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Ex-Nationalspieler Dieter Müller bestritt erstes Spiel nach seinem Herzinfarkt

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Glücklich verliebt: Johanna Höhl und Dieter Müller. Foto: Fischer
Glücklich verliebt: Johanna Höhl und Dieter Müller. © Fischer

Kassel. Dieter Müller stand bei 303 Spielen in der Fußball-Bundesliga auf dem Platz. Er ist als Kölns Stürmer des Jahrhunderts ausgezeichnet worden. Zwölfmal war er in den Siebzigern für die Nationalmannschaft aktiv.

Und doch absolvierte dieser Dieter Müller am Samstag in der Kasseler Eissporthalle sein erstes Fußballspiel – sein erstes Fußballspiel in seinem zweiten Leben. Deshalb war die Promipartie vor dem Sunexpress-Cup für ihn etwas ganz Besonderes, deshalb hat ihn seine Lebensgefährtin Johanna Höhl begleitet.

Das zweite Leben – so nennt Dieter Müller (59) die Zeit nach seinem Herzinfarkt am 30. September 2012. Nach jenem Tag, an dem sein Herz für 31 Minuten aufhörte zu schlagen. Johanna Höhl erinnert sich an die dramatischen Stunden, als seien sie gestern passiert. „Ich habe sofort die 112 angerufen und zum Glück einen telefonischen Ersthelfer am Apparat gehabt. Der hat mir die Panik genommen und genau gesagt, was ich machen muss.“

„Ich war quasi tot“

Johanna Höhl begann mit der Herzmuskelmassage. Nach zehn Minuten trafen Ersthelfer ein, nach 20 Minuten war der Notarzt da. Doch auch der Einsatz eines Defibrillators brachte Dieter Müller zunächst nicht zurück ins Leben. „Ich war quasi tot“, sagt er im Rückblick. Doch die Retter gaben nicht auf – und wurden belohnt. Nach 31 Minuten begann Dieter Müllers Herz wieder zu arbeiten. Hoffnung keimte auf.

Nach knapp einer Woche im Koma wachte Dieter Müller schließlich wieder auf. Johanna Höhl bezeichnet das heute als Wunder. Er selbst weiß noch, wie er plötzlich Kobolde und Feen sah, als er das Bewusstsein wiedererlangte. Und Johanna Höhl ergänzt: „Das Erste, was er sagte, war, dass er aufhört zu rauchen.“

Dieter Müller lebt jetzt gesünder, er schläft mehr. Er, der lange Jahre Präsident der Offenbacher Kickers war, tritt kürzer. Auf eines aber verzichtet er nicht: auf den Sport. Der Arzt hat ihm das Okay gegeben, nachdem er einen Herzschrittmacher und einen Defibrillator in die Brust eingepflanzt bekommen hat. „Er darf alles machen“, sagt Johanna Höhl. Er joggt. Und nun also spielt er wieder Fußball.

Beim Spiel der Allstars gegen eine KSV-Traditionsmannschaft hätte er am Samstag fast ein Tor erzielt. „Jaja, das habe ich immer noch drauf“, sagt er. Dass der Ball nach seinem Schuss knapp am Tor vorbeiging – was soll’s? Wichtig war nicht, wie er spielte, sondern: dass er spielte. Er hat es genossen, auch wenn er nachher zugab: „Ich war nervös. Die Angst spielt schon irgendwie immer mit.“ Johanna Höhl bestätigt das: „Man hält schon immer die Luft an und hofft, dass nichts passiert.“

Knapp 20 Jahre sind der frühere Torschützenkönig und die Geschäftsführerin einer Apfelwein-Kelterei aus Maintal schon glücklich verliebt, wie sie sagen. Sie erzählen ihre Geschichte so offen, weil sie Mut machen wollen – Mut dafür, dass es manchmal ein zweites Leben gibt, wenn in der Not schnell gehandelt wird. Bei aller Sorge genießen sie die Zeit. Denn, so Dieter Müller: „Es kann alles so schnell vorbei sein.“

Von Florian Hagemann

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