KSV Hessen: Trauer um Dribbelkünstler Burjan

Kopfball Joschi Burjan: Beim Pokalspiel gegen den HSV im Januar 1965 setzt sich der KSV-Rechtsaußen (links) gegen Hamburgs Abwehr durch. Rechts im Bild: Hans Michel. Foto: Archiv

Kassel. Joschi Burjan, von 1961 bis 1965 Stürmer des KSV Hessen, ist tot. Er wurde 82 Jahre alt. Ein Nachruf.

Nur acht Monate nach der furchtbaren Nachricht vom Tod Hans Michels trauern die Fußballfans dieser Region erneut um einen Spieler der Goldenen Generation des KSV Hessen in den Sechzigerjahren. Joschi Burjan ist am zweiten Weihnachtstag in einem Kasseler Hospiz an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.

Ludwig Müller kannte Burjan länger als 50 Jahre. Der frühere Weltklasse-Leichtathlet war Nachbar im Fuldabrücker Ortsteil Bergshausen, Masseur beim KSV Hessen, als Joschi Burjan von 1961 bis 1965 auf Rechtsaußen stürmte, und der gute Freund, der noch vor wenigen Wochen mit dem längst von der schweren Krankheit Gezeichneten kurze Spaziergänge unternahm. „Ich leide sehr unter diesem Verlust“, sagt Müller und fügt hinzu: „Joschi war ein sehr feiner Mensch.“

Joschi Burjan

Das findet auch Rolf Fritzsche, der in der Saison 1963/1964, nach deren Ende der KSV Hessen fast in die Bundesliga aufgestiegen wäre, Burjans Nebenspieler war. „Wir haben uns auf dem Spielfeld ebenso gut verstanden wie außerhalb des Platzes“, sagt Fritzsche. Der 84-Jährige ist neben Karl Loweg, Rainer Istel, Heiner Dittel und Gerd Becker einer von nur noch fünf Akteuren, der damaligen Stammelf, die noch leben.

Wie der Sachse Fritzsche war auch Burjan vor den politischen Verhältnissen jenseits des Eisernen Vorhangs geflohen. Joschi Burjan diente in den ungarischen Streitkräften, als 1956 der Volksaufstand mit der Invasion der Sowjetarmee endete. Der 20-Jährige landete in einem Heilbronner Auffanglager und setzte seine Fußballer-Karriere beim dortigen VfR fort. Bald wurde der westdeutsche Oberligist Alemannia Aachen auf den Dribbelkünstler am rechten Flügel aufmerksam, ehe 1961 der Wechsel zum KSV Hessen über die Bühne ging. Vorher, in seinem Heimatland, war Joschi Burjan gar nicht so weit vom Sprung in den WM-Kader 1954 entfernt, denn zwei Jahre zuvor zählte der Rechtsaußen zu Ungarns besten A-Junioren-Nationalspielern.

Im Hauptberuf wurde der Fußballer später Therapeut in den Baunataler Werkstätten und nebenbei war er Trainer bei der TSG Sandershausen, beim TSV Rothwesten und bei der FSV Bergshausen.

Joschi Burjan, dessen Ehefrau Inge im vergangenen Jahr nach 54 gemeinsamen Jahren starb, hinterlässt seine erwachsenen Kinder Susanne und Joschi Junior, der selbst einst das Trikot des KSV Hessen trug und ein über die Grenzen dieser Region hinaus bekannter Mittelfeldspieler war.

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