Erster Seig seit einem halben Jahr

Verletzt, eingewechselt, Siegtreffer: Wie Sebastian Szimayer zum KSV-Helden wurde

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Das Tor zum 2:1: KSV-Stürmer Sebastian Szimayer trifft artistisch, Hoffenheims Jannik Dehm (links) und Marco Engelhardt können nichts machen.

Kassel. So schnell kam er nach diesem Spiel nicht davon: Sebastian Szimayer ging nach dem ersten Sieg des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel nach über einem halben Jahr vorneweg

Er klatschte die Fans ab - und wollte schon als Erster in die Kabine verschwinden. Dann wurde er von einigen Zuschauern aber zurückgerufen. Und am Ende waren alle schon verschwunden, als er auf die Tribüne kletterte.

Klar, der 27-Jährige war nicht der einzige Hauptdarsteller an diesem Abend, an dem mit dem 2:1-Erfolg gegen die Reserve der TSG Hoffenheim diese bittere Serie - 16 Spiele ohne Sieg - ein Ende nahm. Da war auch Sebastian Schmeer, der mit dem Ausgleich in der 68. Minute das alles erst möglich machte. Da war Torwart Niklas Hartmann, der nur eine Minute später einen selbst verursachten Strafstoß von Marco Engelhardt parierte. Hartmann sagte dazu: „Ich dachte, ich bekomme einen Freistoß. Dann gibt die Schiedsrichterin Elfmeter und mir auch noch die Gelbe Karte.“

Und da war ja auch noch Trainer Tobias Cramer, der Szimayer in der 65. Minute für Kapitän Frederic Brill überhaupt erst einwechselte. Nicht selbstverständlich, konnte der Stürmer zu Beginn der Woche wegen einer verrenkten Halswirbelsäule gar nicht trainieren. Aber dieser Szimayer, der auf dem Feld immer alles gibt, sich an Gegenspielern aufreibt und immer an die Schmerzgrenze geht, der hatte sich gewünscht, dass er dennoch in den Kader berufen wird, vielleicht ein paar Minuten bekommt. Cramer tat ihm diesen Gefallen.

Es war nicht der einzige Wunsch von Szimayer. Einen dreckigen Sieg hatte er gefordert. Und war dieser Erfolg jetzt dreckig genug? „Ja, das war sehr dreckig. Das haben wir aber auch gebraucht“, sagte Szimayer. In Euphorie schwebe er jetzt aber nicht. „Dafür haben wir noch viel zu viel Rückstand. Der erste Stein ist jetzt erst gefallen.“

In den vergangenen Wochen, in diesen schier endlosen Wochen ohne eigenen Sieg, habe er einige Nächte nicht gut schlafen können, hatte Szimayer noch vor der Partie gesagt. An diesem Mittwochabend werde das aber sicherlich etwas besser gehen, gab der Stürmer zu. Bedanken kann er sich für diese Schlaftherapie dann auch gleich bei ihm selbst.

Denn wie bei den vier vorherigen Saisonsiegen der Löwen gelang dem 27-Jährigen auch gegen Hoffenheim wieder ein Tor - das entscheidende in der 84. Minute. Flanke Sascha Korb, dann der eingesprungene Szimayer. 2:1. Kein wunderschöner Treffer. Aber das wollte er ja auch gar nicht. Dass Szimayer dann auch noch derjenige war, der das Foul zog, das zur Roten Karte gegen Maximilian Waack führte, passte ins Bild.

So ging die eine Serie endlich zu Ende, Szimayer setzte seine eigene fort. Ob er jetzt Druck habe, dass er immer treffen muss, damit der KSV gewinnt? „Nein, von mir aus kann das immer so laufen“, sagte der Stürmer. Dann kletterte er die Tribüne hoch. Mit einem Grinsen.

Ergebnisse, Tabellen, Statistiken

Rund ums Spiel:

Der 2:1-Sieg des KSV Hessen in der Fußball-Regionalliga gegen die Reserve der TSG Hoffenheim hatte neben dem sportlichen Geschehen auf dem Platz noch mehr zu bieten. Rund ums Spiel:

Die Stimmung

Wochenspiel. Und dann noch gegen die Zweitvertretung eines Bundesligisten. Die Auswärtskurve blieb wenig überraschend leer. Nur 1000 Zuschauer kamen ins Aue-stadion. Diese Stimmung hatte man dennoch lange nicht erlebt. Als Sebastian Schmeer das 1:1 erzielte, als Niklas Hartmann nur eine Minute später den Strafstoß parierte, da kochte das Stadion.

„KSV, KSV“-Rufe - aus der Nordkurve, von der Haupttribüne. Es hatte etwas Elektrisierendes. Da wurde mitgefiebert. Und so hitzig, so aufgeladen, so positiv war es schon lange nicht mehr gewesen. Klar, dieser Sieg hat ja auch auf sich warten lassen. Als der Blick dann hochging, auf die komplett leere Osttribüne fiel, da glaubte man seinen Augen kaum.

Die Bodenständigkeit

Endlich, da ist sie wieder: Die Mahnung von KSV-Trainer Tobias Cramer, dass man dennoch auf dem Boden der Tatsachen bleibe, hatte man schon vermisst. Zu Beginn der Saison, als die Löwen schnell die neun Minuspunkte aufholten, drei Siege in Folge feierten, da kam diese Mahnung Woche für Woche.

Bei einem halben Jahr ohne Sieg musste der Trainer dann aber nicht um Bodenständigkeit bitten. Da gab es Durchhalteparolen. Während der Pressekonferenz nach der Partie gegen Hoffenheim sagte Cramer es wieder: „Wir bleiben auf dem Boden der Tatsachen.“ Ein schöner Satz.

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