Löwen-Torjäger äußert sich erstmals

KSV-Stürmer Shqipon Bektashi: „Habe dafür geradegestanden“

Das Thema hat polarisiert wie kaum ein anderes in der Regionalliga Südwest: Nach dem Griff in die Weichteile eines Gegenspielers bekam Shqipon Bektashi sieben Spiele Sperre.

Die hat der 25-jährige Torjäger des KSV Hessen Kassel nun abgesessen und darf am Samstag ab 14 Uhr im Auestadion gegen die Reserve des SC Freiburg wieder auflaufen. Zuvor spricht er im ersten Interview nach dem Vorfall über seine Gefühlslage.

Ihr Vater soll mal gesagt haben: Wenn ich Shqipon Fußball spielen sehe, erkenne ich ihn nicht wieder. Stimmt das? 

Shqipon Bektashi: So genau stimmt das nicht. Er meinte eher, dass ich in seinen Augen zu körperlich spiele und es ihm nicht gefällt, wenn ich eine Gelbe Karte bekomme. Aber er hat nie Fußball gespielt und weiß nicht, wie das auf dem Platz ist.

Sie wirken sonst eigentlich sehr besonnen. Gibt es zwei Bektashis? Einen auf und einen neben dem Platz, der mit 25 Jahren schon neun Rote oder Gelb-Rote Karten kassiert hat? 

Artikel wurde aktualisiert um 12.40 Uhr

Bektashi: Fußball lebt einfach von Emotionen, und natürlich bin ich neben dem Platz nicht voll von Adrenalin. Auf dem Platz gehört es sich, leidenschaftlich für Mannschaft und Verein zu kämpfen. Neben dem Platz muss ich nur für meine Frau und mich kämpfen. Da ist es doch klar, dass es zwei Seiten gibt.

Leidenschaftlich kämpfen ist das eine, unfair werden das andere. Wie sehr bedauern Sie den Vorfall gegen Trier? 

Bektashi: Natürlich bedauere ich das sehr - für den Verein, die Mannschaft und für mich. Es war eine blöde, dumme Aktion, und ich habe in dem Moment einfach nicht nachgedacht. Mir ist diese Scheiße passiert, ich habe aber dafür geradegestanden.

Was ist danach auf Sie eingeprasselt? Wie heftig waren die Reaktionen?

Shqipon Bektashi

Bektashi: Sehr heftig. Freunde und Familie haben mich gefragt, was ich mir dabei gedacht hätte. Plötzlich haben mir sogar Leute geschrieben, von denen ich schon länger nichts gehört hatte. Einer hat sogar gelacht, obwohl ich es alles andere als zum Lachen fand. Ich war froh, als es dann nach einer Woche ruhiger wurde.

Es gab ja sogar Forderungen, Sie aus dem Verein zu werfen.

Bektashi: Davon habe ich nichts mitbekommen, weil ich selten Zeitung lese und nichts bei Facebook kommentiere. Die Jungs aus der Mannschaft haben mir eher davon erzählt, dass es solche Äußerungen gegeben haben soll.

Wie waren die Reaktionen in der Mannschaft? Gab es Vorwürfe, weil Sie dem Team geschadet haben?

Bektashi: Nein, die haben mich eher wie ein kleines Kind in den Arm genommen, weil sie gesehen haben, dass es mir nicht gut ging.

Und Trainer und Verein, wie haben die reagiert?

Bektashi: Ich habe mir selbstverständlich eine Menge anhören müssen, aber Trainer und Verein standen die ganze Zeit hinter mir.

Was denken Sie selbst, wie sehr hat der Griff in die Weichteile Ihrer Karriere geschadet hat? Es lief ja in dieser Saison gut wie nie.

Bektashi: Natürlich hat es meiner Karriere, meinem Image geschadet. Aber es bringt jetzt nichts, zurückzuschauen und zu denken, da hast du dir wieder irgendwas verbaut. Ich habe diese Scheiße gemacht, es soll nicht wieder vorkommen, und jetzt heißt es, nach vorn zu blicken.

Dann blicken wir nach vorn. Ausgerechnet gegen Freiburg, wo Sie in der Jugend und auch bei den Senioren gespielt haben, steht Ihre Rückkehr an. Mit welchen Gefühlen werden Sie auf den Platz gehen?

