33 Punkte nach 21 Spielen

Einzelkritik: Mit positiver Bilanz in die Winterpause - KSV überzeugt als starkes Kollektiv

Duo mit richtig Spaß: Sebastian Schmeer (links) und Tobias Damm gehen kämpferisch voran bei den Löwen und sorgen auch noch für wichtige Tore. Foto: Hedler/nh

Kassel. Der KSV Hessen Kassel hat sich in die Winterpause verabschiedet. Die Bilanz - sehr positiv: 33 Punkte nach 21 Spielen, damit deutlich mehr Zähler als erwartet.

Rang acht. Das ist das Ergebnis eines starken Kollektivs, das Trainer Tobias Cramer in Zeiten finanzieller Not geformt hat.

Trotzdem versuchen wir, auf dieser Seite ins Detail zu gehen und mal zu schauen, wie sich die einzelnen Spieler so geschlagen haben. Auffällig ist: Wirklich enttäuscht hat niemand - und es gab neben vielen Langzeitverletzten eine Reihe von Akteuren, die nicht bloß mit ganz normalen Toren und guten Zweikampfwerten auf sich aufmerksam gemacht haben. Das Besondere war fast schon an der Tagesordnung. Unsere Einzelkritik.

Die Besonderen: Kämpfer, Autoren, Kunsttorschützen 

Sebastian Schmeer:  Würde er den Sprung noch mal schaffen? Das war wirklich eine Frage vor der Saison. Die Antwort: Oh ja, er kann. Schmeer ist mit sechs Toren erfolgreichster Schütze. Das, was er auf dem Platz macht, lebt oft vom Überraschungseffekt. Das geht nicht immer gut. Aber eben auch mal so gut, dass dabei ein Tor des Monats herauskommt. Wenn Schmeer keine Fallrückzieher versenkt, dann drischt er Elfmeter derart in die Maschen, dass Thomas Müller wohl bald anruft, um nach Rat zu fragen.

Adrian Bravo Sanchez: Erlebte eine kuriose erste Saisonphase. Am Anfang kam er zweimal in die erste Elf, weil sich kurzfristig ein Kollege verletzte. Dann brillierte er als Kunstschütze. Gegen Hoffenheim verwandelte er eine Ecke direkt. Weil das so gut ankam, wiederholte er das

Kunststück gegen Pirmasens - mit der Folge, dass manch Zuschauer dachte, der Gegner würde immer noch Hoffenheim heißen. Ansonsten spielte der Neuzugang so gut, dass wir ihn zur Belohnung nicht mehr mit Bruder Antonio verwechseln.

Henrik Giese: Hätte das Tor der Saison geschossen, wären Schmeer und Bravo Sanchez nicht gewesen. Seine Freistoßzuspiel-Direktabnahme gegen Pirmasens war ein Gedicht. Giese schrieb dann im Fan-Blog einen prosaischen Text über sein erstes KSV-Tor im 76. Einsatz. Es ging dem Vorkämpfer in der Verteidigung damit aber ähnlich wie beim Tor: Ein Buch hat schon ein anderer geschrieben.

Sergej Evljuskin: Schoss auch sein erstes Tor im KSV-Trikot - im 67. Einsatz und gegen Koblenz. Gegen Walldorf setzte er noch eins drauf. Dies nur am Rande. Denn der Mittelfeldspieler war omnipräsent: auf dem Platz als Ruhepol und neben dem Platz als Schriftsteller, der über seinen ungewöhnlichen Weg erzählt. Brachte auch so dem KSV positive Schlagzeilen.

Tobias Damm: Sollen andere ruhig Traumtore schießen und Literaten werden. Kapitän und Vorbild ist der Oldie im Team. Und seinen Torfluch aus dem Vorjahr hat der 33-Jährige auch schnell besiegt.

Die Verlässlichen: Rakk überrascht 

Nicolai Lorenzoni: Der Linksverteidiger fehlte lange verletzt. Schwankt zwischen Verlässlichkeit und Nachlässigkeit. Der Einsatz stimmt aber immer.

Yassine Khadraoui:  Hat sechs Einsätze mehr absolviert als Vokale im Namen, also - schnell nochmal nachzählen: 14. Nur einmal spielte der 19-Jährige aber über die gesamten 90 Minuten. Deutete sein Talent an.

Mounir Boukhoutta: Hat genauso viele Vokale im Namen wie Yassine Khadraoui, allerdings nicht ganz so viele Einsätze - nämlich elf. Anfangs noch als Innenverteidiger gesetzt, später nicht mehr ganz so gefragt, weil er im Spielaufbau dann doch etwas limitiert ist.

Cabrel Mandy: Der späte Neuzugang aus Frankreich kam bisher kaum zum Zug.

Nedim Pepic: Der 18-Jährige kam in erster Linie zu Kurzeinsätzen. Zeigte, dass er großes Spielverständnis hat und den perfekten Pass spielen kann.

