Heute ab 14 Uhr erstes Punktspiel in Stadtallendorf 

Der neue KSV-Trainer Dietmar Hirsch: „Ich hole die Jungs auch aus der Disko ab“

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Er hat einen klaren Plan: Dietmar Hirsch will mit dem KSV Hessen Kassel den Aufstieg in die Regionalliga schaffen. Links unten: Co-Trainer Tobias Damm.

Mit dem Spiel bei Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf beginnt für Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel und seinen Trainer Dietmar Hirsch die Saison.

Um 14 Uhr wird im Herrenwaldstadion die Partie angepfiffen. Das Ziel ist klar und wird auch vom Coach so formuliert: „Wir wollen aufsteigen.“ Ein Gespräch mit dem 47-Jährigen.

Herr Hirsch, als früherer Spieler des MSV Duisburg werden Sie mit dem Pott verbunden. Sind Sie ein Kind des Ruhrgebiets?

Da liegen Sie falsch. Ich bin in Viersen geboren und damit ein Kind des Niederrheins. Allerdings verbindet uns vieles mit den Menschen des Ruhrgebiets. Wir gelten manchmal als oberflächlich, aber wir sind vor allem offen. Bei uns musst du keine Verabredungen treffen, wenn du abends ein Bier trinken gehst. Du kommst trotzdem sofort ins Gespräch.

Wie sieht es mit der Offenheit in Kassel aus?

Ich fühle mich sehr gut aufgenommen. Alle sind freundlich, unterstützen mich. Jetzt müssen wir Ergebnisse liefern. Noch wohne ich im Düsseldorfer Hof, das ist hier ja offenbar das Zentrum für Sportler. Da wird man natürlich sofort auf Fußball und den KSV angesprochen.

Dann reden wir doch auch über Fußball. Wie sind bisher Ihre Eindrücke von Mannschaft und Verein?

Sehr gut. Ich habe ein tolles Trainerteam um mich herum und viel Unterstützung. Die Arbeitsbedingungen sind wie die eines Drittligisten. Büro, Trainingsplatz, Geschäftsstelle – alles ist dicht beieinander. Das ist perfekt. Solche Voraussetzungen haben manche Zweitligisten nicht. Für mich war es natürlich von Vorteil, dass ich eine gewachsene Mannschaft vorgefunden habe. Der Großteil des Kaders stand schon im Februar fest. Das bedeutet, dass sich die Spieler mit dem Verein identifizieren. Wir hatten schon eine gute Mischung, die jetzt noch einmal punktuell verstärkt wurde.

Wie hat der Rückzug des FSC Lohfelden die Transfers beeinflusst? Die drei Neuen von dort spielen ja gleich eine gute Rolle.

Alle Spieler spielen eine gute Rolle. Aber natürlich war der Rückzug in diesem Sinn gut für uns. Für uns lag es dann auf der Hand, Spieler aus der Nähe zu verpflichten.

Unter anderem einen starken Torhüter.

Ich habe mir gewünscht, dass wir noch einen erfahrenen Torhüter dazuholen. Ich möchte überall Konkurrenzkampf haben. Torhüter möchten heute als Torspieler bezeichnet werden. Auch auf dieser Position kann gewechselt werden.

Wie sieht der Fußball aus, den Dietmar Hirsch spielen lassen möchte?

Wir wollen hoch stehen, den Gegner vom eigenen Tor weghalten. Es wird laufintensiv. Wir müssen auch Ballbesitzfußball beherrschen, aber das ist nicht unsere Kernkompetenz. Ich bin selbst Defensivspieler gewesen. Ich gewinne lieber 1:0 als 5:4.

So oft 1:0 gewinnen, dass Sie am Ende aufsteigen?

Natürlich ist das das Ziel. Alles andere wäre albern. Ein Stück weit kann man Erfolg immer planen. Wenn wir die Ruhe bewahren und uns auf uns konzentrieren.

Wer sind Ihrer Meinung nach die Konkurrenten?

Fulda hat Geld, habe ich gehört. Stadtallendorf und Dreieich sind abgestiegen, auch die gehören dazu. Und es gibt immer eine Mannschaft, mit der man nicht rechnet.

Wie wichtig sind die erfahrenen Saglik und Meha für die Mannschaft?

Mahir Saglik ist sehr wertvoll für uns. Ich sehe ihn nicht als Stürmer, eher als 8er oder 10er. Er kann mal zwei Spieler aussteigen lassen. Ich kann ihn nicht wie einen 19-Jährigen behandeln. Über die Qualität von Alban Meha müssen wir nicht sprechen. Bei ihm machen derzeit nur beide Knie etwas Probleme, da müssen wir abwarten.

Welche 19-Jährigen haben sich denn einen Platz im Kader erarbeitet?

Wir haben vier Spieler aus der U19 dabei: Marcel Fischer, Marius Rohde, Serkan Durna und David Stang. Sie machen den Etablierten richtig Druck. Dass sie in der Vorbereitung mal in ein körperliches Loch gefallen sind, ist ganz normal. Da haben sich alle rausgekämpft.

Sie sind 47 und topfit. Mit dem tätowierten Arm könnten Sie zur Spielergeneration gehören.

Ich habe mit den Tattoos auch schon zu Spielerzeiten angefangen. Die auf dem Arm sind noch gar nicht so alt. Für mich ist das eine Art Sucht. Sie gehören zu mir.

Sie wirken so mehr wie der Kumpeltyp.

Respekt muss man sich erarbeiten. Respektieren meine Spieler mich, respektiere ich sie. Ich kann mich gut in sie hineinversetzen. Wichtig ist, dass es ihnen gut geht. Ich hole die Jungs auch aus der Disko ab. Aber natürlich bin ich eine Führungskraft. Am Ende ist es wichtig, dass wir alle Erfolg haben wollen. Da haben wir einen Marathon vor uns. Es bringt ja nichts, wenn ich in der Kabine gegen eine Kiste trete und rumbrülle, wenn wir zur Pause 0:2 hintenliegen. Ich muss den Spielern etwas an die Hand geben.

Sie sind verheiratet, haben zwei Töchter. Was bedeute der Job in Kassel für die Familie?

Meine Töchter sind erwachsen. Eine lebt in Hamburg, eine in Duisburg. Meine Frau wird nach Kassel ziehen. Wir haben ein Haus gefunden und verkaufen das in der Heimat. Wir feiern dieses Jahr Silberhochzeit. Man ist nicht so lange verheiratet, um getrennt zu leben. Uns gefällt es hier. Ich finde es wichtig, jemanden zu haben, mit dem man abends über etwas anderes reden kann als Fußball.

Zur Person: 

Dietmar Hirsch (47) wurde am 8. Dezember 1971 im nordrhein-westfälischen Viersen geboren. Sein erster Fußballverein in der Jugend war der ASV Einigkeit Süchteln. Über den 1. FC Viersen kam er zu Borussia Mönchengladbach. Weitere Stationen als Profi waren Duisburg, Unterhaching, Rostock und Lübeck. Mit Mönchengladbach gewann Hirsch 1995 den DFB-Pokal, mit Duisburg stand er 1998 im Finale des Wettbewerbs. 

Nach seinem Karriereende wurde der heute 47-Jährige Sportdirektor des VfB Lübeck, musste seinen Posten wegen einer Insolvenz des Vereins aber räumen. Anschließend wechselte er ins Traineramt und coachte den SV Schackendorf, den FC Sylt, die SV Elversberg und den VfB Oldenburg, bevor er den KSV Hessen übernahm. Dietmar Hirsch ist seit fast 25 Jahren verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 23 und 21 Jahren.

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