Der 31-Jährige vom KSV Hessen hatte viel zu tun – am Samstag gegen Offenbach

Turbulente Wochen für Ingmar Merle: Löwe ist erneut für Tor des Monats nominiert

Ingmar Merle
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Ein besonderer Jubel: Ingmar Merle 2018.

Es waren turbulente, aufregende Wochen für Ingmar Merle. In einer für viele ja eher ereignisarmen Zeit. Der Allrounder des Regionalligisten KSV Hessen Kassel hatte viel zu tun.

Kassel – Arbeit, Fußball, Umzug – und natürlich noch die ganzen Termine wegen der Tor-des-Monats-Auszeichnung. Und dann folgte am Samstag (1. Mai) auch noch die Information: Merle ist erneut für das Tor des Monats nominiert. Diesmal für den Monat April.

Darauf angesprochen, dass momentan sonst ja eher wenig los sei, lacht er kurz. Der 31-Jährige ist kein Mann der vielen Worte. Was er sagt, ist bedacht, reflektiert. In den Mittelpunkt stellt er sich nicht. Da steht für ihn – wenn es um Fußball geht – die Mannschaft.

Die trat am Samstag im Hessenderby zuhause gegen die Kickers Offenbach an (14 Uhr, hier gibt‘s den Ticker und die Radioübertragung). Merle, der schon lange dabei ist, kennt diese Spiele. Als noch Zuschauer ins Stadion durften, da ist er nach dem Abpfiff auch mal etwas früher aus der Kurve gekommen, manchmal hatte er seine Tochter auf dem Arm. Er sagt dann so etwas wie: „Ich habe das schon oft mitgemacht, da lasse ich den Jungen mal den Vortritt.“ Duelle mit Offenbach – das muss aber auch er zugeben – sind das I-Tüpfelchen der Saison.

I-Tüpfelchen gab es für ihn zuletzt mehrere. Klar, das Tor aus 60 Metern gegen Homburg. Das Tor des Monats März. Beim 3:2-Auswärtssieg gegen Großaspach gelang ihm dann der nächste Treffer, der es nun in diese Auswahl geschafft hat (zu sehen ist das Tor im Video unten, bereitgestellt von Leagues). „Jeder, der mich kennt, weiß, wie ich bin. Wenn es so kommen mag, ist das gut“, hatte er im Vorfeld zu einer möglichen erneuten Nominierung gesagt. Die Medaille für das beste Tor im März habe ihn stolz gemacht. „Nicht nur die Wahl, sondern, überhaupt da reinzukommen“, sagt er. „Die Unterstützung von allen Seiten, das war ein schönes Gefühl. Eine bessere Publicity für den Verein kann man derzeit gar nicht haben. Die Öffentlichkeit nimmt man da gern mit.“

Für den 31-Jährigen geht es mehr ums große Ganze als um ihn selbst. „Wir freuen uns natürlich auf solche Spiele wie gegen Offenbach jetzt. Dass wir überhaupt spielen dürfen, ist in der aktuellen Situation einfach sehr groß. Man muss auch immer sehen, wo wir gerade herkommen. Insolvenz, Abstieg – wir können uns glücklich schätzen, solche Spiele zu machen. Das ist ein Privileg“, sagt er.

Ein Privileg ist es beinahe auch, Merle einmal ausgelassen jubeln zu sehen. Wenn, dann macht er es aber richtig. Dann rutscht er mit geballten Fäusten auf den Knien über den Rasen. So auch vor einer Woche in Großaspach, als er nach 0:2-Rückstand – den Löwen fehlten neun Spieler – einen Abpraller zum 3:2 versenkte. Traumtor! Wieder einmal. „Das war ein besonderer Moment. Aber solche Tore sind nur dann so groß, wenn du am Ende auch die drei Punkte mitnimmst. Die Dramatik dieses Spiels, das war schon eine Geschichte für sich. Phänomenal“, sagt er. Und zu seinem Jubel nach dem Treffer: „Da wird man dann auch mal emotional und freut sich ein bisschen ausgelassener.“

Kniend über den Rasen rutschen, hatte man Merle davor das letzte Mal 2018 gesehen. Im Auestadion versenkte er damals im wichtigen Spiel gegen Fulda einen Freistoß zum 2:1. Anschließend entstand das Foto links. Ein Bild, das der Blog36 jetzt mit der Aufschrift „Kick it like Inge“ versah, um Werbung für die Wahl zum Tor des Monats zu machen. Anschließend wurden T-Shirts mit Bild und Schriftzug gedruckt, die es online beim Fanpoint Kassel und im Fanshop des KSV zu kaufen gibt. Der Erlös geht auf Merles Wunsch an die Frühchenstation des Klinikums Kassel. Er hat eine persönliche Bindung, seine Tochter war ein Frühchen. 150 Shirts wurden bislang verkauft, 50 sind noch zu haben. „Ich habe viel positives Feedback von anderen Betroffenen bekommen“, sagt Merle. Kurz und knapp. So ist er eben.

Wenn es am Ende für den Klassenerhalt reicht, dann wird Merle sicher wieder ausgelassen jubeln. Denn er sagt: „Wenn wir in dieser Saison die Liga halten mit unserem Kader, dann ist das gefühlt wie eine Meisterschaft.“ (Maximilian Bülau)

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