Nur Fischer trifft

Rasantes Spiel mit einem Makel: KSV Hessen verliert trotz vieler Chancen gegen Aalen 1:2

 Mike Feigenspan und Tim Paterok (links).
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Szene mit Symbolcharakter: Kassels Angreifer Mike Feigenspan hat die große Chance zur Führung, scheitert aber an Aalens Torhüter Tim Paterok.

Es war ein richtig gutes Spiel. Eines der besten, der rasantesten im Auestadion in dieser Saison der Fußball-Regionalliga Südwest.

Kassel – Es gab sehenswerte Angriffe, Torszenen in Hülle und Fülle. Die Auseinandersetzung war intensiv, bisweilen hitzig, die Stimmung auf den Rängen passend. Die ganze Sache hatte nur einen Makel: Der KSV Hessen Kassel verlor gegen den VfR Aalen mit Ex-Löwen-Trainer Uwe Wolf 1:2 (0:2). Der Hauptgrund: Die Gastgeber betrieben einmal mehr Chancenwucher.

Kein Wunder also, dass Trainer Tobias Damm später erklärte: „Ich bin zufrieden mit unserer Leistung, aber nicht mit dem Ergebnis. Die Chancen waren ja da. Aber wir müssen das besser zuende spielen.“ Richtig angefressen war auch Kapitän Frederic Brill: „Wir bieten offensiv das beste Spiel der Saison. Mehr Chancen kannst du dir kaum herausspielen, das war überragend auf diesem Acker.“ Aber? „Aber wir verpassen es einfach, den Ball auch ins Tor zu bekommen.“

Beispiele: Bereits nach etwas mehr als 60 Sekunden bediente Mike Feigenspan Nebenmann Daniel Vesco wunderbar, doch der Schweizer verzog. Brian Schwechel schickte Jon Mogge – doch der Querpass des Angreifers war zu ungenau. In der 13. Minute war Feigenspan durch, suchte wieder Vesco, aber wieder kam der Querpass nicht an. Und dann war Feigenspan selbst frei durch, zögerte aber zu lange und scheiterte an Aalens Torhüter Tim Paterok (23.). Es gab noch mehr solcher Szenen, aber es war zum Haareraufen. So viele gute Möglichkeiten in einer Halbzeit hatten die Fans im Auestadion lange nicht gesehen. Aber ein Tor sahen sie noch nicht,

Kein Wunder also, dass Brill enttäuscht feststellte: „Es zieht sich durch die Saison. Ich darf gar nicht daran denken, wo wir stehen könnten, wenn wir effektiver wären.“ Diese fehlende Effektivität ärgerte auch Damm, der seine Offensivkräfte ermahnte: „Das sind fünf, zehn Prozent, die da fehlen. Das müssen die Jungs sich im Training auch erarbeiten.“

Die Quittung jedenfalls kam. Durch ein Kopfball-Tor von Tim Schmidt, mit dem die bis dahin eher unauffälligen Gäste in der 35. Minute in Führung gingen. Und durch einen von Alessandro Abruscia in Panenka-Manier verwandelten Foulelfmeter (39.), der für viele Proteste und Diskussionen sorgte. Maurice Springfeld sollte sich aufgestützt haben. Entscheidender war aber, dass die Gastgeber zuvor ein Stürmerfoul gesehen hatten. „Ich war schon auf dem Weg nach vorn, weil ich überzeugt war: Das gibt Freistoß für uns“, sagte Brill. Damm stellte sarkastisch fest: „Elfmeter? Was für ein Elfmeter? Ich habe da keinen Elfmeter gesehen, den man pfeifen konnte, dafür aber ein klares Stürmerfoul.“

Der Frust über viele enge Entscheidungen, die Schiedsrichter Christoffer Reimund meist gegen die Löwen wertete, blieb auch nach dem Wechsel, den Torhüter Nicolas Gröteke mit einer Parade gegen Andreas Knipfer eröffnete. Das 0:3 wäre die Entscheidung gewesen. So versuchten die Löwen mit etwas Anlauf noch einmal alles für die Wende. Damm stellte auf Dreierkette um, wechselte Offensivkraft um Offensivkraft ein.

Die Hoffnung wuchs auch, als Marcel Fischer in der 67. Minute den Ball zum 1:2 über die Linie drückte. Vesco traf kurz darauf den Pfosten. Die letzte Chance zum Ausgleich verpasste in der Nachspielzeit Verteidiger Hendrik Starostzik, dessen Schuss auf der Linie geklärt wurde. Es blieb dabei: Der KSV lieferte ein starkes Spiel mit einem entscheidenden Manko: Es fehlte die Effektivität!

Rund um das Spiel

Und plötzlich war es voll in der Kurve

Die Rückkehr des Meistertrainers, ein Fanblock, der sich mit Verspätung füllte und Ehrungen zur Pause. Rund um das Spiel des KSV Hessen gegen Aalen:

Verzögert voll

Anfangs herrschte schon etwas Verwunderung. Während rund 50 Anhänger aus Aalen in der Gästekurve ordentlich in Stimmung waren, blieb es in der Nordkurve und dort vor allem im Block 30 merkwürdig still und leer. Allerdings nur bis zur 22. Minute. Dann wurde es plötzlich voll und laut. Eine stattliche Anzahl Anhänger marschierte mit Verspätung in den Block, darunter rund 90 des Zweitligisten Holstein Kiel. Beide Fanszenen pflegen eine enge Freundschaft. Weil die Zweite Liga pausierte, kamen die Norddeutschen nach Nordhessen. Zur Verzögerung war es offenbar gekommen, weil einige Kieler Fans kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurden, dann aber doch zum Spiel konnten.

Ausführlich erinnert

Mit Aalens Trainer Uwe Wolf und Geschäftsführer Guiseppe Lepore kehrten zwei ehemalige Löwen ins Auestadion zurück. Klar, dass vor allem Wolf sich über den Erfolg an alter Wirkungsstätte freute. Im Vorfeld hatte ein Video von der Pressekonferenz vor dem Spiel die Runde gemacht, in der Wolf sich ausführlich an seine Kasseler Zeit erinnerte. Wolf lobte den damaligen Hauptsponsor VW, die KSV-Fans, kritisierte die Aufstiegsspiele und verriet, dass er Ingmar Merle auf ein Bier am Freitagabend eingeladen habe. Neben dem Aalener Duo sah auch Mahir Saglik die Partie im Auestadion. Einen Strafraumstürmer seiner Prägung hätte sich der eine oder andere Zuschauer am Samstag wohl auf dem Platz gewünscht.

Gemeinsam geehrt

In der Pause wurden im Aue-stadion ehemalige KSV-Größen geehrt: Torhüter Hans Wulf sowie die Feldspieler Werner Haßenpflug und Rolf Fritzsche erhielten viel Beifall für ihr langjähriges Löwen-Engagement. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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