Interview

KSV-Hessen-Trainer Mink: "Wollen uns entscheidend verbessern"

Kassel. Matthias Mink, Trainer des KSV Hessen Kassel, hat mit uns im Interview über die Ziele des Fußball-Regionalligisten, die Konkurrenten und die Vorteile von Festspielwochen gesprochen.

Herr Mink, der KSV startet mit Festspielwochen in die neue Regionalligasaison: Gegen den Hamburger SV haben Sie bereits einen Test bestritten, nun geht es gegen Offenbach, dann im Pokal gegen Hannover. Ist das Programm Fluch oder Segen für einen Trainer?

Mink: Nach einer langen Vorbereitung ist die Freude immer groß, bevor es schließlich ernst wird. Dass es dieses Mal gleich gegen solche Spitzenmannschaften geht, ist für den Verein und für die Mannschaft eine tolle Geschichte. Die Medien steigen groß ein, das erhöht die Motivation zusätzlich. Zugleich ist es immer eine Herausforderung, vor einer großen Kulisse zu spielen.

Gegen den Hamburger SV sah das alles ja schon sehr ansehnlich aus. 

Mink: Ja, das war vielleicht nicht das optimale Spiel für den letzten Test eine Woche vor dem Start der Liga, aber es war die optimale Begegnung, um uns einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und Werbung in eigener Sache betreiben zu können. Auch wenn wir nicht ganz zufrieden sein können, weil wir 0:2 verloren haben: Wir haben mit unserer Leistung viele Fans zufriedengestellt, viel Selbstbewusstsein aus diesem Spiel gezogen und Momente erlebt, die man braucht im Rahmen einer Vorbereitung.

Dann kommt das frisch umgekrempelte Offenbach zum Ligaauftakt gerade recht? 

Mink: Ich zähle Offenbach auch in dieser Saison zu den Spitzenteams, auch wenn die Kickers nicht all ihre Spitzenkräfte, die abgewandert sind, adäquat ersetzt haben. Aber Spiele zum Auftakt sind immer so eine Geschichte: Keine Mannschaft weiß genau, wo sie steht. Unser Ansatz gegen Offenbach muss daher sein, auf die vergangene Saison zu schauen; Da haben wir zweimal gezeigt, dass wir Offenbach schlagen können.

Es fällt auf, dass Sie eher defensiv agieren bei der Frage nach dem Saisonziel, während die KSV-Funktionäre eher forsch an die Sache herangehen. Wer ist denn da der Realist? 

Mink: Defensiv ist das falsche Wort. Es ist schon so, dass wir intern klare Ziele formulieren, angreifen wollen und ambitioniert sind. Klar ist, dass wir unseren Platz zehn aus der vergangenen Saison entscheidend verbessern wollen. Aber: Wenn wir über Ziele sprechen, behalten wir die Liga im Blick. Und da lässt sich sagen, dass es eine Menge Mannschaften gibt, die einen größeren Etat haben als der KSV.

Offenbach, der 1. FC Saarbrücken, der FC Homburg, die SV Elversberg und Mannheim haben überdurchschnittlich investiert. Und die Erfahrung zeigt, dass Geld Tore schießt. Hinzu kommen die Zweitvertretungen aus Hoffenheim, Kaiserslautern und Freiburg, die gut aufgestellt sind. Da sind wir schon bei acht Teams, die sich etwas ausrechnen.

Was halten Sie mit dem KSV dagegen? 

Mink: Wir haben die eingespielte Mannschaft aus der vergangenen Saison nicht umstrukturiert, weil sie sich mit vielen jungen Spielern weiterhin in der Entwicklung befindet. Nehmen Sie zum Beispiel Mike Feigenspan, der hoffentlich noch einen Sprung nach vorne machen wird. Dazu kommen fünf Neuzugänge, die uns weiterhelfen.

Nichtsdestotrotz haben Sie mit Stefan Müller und vor allem Enrico Gaede an Erfahrung verloren? 

Mink: Alter heißt aber nicht gleich Erfahrung. Nehmen Sie unseren Neuzugang Frederic Brill: Der ist 23 Jahre, hat aber schon viele Spiele in der Regionalliga bestritten. Außerdem haben wir uns vorgenommen, jungen Spielern aus der Region eine Chance zu geben. Auch deshalb haben wir Tim Welker verpflichtet, um die Identifikation zu stärken.

War die Startformation gegen den HSV schon ein Fingerzeig auf die Startelf gegen Offenbach? 

Mink: Klar, auch wenn noch manches offen ist. Prinzipiell haben wir einen sehr ausgeglichenen Kader – und es sind enge Entscheidungen. Vieles hängt auch vom jeweiligen Gegner und von der körperlichen Verfassung der einzelnen Spieler ab. Das Gute ist, dass ich nachlegen kann, wie man im Spiel gegen Hamburg gesehen hat. Shqipon Bektashi ist ins Spiel gekommen und hat das eingebracht, was bis dahin ein wenig gefehlt hat: nämlich Aggressivität und Zweikampfhärte.

Die Nummer eins ist Kevin Rauhut? 

Mink: Er geht als Nummer eins in die Saison. Er hat gut trainiert. Niklas Hartmann dagegen fehlt nach zwei Wochen Verletzungspause ein wenig die körperliche Fitness. Trotzdem bleibt es auf der Torhüterposition eine Konkurrenzsituation.

Sie sind jetzt eineinhalb Jahre beim KSV. Die Erwartungshaltung im Umfeld steigt. Spüren Sie so viel Druck wie nie zuvor als Löwen-Trainer? 

Mink: Druck war eigentlich von Anfang an da. Als ich gekommen bin, hatten wir fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

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