0:2 gegen Hannover

Stolz und enttäuscht: Löwen verarbeiten Pokal-Niederlage

Ein bisschen Trost tut gut: Hasan Pepic (rechts) lässt sich von einem KSV-Fan aufmuntern. Fotos: Hedler

Es war noch weit nach Abpfiff schwülwarm rund um das Auestadion, die Hitze im Innenraum staute sich – und doch schien für die Spieler des KSV Hessen Kassel an diesem Abend des 9. August kein Hochsommer zu sein, sondern tiefster Winter.

27. Dezember oder so. Schließlich fühlten sie sich nach dem 0:2 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten Hannover 96 wie Kinder, die sich Monate und Wochen auf Weihnachten freuen und nach der Bescherung in ein Loch fallen, weil sie nicht wissen, wem oder was sie entgegenfiebern sollen.

KSV-Torwart Kevin Rauhut zumindest hatte eine Idee: „Wir müssen uns einfach wieder über den Hessenpokal für die erste Hauptrunde qualifizieren, um wieder solch eine Kulisse zu haben.“ Auch Matthias Mink sprach von dieser Möglichkeit – und bezeichnete sie sogleich als „harten Weg“.

Die Aussicht auf die erste Hauptrunde im nächsten Jahr ist im ersten Moment allerdings nicht mehr als ein Trostpflaster. Zu gern hätten die Spieler über ihr Wunschlos für die zweite Runde im laufenden Wettbewerb gesprochen. Sie waren nach einer engagierten, kämpferisch und spielerisch einwandfreien Leistung dicht dran gewesen, mussten sich am Ende aber doch knapp geschlagen geben.

Dass nicht viel fehlte am Pokal-Coup, machte die Löwen auf der einen Seite sehr froh, auf der anderen Seite vergrößerte es den Schmerz über die Niederlage noch ein bisschen. Gäbe es ein Wort, das sowohl Stolz als auch Enttäuschung ausdrückt, es hätte gepasst auf die Stimmung der Spieler, die irgendwie enttäuschtstolz oder stolzenttäuscht waren. Shqipon Bektashi drückte es so aus: „Natürlich sind wir glücklich über unsere Leistung, aber wir wollten die Sensation schaffen.“

Bei Trainer Mink klang das ähnlich: „Schulterklopfer sind schön nach einem solchen Spiel, aber wir wollten eine Runde weiter.“ Bei aller Traurigkeit lieferte Mink kurz nach Schlusspfiff schon die passende Analyse, warum es nicht gelangt hatte: „Uns hat in der Box die Liebe zum Detail gefehlt.“ Wobei er mit Box den Strafraum meinte, in dem den Löwen das letzte Quäntchen Kaltschnäuzigkeit abhandengekommen ist.

Sie müssen sich jetzt damit trösten, beim ersten ausverkauften Spiel im Auestadion seit 30 Jahren mitgewirkt zu haben. Mittelfeldspieler Hasan Pepic bezeichnete die Atmosphäre mit 18.500 Zuschauern als „Wahnsinn“ und „überragend“. Und: „Wir wollen das wieder haben.“ Am Freitag kommt nun erst einmal Regionalliga-Aufsteiger Steinbach zum Punktspiel ins Auestadion. Es soll wieder heiß werden, aber bei dem Gedanken an die kommende Aufgabe wird es den einen oder anderen eher frösteln. „Das Spiel wird eine große Herausforderung“, sagt Trainer Mink.

DFB-Pokal: KSV Hessen Kassel gegen Hannover 0:2

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