Leistungsabfall hatte sich bereits angedeutet 

Nach dem 2:6-Debakel des KSV Hessen in Fulda: Tun die Spieler alles, um noch Zweiter zu werden?

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Enttäuscht: Sebastian Schmeer stellte sich mit den anderen KSV-Spielern nach dem 2:6 in Fulda den Fans in der Kurve. 

Sieben Monate war der KSV Hessen Kassel ungeschlagen. Ausgerechnet im Endspurt der Fußball-Hessenliga gab es ein 2:6 in Fulda. Der Trainer fragt sich, ob die Spieler alles für den Aufstieg tun.

"Hessen Kassel unbesiegbar": Unter diesem Motto stand die Choreografie der rund 300 Kasseler Fans, die am Freitag mit nach Fulda gefahren waren, um ihr Team im Aufstiegskampf zu unterstützen. Nach 65 Minuten packten die Anhänger der Löwen ihre Utensilien zusammen. 

Unbesiegbar wirkte der KSV gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz da schon lange nicht mehr. 0:5 stand es, am Ende 2:6 – eine der höchsten Niederlagen in der Amtszeit von Trainer Tobias Cramer. Es bleiben Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit, Unverständnis. Eine Suche nach Erklärungen.

Katastrophale Ballverluste:Auf diese Partie reduziert, waren es vor allem unerklärliche Ballverluste und Schwächen im Umschaltspiel, die diese deutliche Niederlage möglich machten. Dem 0:3 und 0:5 waren verheerende Fehlpässe von Sebastian Schmeer und Sergej Evljuskin im Spielaufbau vorausgegangen. Bei keinem Gegentreffer wurden die Akteure der SG Barockstadt entscheidend gestört. Die Viererkette rückte weit auf, wurde von den schnellen Angreifern der Gastgeber ein ums andere Mal überlaufen. Die tauchten dann frei vor Niklas Hartmann auf. Der Torwart konnte einem nur leidtun.

Fragwürdig ist, warum die Spieler nicht etwas änderten, nachdem dieses Abwehrverhalten mehrmals zu Gegentoren geführt hatte. Cramer sagte während der Pressekonferenz: „So wie es sich entwickelt hat, ist es schwer, noch einmal Einfluss zu nehmen, weil eine gewisse Dynamik entsteht.“ Nicht nur der Trainer vermisste Ingmar Merle, der verletzt ausfiel. Auch im offensiven Umschalten fehlte den Löwen zuletzt Tempo – und so die Gefahr.

Gilt nicht mehr: die Choreografie der KSV-Anhänger. 

Baunatal-Effekt: Die erste Niederlage seit dem 6. Oktober 2018 (0:1 in Hadamar) kommt nicht völlig überraschend. Bereits im Heimspiel gegen Hadamar am vergangenen Samstag (2:2) hatte sich der Leistungsabfall angedeutet. Allerdings hatte der KSV da spät ausgeglichen, viele Chancen vergeben. In der Defensive waren aber in diesem Spiel schon erhebliche Schwächen auszumachen.

Dieser Trend setzte sich nun fort – und könnte eine Folge des Druckabfalls sein. Lange fieberten alle dem Rekordspiel gegen Baunatal entgegen. Bis dahin arbeitete sich der KSV Stück für Stück nach vorn – und eroberte mit dem 3:1-Erfolg gegen den Rivalen vor 15 500 Zuschauern im Auestadion den zweiten Platz. Und das trotz des Punktabzugs. Als dieses Ziel erreicht war, diese Wochen des Drucks überstanden, in denen kein Fehltritt gesetzt werden durfte, da fiel Spannung ab – fünf Spieltage vor Saisonende und mit den schweren Partien gegen Hadamar und Fulda vor der Brust war das zu früh.

Eine Parallele zur vergangen Saison und der tollen Rückrunde – die beinahe noch zum Klassenerhalt in der Regionalliga gereicht hätte – ist erkennbar. Auch damals verlor der KSV das entscheidende Spiel in Koblenz. Nach einer tollen Aufholjagd in der zweiten Saisonhälfte belohnte sich das Team nicht.

Fehlende Alternativen: Auffällig in Fulda: Cramer wechselte trotz des 0:3-Pausenrückstands nicht aus. Und auch als der KSV nach rund 50 Minuten in Überzahl war, gab es keine personellen Änderungen. Der Trainer erklärte: „Das war eine bewusste Entscheidung. Die Mannschaft muss da durch und sich der Situation stellen.“ Eine Ursache ist aber sicher auch die dünne Personaldecke. In Situationen, in denen die Mannschaft zurückliegt, gibt es kaum Alternativen von der Bank.

Der Trainer fügte noch an: „Jeder Spieler muss sich selbst hinterfragen, ob er alles dafür tut, um den zweiten Platz zu erreichen.“ In der eigenen Hand hat der KSV das nun nicht mehr. Die Unterstützung der Fans hat er aber. Nach einer Aussprache mit den Spielern gab es trotz des 2:6 aufmunternde Worte.

Hintergrund: Eine der höchsten Niederlagen unter Cramer

Seit Tobias Cramer den KSV Hessen Kassel im Sommer 2016 als Cheftrainer übernommen hat, kassierte das Team in einem Ligaspiel nie sechs Gegentore. Gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gab es also eine Premiere. Wenn auch eine wenig erfreuliche. In Fulda stand es nach 78 Minuten 0:6. Dominik Rummel (4.), Marius Strangl (9., 57. und 78.) sowie Patrick Broschke (20. und 62.) hatten getroffen. 

Überraschend ist dieses Ergebnis vor allem, weil der KSV Hessen mit vorher 22 Gegentreffern in 28 Partien nach dem FC Gießen die zweitbeste Abwehr der Hessenliga stellte. Nun kassierte das Team mehr als ein Viertel der bisherigen Gegentore in nur einem Spiel. Dass es am Ende nicht die höchste Niederlage in Cramers Amtszeit wurde, verhinderte ein Doppelpack von Sebastian Schmeer (85. und 89.). Mit vier Toren Unterschied verlor der KSV 2017 in der Regionalliga auch gegen Hoffenheim II (1:5) und Stuttgart II (0:4).

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