Fußball-Regionalligist steht am Rande der Insolvenz

Finanz-Probleme beim KSV Hessen Kassel: Die Zukunft liegt im Nebel

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Der KSV Hessen vor einer trüben Zukunft? So wie hier im Auestadion gestaltet sich derzeit auch die finanzielle Lage beim Fußball-Regionalligisten, der mehr denn je auf weitere Sponsoringzusagen angewiesen ist.

Kassel. Die Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Hartmann und Finanzvorstand Dirk Lassen informierten über die Situation beim KSV.

Mit vielen Zahlen und einem erneuten Appell an die Region. Der Fußball-Regionalligist ruft zum vielleicht letzten Gefecht. Das Wichtigste aus der Pressekonferenz vom Donnerstag:

Der Stand der Finanzen

Die langfristigen Verbindlichkeiten im Rahmen von Darlehen belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten aus dem operativen Geschäft der vergangenen beiden Geschäftsjahre betragen 400.000 Euro. Bis zum Ende der Saison müssen davon etwa 250.000 Euro aufgebracht werden, hinzu kommen laufende Kosten und Gehaltszahlungen in Höhe von 100.000 Euro. „Mit dem aktuellen Zuschauerschnitt von 1700 liegen wir zwar deutlich über dem kalkulierten von 1000. Durch das erfolgreiche Abschneiden der Mannschaft mussten wir aber bislang auch erheblich mehr Siegprämien bezahlen“, sagte Lassen.

Die Lage bei den Sponsoren

Das endgültige „Tschüss“ des früheren Hauptsponsors kam am 13. April. An diesem Tag hatten die KSV-Verantwortlichen noch einmal ein Gespräch mit Volkswagen - und fuhren mit der Absage für ein weiteres Engagement zurück. VW hatte eine eventuelle Verlängerung an den Aufstieg gekoppelt. Der starke Auftritt eines regionalisierten KSV half als Argument nicht.

Auch bei anderen möglichen Hauptsponsoren handelten sich die Löwen nur Absagen ein. Hartmann stellte ernüchtert fest: „Für die kommende Saison sind nur Sponsoringeinahmen in Höhe von 100.000 Euro sicher.“ Das ist gerade ein Zehntel dessen, was nötig ist.

Der Gang zum Amtsgericht

Eine Insolvenz sei nicht nur einfach ein Schuldenschnitt, nachdem der Verein bei Null anfangen kann. Sie gefährde den Fortbestand des Vereins, sagte Hartmann. Zuletzt hatte bereits das Gerücht einer Plan-insolvenz die Runde gemacht. Diese sei aber nur möglich, wenn ein verlässlicher Etat für die Saison 2017/2018 vorliege. Das ist aktuell nicht der Fall.

Der Appell an die Region

„Wir klammern uns nicht an irgendwelche Posten oder machen das Ganze für uns allein. Wir wollen der Region weiterhin Regionalliga-Fußball bieten, aber dafür brauchen wir Signale von Sponsoren und Unterstützern, die uns dabei finanziell unter die Arme greifen“, sagte Lassen. Und Hartmann fügte an: „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo es um das Überleben des Vereins geht. Ohne weitere Sponsoringzusagen weiß ich nicht, wie wir den Fußball noch finanzieren sollen.“

Das Treffen mit den Fans

Am kommenden Dienstag, 2. Mai, will der KSV auch mit seinen Fans ins Gespräch kommen. „Wir haben in den vergangenen Tagen viele Vorschläge und Hilfsangebote bekommen. Darüber wollen wir uns austauschen“, sagt Hartmann. Das soll um 19 Uhr im Vereinsheim passieren. Pressesprecherin Alexandra Berge bittet um Anmeldungen per Email an geschaeftsstelle@ ksv-hessen.de

Die Fristen für die Zukunft

Die erste Frist haben sich die Verantwortlichen des KSV selbst gesetzt. „Unser primäres Ziel ist es, innerhalb der nächsten 14 Tage eine mögliche Insolvenz abzuwenden“, sagte Hartmann. Bis zum letzten Spieltag der aktuellen Saison, also dem 20. Mai, hätten die Löwen Zeit, ihren Antrag beim Amtsgericht zu stellen. Dann würde ein Abzug von neun Punkten noch für die laufende Spielzeit wirksam - und nicht schon für die nächste. Bis zum 30. Juni müsste dann die Planung für die Regionalliga-Saison 2017/2018 abgeschlossen sein. Wenn bis dahin Sponsoringzusagen in ausreichendem Umfang fehlen, sei Regionalliga-Fußball nicht mehr zu finanzieren.

Der Ausweg Hessenliga

Wurde vom KSV-Duo nicht ausgeschlossen. Hartmann sagte zwar eingangs: „In dieser Liga können wir uns nicht sanieren.“ Aber auch: „Der Weg ist möglich und würde mit unseren Mitgliedern abgestimmt.“ Bei Lassen klang die Möglichkeit des Rückzugs deutlich konkreter: „Wir hätten weniger Kosten, müssten nicht das Auestadion anmieten, hätten keine langen Fahrten. Wir wüssten, dass die Hessenliga finanzierbar ist.“

So geht's sportlich weiter:

Die Sorgen um die Zukunft des KSV Hessen rücken das Sportliche fast schon in den Hintergrund. Dabei steht am Wochenende das vorletzte Heimspiel der Löwen in dieser Saison an. Gegner ist am Samstag ab 14 Uhr die Reserve des VfB Stuttgart im Auestadion. Nach einem Unentschieden und zwei Siegen, darunter ein 2:1 gegen den TSV Steinbach, rangieren die Schwaben auf Platz zehn. Zuletzt machte dort Jürgen Klinsmanns Sohn und Torwart Jonathan von sich Reden, der bei der U23 mittrainierte.

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