Unklar, ob Mayer Kapitän bleibt

KSV-Trainer Mink hofft auf Verstärkungen: Das komplette Interview

Kassel. Matthias Mink will als neuer Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel alles auf den Prüfstand stellen. Das sagte er im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung. Das heißt zum Beispiel: Ob Andreas Mayer weiterhin Kapitän bleibt, ist unklar.

Herr Mink, nach noch nicht einmal einer Woche beim KSV Hessen: Was haben Sie bisher von Kassel mitbekommen?

Mink: Wenig. Das Einzige, was ich nachhaltig wahrgenommen habe von der Stadt, ist das Auestadion. Als ich da das erste Mal dran vorbeigefahren bin, musste ich erst einmal durchatmen. Es stellt eine eindrucksvolle Kulisse dar – ein echtes Pfund. Ansonsten leiten mich mein Handy und Google Maps hier von Ort zu Ort, da bekomme ich von der Umgebung kaum etwas mit.

Sie haben bisher ausschließlich im Raum Köln gearbeitet. Fällt es da schwer, die gewohnte Umgebung zu verlassen?

Mink: Schon. Aber ich habe das mit meiner Familie ausführlich besprochen. Es war uns schon länger klar, dass dieser Schritt raus aus Köln mal anstehen würde, wenn ich mich in meinem Beruf weiterentwickeln will. Nun ist es so gekommen, und ein Freund von uns hat kürzlich gesagt, dass die Familie Mink nun zwei Abgänge zu verzeichnen hat: Der Papa geht nach Kassel und die Tochter nach Neuseeland. Sie wird dort ein halbes Jahr in die Schule gehen.

Jetzt heißt es Herkules statt Kölner Dom. Haben Sie wenigstens Kassels Wahrzeichen schon mal gesehen?

Mink:  Nein, es war immer so diesig. Aber ich weiß auch so, dass auf mich eine Herkulesaufgabe wartet. Der KSV steckt im Abstiegskampf, das Umfeld gilt als schwierig. Das wird keine einfache Geschichte.

Wo werden Sie ansetzen?

Mink: Es gilt zunächst einmal, die Mannschaft körperlich auf einen guten Stand zu bringen, damit sie zum Start in die restliche Rückrunde am 22. Februar topfit ist. Gleichzeitig wollen wir uns fußballerisch verbessern.

Werden Neuzugänge dazu beitragen?

Mink: Wir werden die Kaderstruktur verändern – in der Breite und in der Qualität.

Für welche Positionen suchen Sie konkret Verstärkungen?

Mink: Wir benötigen auf alle Fälle noch einen Innenverteidiger und einen Spieler fürs Sturmzentrum. Wir müssen in kurzer Zeit Entscheidungen treffen, die sitzen müssen. Das wird schwer. Aber unser Sport-Vorstand André Schubert hat gute Kontakte. Ich bin sicher, dass es am Ende passen wird.

Werden sich die Machtverhältnisse innerhalb der Mannschaft ändern, nachdem zuletzt Carsten Nulle und Andreas Mayer das Kommando hatten?

Mink: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Klar ist, dass es eine gewisse Hierarchie geben wird. Insofern steht alles auf dem Prüfstand.

Das heißt, Bobo Mayer bleibt nicht automatisch Kapitän?

Mink: So ist es – und trotzdem hatte er im Testspiel gegen Siegen die Binde und jede Menge Verantwortung.

Sie haben aus Kölner Zeiten den Spitznamen Mörtel-Mink. Mauert sich der KSV nun zum Klassenerhalt?

Mink: Den Spitznamen habe ich in einer bestimmten Saison bekommen, als ich Trainer bei Fortuna Köln war. Da war das Problem, dass wir zu Hause immer Favorit waren und die Gastmannschaften wegen der Kulisse stets 120 Prozent gegeben haben. Da konnten wir immer nur ein gewisses Maß an Risiko gehen, zumal wir schlecht in die Saison gestartet waren. Am Ende sind wir noch in die Regionalliga aufgestiegen. Generell bin ich aber einer, der guten und strukturierten Fußball spielen lässt. Letztlich zählt aber vor dem Erlebnis das Ergebnis. Und klar ist auch, dass beim KSV erst einmal das Hauptaugenmerk auf der Defensivarbeit liegt.

Es kursiert nicht nur der Spitzname Mörtel-Mink. Ihnen eilt auch der Ruf voraus, an der Seitenlinie sehr impulsiv zu sein. Im ersten Testspiel Ihrer alten Mannschaft Leverkusen II ohne Sie hieß es, es sei am Rand so ruhig gewesen.

Mink: Trotzdem sehe ich mich als relativ ruhigen Trainer, der versucht, klare Anweisungen zu geben. Ich bin kein HB-Männchen, das ständig auf- und abläuft. Sicher gibt es mal Diskussionen mit dem Schieds- oder Linienrichter. Ich bin aber schon ewig nicht mehr auf die Tribüne verwiesen worden. Ich habe und hatte stets ein gutes Verhältnis zu den Schieds- und Linienrichtern.

Was ist also von Ihnen zu erwarten?

Mink: Ich bin nicht der Heilsbringer. Am Ende muss es das Team richten, das ebenfalls in der Verantwortung steht.

Zur Person

Matthias Mink (46), geboren in Villingen, besitzt seit 2010 die Fußballlehrer-Lizenz. Er trainierte vor Leverkusens U 23 vier Jahre lang Fortuna Köln. Bei den Fortunen verbrachte er den Großteil seiner Spieler-Laufbahn, er absolvierte 156 Zweitliga-Spiele. Mink ist verheiratet, hat drei Kinder (8, 11, 15 Jahre alt). Seine Familie wohnt in Köln.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

Matthias Mink bei Radio HNA

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