Über Abstieg, Kader und Ziele

KSV-Trainer Cramer im Interview: „Müssen mehr Impulse setzen“

Kassel. Ein wenig Zeit hatte Tobias Cramer, um den Abstieg in die Fußball-Hessenliga zu verdauen. Mittlerweile ist klar, dass er auch in der kommenden Saison Trainer des KSV Hessen Kassel sein wird.

Im Interview blicken wir mit ihm noch einmal kurz zurück auf die vergangene Saison. Und wir voraus – auf Kader, Schwierigkeiten, Chancen und Ziele der kommenden Spielzeit.

Herr Cramer, seit einer Woche steht der Abstieg fest. Wie gehen Sie mittlerweile damit um?

Tobias Cramer: Relativ sachlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es am Ende wirklich noch schaffen würden, war eh sehr gering. 1860 München war in den Aufstiegsspielen einfach effektiver als Saarbrücken. Auch wenn Saarbrücken fußballerisch klar besser war. Jetzt gilt es, die Aufgabe Hessenliga anzunehmen.

Trotzdem noch einmal rückblickend: Was war der Knackpunkt der Saison?

Cramer: Die Monate Oktober und November. In der vergangenen Spielzeit hatten wir einen goldenen Oktober, in dem wir die Basis für den Klassenerhalt gelegt haben. Dieses Mal hatten wir einfach zu viele Unentschieden auf dem Deckel. Da wird es schwierig. Ich hätte lieber mal verloren und dafür auch das ein oder andere Spiel gewonnen.

Was hat der Mannschaft gefehlt?

Cramer: Sportlich sicherlich zunächst die Körpergröße. Wir waren anfällig bei Standardsituationen und haben so Gegentore kassiert. Das wurde durch die Verpflichtung von Cédric Mimbala besser. Dazu hatten wir auch zu wenig Qualität vor dem Tor. Sebastian Schmeer hat anfangs nicht viel getroffen, war oft angeschlagen. Das wurde erst zum Ende der Saison besser.

Und was hat die Mannschaft gelernt?

Cramer: Wir haben einen großen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung gemacht. Wir hatten nach der Niederlage bei Schott Mainz nur noch Alles-oder-nichts-Spiele. Das war eine enorme Belastung. Und trotzdem haben wir das Unmögliche fast noch geschafft.

In der Hessenliga wird sich vieles verändern – auch der Fußball der Löwen?

Cramer: Wir sind ja dann plötzlich die Gejagten. Wir müssen selbst mehr fußballerische Impulse setzen. Wir müssen den Ball zirkulieren lassen, werden häufiger die spielende Mannschaft sein. Wir müssen den Gegner in Bewegung bringen. Das ist nicht der Fußball, den wir in der Regionalliga gespielt haben.

Und das war nicht der Fußball, der den KSV zuletzt stark gemacht hat.

Cramer: Ja, wenn wir das Spiel selbst machen mussten, hatten wir häufiger Probleme. Diese Schwierigkeiten gab es schon, bevor ich hier Trainer war. Da müssen wir ansetzen und arbeiten. Es wird jetzt kein reiner Überlebenskampf mehr werden.

Schmik, Albrecht und Szimayer sind schon weg. Wird Ihnen beim Blick auf den Kader für die kommende Spielzeit ein wenig mulmig?

Cramer: Nein. Dass Spieler gehen, war klar. Wir haben uns aber einen Stamm erarbeitet, mit dem wir in guten Gesprächen stehen. Wir haben nicht so viele Externe bei uns. Das hilft natürlich.

Auch in der kommenden Saison ein Team: Coach Tobias Cramer (links) und Co-Trainer Tobias Damm gehen mit dem KSV Hessen die Aufgabe Wiederaufstieg an. 

Könnte es auch einen Frederic Brill in Kassel halten?

Cramer: Das ist nicht unmöglich. Aber wir müssen jetzt eben alle Verträge neu verhandeln.

Dennoch: Die Basis werden mehr denn je die jungen und regionalen Spieler einnehmen.

Cramer: Wir werden weiter mit jungen, talentierten Spielern arbeiten. Da kann der Blick aber auch mal über die Region hinausgehen. Wenn zum Beispiel ein Spieler von hier in ein Nachwuchsleistungszentrum gewechselt ist und nun zurückkommen möchte. Wir wollen diese Spieler weiterentwickeln.

Und Spieler wie Michael Voss und Laurin Unzicker bekommen größere Rollen?

Cramer: Definitiv. Das sind Spieler, die in der vergangenen Saison immer ruhig warnen und mittrainiert haben. Beide werden gestandene Hessenliga-Spieler sein. Das sind Jungs, auf die ich baue und denen ich vertraue.

Ein Blick auf den Platz: Es sieht so aus, als würde weiter im Auestadion gespielt.

Cramer: Ich finde den G-Platz grundsätzlich auch gut. Da kann auch eine Atmosphäre entstehen, das haben wir schon gesehen. Aber das ist eine Entscheidung der Gremien. Und es hängt sicherlich auch von unserer Tabellensituation ab. Spielen wir oben mit, werden auch mehr Zuschauer kommen.

Und Sie wollen am Ende oben stehen.

Cramer: Das wäre schön. Dann würde sich mein Vertrag wieder bis 2020 verlängern. Und trotz des Rückschlags jetzt hätten wir wieder etwas Großes geschaffen.

Rubriklistenbild: © Christian Hedler

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