Pokalheld Gaede nach dem Spiel gegen Wiesbaden: "Das war Emotion pur"

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Emotion pur: Enrico Gaede stimmt nach dem Sieg gegen Wehen Wiesbaden den Jubelgesang an.

Kassel. Als Enrico Gaede Anfang April seinen Abschied zum Ende der Saison verkündete, da hatte er noch einen Wunsch: Ein einziges Törchen wollte der 33-Jährige bis zu seinem Karriereende ganz gern noch erzielen, nachdem er die ganze Saison über noch nicht getroffen hatte. Ein einziges Törchen.

Gaede schoss dieses Törchen nicht in den weiteren Ligaspielen, er schoss es nicht gegen Baunatal, er schoss es nicht gegen Nöttingen – nein, Gaede schien auf den ganz großen Moment zu warten. Er kam an diesem Mittwochabend im heimischen Auestadion, als das Halbfinale im Hessenpokal sich mehr und mehr Richtung Elfmeterschießen entwickelte. Als sich dieses Spiel gegen den Drittligisten Wehen Wiesbaden mehr und mehr die Bezeichnung Pokalfight verdiente. Als klar war, dass ein Torschütze zum Helden werden würde.

Dieser große Moment kam in der 113. Minute, als sich erst Sebastian Schmeer im Strafraum aufrieb, dann Shqipon Bektashi schoss und Wehens Torwart Markus Kolke den Ball nur nach vorn abwehren konnte. Enrico Gaede stand da auf Höhe des Fünfmeterraums, er schaltete blitzschnell und schoss den Ball unter die Latte, wie es Gerd Müller früher nicht hätte besser machen können.

„Danach, das war Emotion pur“, berichtete Gaede, der sofort über die Laufbahn Richtung Fans sprintete, die Fäuste geballt, den Jubelschrei im Gesicht. Es schien, als habe Gaede in sieben Jahre beim KSV seine Gefühle nur deshalb stets unter Kontrolle gehabt, um kurz vor Schluss noch einmal so richtig auf die Pauke hauen zu können.

„Für Enno hat es mich unglaublich gefreut – nicht nur wegen seines Tores. Er hat ein starkes Spiel gemacht und wird uns nächste Saison sehr fehlen.“

Enno, wie er genannt wird, war fortan der Mittelpunkt einer Menschentraube, zu der sehr bald auch die über den ganzen Platz herbeigeeilten Ersatzspieler gehörten. Gaede wurde mit einem Schlag die Anerkennung zuteil, die er sich all die Jahre erarbeitet hat – und doch selten zu spüren bekam.

Diese Anerkennung setzte sich auch nach Schlusspfiff fort, als der KSV mit seinen Anhängern einen Abend gestaltete, den es in dieser Form schon lange nicht mehr gegeben hatte. Die Fans betraten den Innenraum, sie setzen sich friedlich auf den Boden und forderten den Mann des Tages auf, die Humba und damit den Jubelgesang anzustimmen. Gaede folgte dem Ruf, auch wenn er gar nicht so recht wusste, wo er sich hinzustellen hatte.

Er machte auch als Chefanstimmer eine gute Figur. Als er kurze Zeit später über den Rasen trottete, kam der ehemalige Sport-Vorstand André Schubert auf ihn zu, umarmte ihn und sagte: „So macht man Legenden.“

Gaede hat zumindest im Winter seiner Karriere noch einmal ein Tor erzielt, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Bei aller Euphorie blieb er aber auch danach der Profi, der er immer war: „Wir haben noch nichts erreicht außer einem geilen Sieg.“ Er warnte vor dem Finalgegner Gießen und dachte bei der Aussicht auf eine nächtliche Feier mit seinen Teamkollegen schon einen Schritt weiter: „Morgen früh um 8 Uhr muss ich arbeiten.“

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