KSV gastiert Samstag in Stuttgart

Seit 13 Spielen sieglos: Sechs Tipps vom Psychologen für den KSV Hessen

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In dieser prekären Situation auch als Psychologe gefordert: Löwen-Trainer Tobias Cramer.

Kassel. 13 Spiele in Folge nicht gewonnen, Tabellenletzter in der Fußball-Regionalliga Südwest, zuletzt zweimal spät geschlagen - der KSV Hessen Kassel steckt in einer schwierigen sportlichen Situation. Ein Fall für den Psychologen?

Vor dem Auswärtsspiel der Löwen am Samstag ab 14 Uhr beim VfB Stuttgart II haben wir Norbert Hagemann von der Uni Kassel um ein paar Tipps gebeten.

  • Tipp 1: Volles Vertrauen in die Mannschaft. In der Liga wartet der KSV seit dem 2. September, seit dem 3:0 im Auestadion gegen den TSV Steinbach, auf einen Sieg. „Das Selbstvertrauen wird mit jedem Negativerlebnis weniger, die Überzeugung nimmt ab“, beschreibt Hagemann, „es gibt tatsächlich ein psychologisches Momentum.“ Wichtig sei es, keinen Druck mehr an die Spieler mehr weiterzugeben. Der Verein muss zeigen, dass er voll hinter der Mannschaft steht. Hagemann betont: „Ob Trainer, ob Präsident, ob Manager - alle müssen signalisieren, dass sie trotzdem an die Mannschaft glauben.“
  • Tipp 2: Erinnern an frühere Erfolge. Wenn es aktuell nicht rund läuft, so lohnt sich nach Einschätzung des Kasseler Sportpsychologen der Blick auf besondere Momente in der Vergangenheit. „Als Trainer kann ich bei den Spielern die Erinnerung daran aktivieren, dass sie eine schwierige Phase schon einmal gemeistert haben“, erklärt der 46-Jährige. An dieser Stelle sei erwähnt: Vor fast genau einem Jahr gewannen die Löwen bei der VfB-Reserve 2:1.
  • Tipp 3: Dem Team den Spaß zurückgeben. Die Übungseinheiten sollten auch mal so gestaltet werden, dass wieder eine Leichtigkeit einkehrt. Hagemann schlägt vor, einen Trainingspartner aus einer unteren Klasse einzuladen. Das beschert kleine Erfolge - und damit wird das Selbstvertrauen gesteigert.
  • Tipp 4: Nicht nach Mustern suchen. Der KSV von Trainer Tobias Cramer kassierte das Gegentor zum 0:1-Endstand bei Waldhof Mannheim in der Schlussphase. Zuletzt gegen Saarbrücken fiel das 1:2 in der Nachspielzeit. „Wenn taktische Fehler zu den Gegentreffern geführt haben, muss man darauf hinweisen - mehr aber auch nicht“, sagt Hagemann.
  • Tipp 5: Fehler verzeihen. „Auf diesem Niveau haben Spieler schon eine hohe Eigenmotivation, sie setzen sich selbst unter Druck“, erläutert Hagemann. „Kommt etwa ein Pass nicht beim Mitspieler an“, so der Uni-Professor, „dann muss der Spieler dennoch das Vertrauen des Trainers spüren.“
  • Tipp 6: Den Pokal als Mutmacher nutzen. Im Gegensatz zur Liga erkämpften sich die Kasseler im Hessenpokal beachtliche Siege. Jetzt stehen sie im Halbfinale und dürfen auf eine Teilnahme am DFB-Pokal hoffen. „Jeder Erfolg puscht“, stellt der Sportpsycholge fest, „diese Ergebnisse sind gut fürs Selbstvertrauen und geben Sicherheit.“

Zur Person

Prof. Dr. Norbert Hagemann, 46, stammt aus Hamburg. Er lehrt an der Universität Kassel Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie. Von 1992 bis 1998 studierte er in Kiel Sportwissenschaft, Psychologie und Pädagogik. Bevor er im Jahr 2009 nach Nordhessen kam, war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Münster tätig. Hagemann, der selbst Handball gespielt hat, ist verheiratet.

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