Ein Interview über Relegation, Druck und Heimat

Yunus Malli vor Spiel gegen KSV Hessen: Bin froh, dass wir helfen

Mittlerweile in Grün: Der Kasseler Yunus Malli steht derzeit beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Am Dienstag kommen die Niedersachsen zum Retterspiel ins Auestadion. Foto:  dpa

Kassel. Wenn der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg am kommenden Dienstag zum Retterspiel ab 18.30 Uhr im Auestadion aufläuft, ist mit Yunus Malli ein gebürtiger Kasseler dabei.

Wir haben mit dem 25-Jährigen vorab über sein erstes halbes Jahr in Wolfsburg und die Relegation gesprochen - und er erklärt, warum er nie vom KSV geträumt hat.

Herr Malli, in einer Videobotschaft haben Sie für das Retterspiel geworben. Was wünschen Sie sich persönlich für die Partie? 

Malli: Ich hoffe, dass die Fans und Menschen in Kassel, die den Fußball lieben, zahlreich kommen werden. Ich freue mich auf das Spiel. Ich hoffe, dass die Leute sich auch freuen und den KSV und uns unterstützen - und nebenbei dann eine tolle Partie sehen und einen schönen Fußballabend haben.

Sie kommen aus Kassel. Haben Sie früher davon geträumt, beim KSV zu spielen? 

Malli: Geträumt habe ich davon nicht. Ich habe damals beim VfL Kassel gespielt. Zu der Zeit hieß es immer, der KSV Hessen, VfL Kassel und der KSV Baunatal seien die drei großen Vereine in der Region. Ich habe mich für den VfL entschieden und hatte dort eine schöne Zeit. Die Spiele gegen den KSV waren immer spannend und es ging zur Sache. An einen Wechsel habe ich aber nie gedacht.

Wie ist der Kontakt in die Heimat heute? 

Malli: Meine Familie lebt in Kassel und ich habe noch viele Freunde dort. Deswegen versuche ich, so oft wie möglich nach Kassel zu fahren und Familie und Freunde zu besuchen.

Hat man als Bundesliga-Profi die Zeit, Regionalliga-Fußball zu schauen? 

Malli: Die Zeit hätte ich schon. Die Frage ist nur, ob man sich in seiner Freizeit dann auch die ganze Zeit mit Fußball beschäftigen möchte. Ich schaue mir schon die Bundesliga und internationale Spiele an, die Regionalliga nicht mehr. Die Ergebnisse des KSV verfolge ich aber schon.

Im Januar ging es für Sie nach Wolfsburg. In einem halben Jahr haben sie schon zwei Trainer erlebt, in fünf Jahren Mainz zuvor waren es drei. Wie schwierig ist das für einen Spieler? 

Malli: Es ist nicht immer einfach, wenn der Trainer gewechselt wird. Das erste halbe Jahr war für mich nicht leicht. Wir waren insgesamt nicht zufrieden mit unserer Leistung. Wir sind aber zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen - mit dem Klassenerhalt. Es ist auch eine Erfahrung, die jeden Einzelnen weiterbringen wird, auch wenn sie nicht so schön war. Jeder ist gewillt, es in diesem Jahr besser zu machen.

Wie ist es für einen Spieler, wenn man weiß, dass die nächsten beiden Spiele über Liga eins oder zwei entscheiden? 

Malli: Es ist in erster Linie eine große Drucksituation. Die Umgebung, die Stadt, die Fans - alle erwarten, dass wir gewinnen und die Klasse halten. Wenn man nach Hause kommt, kann man das nicht alles auf einmal vergessen. Es war eine stressige Zeit und ich bin froh, dass jetzt eine neue Saison beginnt.

Im Wolfsburger Kader gab es in diesem Sommer einen kleinen Umbruch. Was ist im kommenden Jahr möglich? 

Malli: Es ist schwer, eine Platzierung zu nennen. Wir haben erfahrene Spieler verloren, junge sind dazugekommen. Aber wir haben eine gute Truppe und eine tolle Mischung aus jung und erfahren. Es ist schön, dass wir weiter in der Bundesliga spielen und uns da zeigen können.

Und eigene Ziele? 

Malli: Ich versuche, auf meine Einsätze zu kommen. Ich möchte mich in jedem Bereich weiterentwickeln. Da gibt es immer noch Luft nach oben. Ich möchte ein besserer Spieler werden und zum Erfolg der Mannschaft beitragen - mit Vorlagen und Toren. Das ist für einen Spieler auf meiner Position ja nicht ganz unwichtig.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Kassel? 

Malli: Ich gehe gern in die Stadt, laufe ein bisschen rum und trinke einen Kaffee - am Friedrichsplatz zum Beispiel.

Ist dafür am Dienstag Zeit? 

Malli: Ich denke eher nicht.

Zurück zum KSV: Warum darf der nicht untergehen? 

Malli: Weil der KSV ein Traditionsverein ist. Es gibt in und um Kassel nicht viele Klubs, die höherklassig spielen. Es wäre schade, wenn ein Verein wie der KSV der Region nicht erhalten bliebe. Deswegen bin ich froh, dass wir mit dem VfL dieses Spiel in Kassel machen - und auch wir helfen können.

Yunus Malli (25) wurde am 24. Februar 1992 in Kassel geboren. In der Jugend spielte er für die Sportfreunde Fasanenhof und den VfL Kassel, 2007 wechselte er in die Nachwuchsabteilung von Borussia Mönchengladbach. 2011 ging es aus der zweiten Mannschaft der Fohlen zum FSV Mainz 05 in die Bundesliga. Für die Mainzer spielte Malli unter anderem unter Trainer Thomas Tuchel und erzielte in 129 Ligaeinsätzen 29 Tore. Im Januar verpflichtete Wolfsburg den türkischen Nationalspieler für 12,5 Millionen Euro.

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