind zu neunt, alles ist sehr familiär, wir treffen uns regelmäßig. Stück für Stück bekomme ich nun mehr Verantwortung. Und dann heißt es eben auch: Du bist jetzt dafür verantwortlich, dass diese Person einen Verein findet.

Sehr familiär war es zum Schluss auch beim KSV. Werden Sie vielleicht noch den einen oder anderen Tipp geben?

Nein, definitiv nicht. Von mir wird es keine Lösungsvorschläge geben. Das würde ja bedeuten, dass ich es den Leuten nicht zutraue, die dafür zuständig sind. Aber ich werde den Kontakt halten. Weil ich mit vielen vom KSV befreundet bin.

Ist der KSV denn wieder interessanter für Spieler geworden?

Durch Platz sieben in der vergangenen Saison ist der KSV definitiv interessanter geworden. Es spricht sich rum, dass das ein funktionierender Haufen ist. Wir hatten zuletzt selten Telefonate, wo uns jemand negativ begegnet ist. Aber es gibt eben finanzielle Grenzen. Das ist auch gut so, weil aus Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde.

Wie sieht die Zukunft des KSV denn aus?

Man darf nicht auf Teufel komm raus oben angreifen. Aber klar ist auch: Du kannst jetzt auch nicht zehn Jahre Regionalliga spielen. Für die oberen drei Ligen braucht man Geld. Es müssen Strukturen im Verein aufgebaut werden. Das sollte erst mal Priorität haben. Ich gehe auf jeden Fall mit dem Gefühl, dass es gerade gut ist, so wie es derzeit läuft.

Was wird Ihnen ohne den KSV fehlen?

Es wird fehlen, Teil von etwas zu sein. Dass man am Samstag um drei Punkte kämpft. Ich bin gespannt, wie ich damit umgehe, keinen Wettkampf zu haben. Und natürlich werden mir die Leute fehlen, die Spieler. Das werde ich vermissen. Mir ging es eine lange Zeit echt schlecht. Und die im Verein haben das gesehen, haben mich nie fallen lassen. Ich wollte nie aktiv weg vom KSV, egal, ob als Spieler oder Funktionär. Aber ich freue mich jetzt auch auf das, was kommt. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

Zur Person

Steffen Friedrich (28) stammt aus Guxhagen im Schwalm-Eder-Kreis. Seine letzten Jahre im Jugendfußball absolvierte er beim SC Paderborn, 2013 wechselte er zum KSV Baunatal, ein Jahr später ging es weiter zum KSV Hessen Kassel. Der Innenverteidiger musste seine aktive Karriere wegen Herzproblemen früh beenden. Anschließend wurde er Teammanager des KSV, absolvierte zudem ein Sportmanagement-Studium. Nun arbeitet der 28-Jährige als Spielerberater für die Agentur „projekt b“ von Marc Kosicke. 

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