Der Mann, der überall Spaß hat

KSV-Abwehrspieler Henrik Giese überzeugt als linker Außenverteidiger

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Auffällig als Außenverteidiger: Henrik Giese.

Kassel. Nach dem 0:2 im Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Hamburger SV vor eineinhalb Wochen hat sich Henrik Giese vom Regionalligisten KSV Hessen Kassel auch zu seiner Position geäußert.

Er war ziemlich überraschend als linker Außenverteidiger aufgelaufen und sagte schließlich: „Man kann überall seinen Spaß haben.“

Beim 2:2 gegen Offenbach am Freitagabend untermauerte der 26-Jährige seine Aussage. Giese gab erneut den linken Außenverteidiger und tat einfach so, als würde er diese Position spielen, seit er nicht mehr im Sandkasten Förmchen stapelt. Hinterher bestätigte er: „Das hat Freude gemacht. Ich bekomme immer mehr Gefühl für die Position, hier kommt es zu mehr Zweikämpfen, zu mehr Eins-gegen-Eins-Situationen.“

Giese interpretierte seine neue Aufgabe enorm offensiv – so, wie das Trainer Matthias Mink generell von seinen Außenverteidigern verlangt. Der Abwehrspieler hatte in der vierten Minute die erste Chance für seine Mannschaft – auch wenn er am Ende im Abseits gestanden hatte. Er bemühte sich, das ansonsten recht stockende Angriffsspiel in Schwung zu bringen, er rettete hinten und zeigte in der 39. Minute gar ein kleines Kunststück, bevor er schließlich aus 25 Metern aufs Tor schoss.

Es hatte den Anschein, als wollte Giese Guido Buchwald nachahmen, der es 1990 innerhalb einer Weltmeisterschaft schaffte, von einem recht rustikalen Defensivspezialisten zu einem Fußballer zu werden, den sie Diego rufen. Es sollte wohl kein Zufall sein, dass Giese in der ersten Halbzeit dort agierte, wohin die Sonne noch reichlich Licht sendete. Dass Giese in der sehr kampfbetonten zweiten Halbzeit mehr Buchwald als Diego war, änderte nichts am positiven Gesamteindruck.

Die Geschichte von Henrik Giese wird somit noch interessanter. Dabei war sie zuvor schon reich an Wendungen. Giese kam vor eineinhalb Jahren, er stabilisierte als Innenverteidiger eine verunsicherte Abwehr, verlor in der vergangenen Saison seinen Stammplatz und entfernte sich auch wegen Verletzungen immer mehr von einem Platz in der ersten Elf. Zeitweise war er noch nicht einmal im Kader.

Gegen Ende der Saison aber tauchte er plötzlich wieder auf. Er kämpfte sich heran, machte auf sich aufmerksam und erhielt einen neuen Vertrag. Seitdem dient er als Beispiel dafür, wie schnell es im Fußball gehen kann – und dass nichts unmöglich ist.

Jetzt könnte Giese einen neuen Platz gefunden haben, auch wenn der KSV mit Nicolai Lorenzoni am Samstag noch einen linken Außenverteidiger unter Vertrag genommen hat. Der 23 Jahre alte Lorenzoni aber muss sich erst einfinden. Sobald er eine ernsthafte Alternative ist, gilt das, was Trainer Mink sagt: „Giese kann auch Innenverteidiger.“ Sein Plus: In einer extrem jungen Viererabwehrkette ist seine Erfahrung durchaus gefragt – auf welcher Position auch immer. Spaß hat Giese sowieso überall.

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