Rolf Sattorov: Hat sich zum Joker entwickelt, der auch sticht. Zehn Einsätze, zehnmal eingewechselt, zuletzt hatte er den Dreh raus: Tor zum 2:2 gegen Nöttingen, Tor zum 2:1 gegen Trier. Auf den 25-Jährigen ist nun in jeder Hinsicht Verlass.

Fabian Korell: Bestritt sein einziges Spiel von Beginn an, als sein Abschied feststand. Muss ihm erstmal einer nachmachen.

Steven Rakk: Überraschung der Vorrunde. Aus dem Nichts kam er zu 14 Einsätzen. Und das als 18-Jähriger. Fehler darf er da machen. Aber: Allzu viele machte er nicht.

Die Pechvögel: Viele Verletzte

Tim Welker: Der Abwehrspieler musste die komplette Vorrunde wegen einer Knieverletzung aussetzen. Immerhin hat der 23-Jährige die Hoffnung, bald auf den Platz zurückzukehren.

Sascha Korb: Deutete in den ersten sieben Spielen an, dass er zum Leistungsträger in dieser Mannschaft reifen kann, machte auf der linken Seite viel Dampf und schoss zwei wichtige Tore. Dann: Knieverletzung, lange Pause, sehr schade.

Niklas Künzel: Der 20-Jährige wurde im ersten Spiel in Pirmasens eingewechselt, dann fiel er wegen eines Kreuzbandrisses aus. Dabei war der Neuzugang vom FC Augsburg II als wichtige Alternative für die Abwehr vorgesehen.

Nael Najjer: Kam in der vergangenen Saison nur zu einem Einsatz und galt im Sommer als Ergänzungsspieler. Dann spielte sich der 20-Jährige überraschend fest, weil er eine Qualität einbrachte, die sonst nur Adrian Bravo Sanchez hat: eine gewisse Gefährlichkeit bei Standards. Der Schock kam allerdings nach dem Sieg gegen Koblenz: Im Training brach sich Najjer das Schienbein. Sehr traurig. Geht immer noch auf Krücken.

Frederic Brill: Der Schlüsselspieler vor der Abwehr fehlt nun auch schon seit dem zehnten Spieltag wegen einer Adduktorenverletzung. Trainierte zuletzt zwar wieder mit, ein Einsatz kurz vor der Winterpause wäre aber zu früh gekommen. Immerhin: Kann nach der Winterpause wieder zur festen Größe werden.

Der Top-Spieler: Lucas Albrecht

Wenn es neben dem Kollektiv so etwas gibt wie den Spieler der bisherigen Saison, dann ist er heißester Anwärter auf den Titel: Lucas Albrecht. Der 25-Jährige, der im Sommer vom Nordost-Regionalligisten Neustrelitz kam, überzeugte allein schon durch seine Variabilität.

Albrecht spielte mal vorn, mal hinten - und etablierte sich als Innenverteidiger, der das Spiel maßgeblich beeinflusst: als Stratege und Gestalter, der mit klugen Pässen Angriffe einleitet. Albrecht absolvierte 18 Partien, schoss zwei Tore und ist aus diesem Team kaum wegzudenken.

Die Leistungsträger: Dauerbrenner und Talent

Niklas Hartmann: Nach dem Weggang von Kevin Rauhut von Trainer Tobias Cramer zur Nummer eins befördert. Das Vertrauen hat der 27-Jährige gerechtfertigt. Ruhig und energisch hinter der Abwehr. Manchmal spektakulär auf der Linie und im direkten Duell gegen auf ihn zueilende Stürmer, nicht immer hundertprozentig sicher beim Herauslaufen. Nur gegen Nöttingen griff er einmal kurios daneben. Ändert aber nichts am starken Gesamteindruck.

Tim Brandner: Als er nach langer Verletzungspause wieder zum Team stieß, war der KSV gerade dabei, sich im unteren Drittel der Tabelle zu etablieren. Als Brandner in Form kam, ging es auch mit den Löwen aufwärts. Darin einen Zusammenhang zu erkennen, ist nicht ganz abwegig: Brandner ist ein Spieler, den Ottmar Hitzfeld wohl „Aggresiv Leader“ nennen würde: einer, der Zeichen setzt und keinen Zweikampf scheut. Das tut den mitunter lieben Löwen sehr gut.

Sergej Schmik: Der 26-Jährige ist der Dauerbrenner. Er verpasste keine einzige Minute. Das allein zeigt schon, wie wichtig er ist. Die rechte Seite des Spielfeldes bearbeitet er so zuverlässig wie ein Specht den Baumstamm. Und wenn sonst Not am Mann ist, spielt er halt Innenverteidiger.

Marco Dawid: Dass er viel Talent hat, erkannte schon Uwe Wolf vor mehr als drei Jahren. Seitdem wird mit dem Durchbruch des 22-Jährigen gerechnet. In dieser Saison scheint er zu gelingen. Dawid macht allein durch seine Schnelligkeit oft den Unterschied. Und vier Tore sind ja auch nicht schlecht. Längst hat er das Interesse der Scouts höherklassiger Klubs geweckt.

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