Bektashi: Ich freue mich riesig, dass ich wieder spielen kann, egal ob gegen Freiburg oder einen anderen Gegner. Schauen wir mal, was dabei rumkommt.

Befürchten Sie gerade auf fremden Plätzen ein Spießrutenlaufen?

Bektashi: Für mich ist das jetzt eine Art Neuanfang. Falls mich Gegenspieler darauf ansprechen, reagiere ich nicht.

Hatten Sie denn noch einmal Kontakt zu dem Trierer Benedikt Koep?

Bektashi: Ja, wir haben uns noch einmal geschrieben, und dann war die Sache auch vom Tisch. Er hat meine Entschuldigung angenommen, es ist alles geklärt.

Wie sieht es eigentlich aus sportlicher Sicht in Sachen Form und Fitness aus? 

Bektashi: Die Jungs haben samstags gespielt, ich bin im Wald gelaufen. Da habe ich ähnlich intensiv trainiert, als hätte ich ein Pflichtspiel absolviert – auch wenn es nicht vergleichbar war.

Wie sehr fehlt Ihnen dann die Spielpraxis?

Bektashi: Natürlich fehlen mir die Wochen. Zuvor waren die Abläufe perfekt einstudiert, und jetzt muss man halt sehen, ob noch alles passt.

Was bedeuteten die Sperre und die Aufmerksamkeit für Ihr Spiel, das ja auch von einer gewissen Aggressivität lebt? Müssen Sie etwas verändern?

Bektashi: Nein, ich muss meinen Spielstil nicht ändern. Denn der Fehler, den ich begangen habe, resultierte ja nicht aus einem Zweikampf, sondern aus einer Dummheit.

Erleben wir einen geläuterten Shqipon Bektashi? Oder droht schon bald die nächste Sperre angesichts von vier Gelben Karten?

Bektashi: Sie droht natürlich. Aber es bringt doch nichts, ins Spiel zu gehen und zu sagen: Hey, du musst aufpassen. Dann kannst du am Ende nicht deine volle Leistung abrufen.

Shqipon Bektashi (25) ist in Waldshut-Tiengen geboren – einem Ort an der Grenze zur Schweiz. Als 14-Jähriger schloss er sich dem SC Freiburg an, durchlief dort die Jugend, war für die zweite Mannschaft aktiv und absolvierte zwei Spiele für das Profiteam. Nach einem Gastspiel beim FC Heidenheim wechselte Bektashi zu Wormatia Worms, anschließend zu Waldhof Mannheim. Kurz nach Beginn der Saison 2014/15 kam der Stürmer schließlich zum KSV Hessen. Bektashi ist verlobt. Seine Eltern sind Albaner aus dem Kosovo. 

Das sagt KSV-Trainer Matthias Mink

„Es ist klar, dass Shqipon mit seiner Aktion der Mannschaft sehr geschadet hat. Wir haben viel gesprochen in den Wochen seiner Sperre. Er weiß, das so etwas nicht mehr vorkommen darf.

Ich bin aber auch sicher, dass er Positives mitnehmen wird aus dieser Denkpause. Ich bin überzeugt, dass er aus diesem Fehler lernen wird. In den 13, 14 Monaten, die er bei uns ist, war das ohnehin eine tadellose Zusammenarbeit. Shqipon ist ein absoluter Teamplayer. Eigentlich ist er vor allem positiv aggressiv, einer, der seine Mitspieler antreibt. Auch als es richtig gut lief bei ihm, ist er bodenständig geblieben. Das hat mir gut gefallen, dass er sich die Tore nie allein angeheftet hat.

Deshalb betone ich auch, dass die Mannschaft vorher sehr von ihm profitiert hat. Wenn er jetzt zurückkehrt, dürfen wir aber nicht zu viel von ihm erwarten. Das Problem war ja, dass er sich an der Patellasehne verletzt hat, erst seit eineinhalb Wochen wieder richtig im Training ist. Deshalb wird er wohl auch noch nicht von Beginn an spielen.“

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Rubriklistenbild: © Fischer

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