"Können keinen zwingen, zu bleiben"

Vertragsauflösung: Pinheiro geht aus privaten Gründen

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Kassel. Es hat sich angedeutet, am Donnerstagabend kam dann die Bestätigung: Ricky Pinheiro verlässt den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel – aus privaten Gründen, wie es heißt.

Der Verein kam dem Wunsch des 24-Jährigen nach und löste den an sich noch ein Jahr gültigen Vertrag auf. Sollte sich der Mittelfeldspieler einem neuen Klub anschließen, wird der KSV eine Ablösesumme kassieren, wie Vorstand Dirk Lassen sagte. Sein Kollege Jochen Gabriel ergänzte: „Im Endeffekt können wir keinen zwingen, hier zu bleiben.“

Mit Pinheiro geht einer der besten KSV-Fußballer der vergangenen Saison – und zugleich einer, der als durchaus schillernd durchgeht und nicht gerade als einfach im Umgang gilt.

Seine Geschichte der ungewöhnlichen Abgänge wird somit länger: Seinen Stammverein 1. FC Kaiserslautern verließ Pinheiro 2011 nicht unbedingt im Frieden, wie er selbst einmal sagte, ohne ins Detail zu gehen. Beim Südwest-Oberligisten Borussia Neunkirchen absolvierte er 2012 nur ein einziges Spiel. Der Vertrag dort – so ist es im Internet bei Wikipedia für jeden auf die Schnelle einsehbar – wurde aufgelöst, weil er die Mannschaftskabine verließ, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht in der ersten Elf steht. Und nun Kassel.

Dabei schien er hier sein neues fußballerisches Glück gefunden zu haben, was stark mit Trainer Uwe Wolf zu tun hatte. Der ehemalige Löwen-Coach stammt wie Pinheiro aus der Pfalz. Wolf wusste, welch guter Fußballer Pinheiro ist, betonte stets, dass Kaiserslautern selten einen talentierteren Spieler hatte als diesen Ricky, der in Kaiserslautern geboren wurde und dort von der Jugend bis zur ersten Mannschaft alle Teams durchlief.

Wolf wusste aber auch, wie er mit dem 24-Jährigen umgehen muss – und sorgte dafür, dass sich der Mittelfeldspieler in Kassel wohlfühlte. Er besorgte ihm gar einen Zweitjob bei seinem Stammitaliener. In dem Restaurant half Pinheiro ab und zu aus. Dass er zu Beginn seiner Zeit beim KSV bei Vorstand Jens Rose wohnte, half der Eingewöhnung. Schon nach wenigen Wochen machte Pinheiro, der seinen Vornamen auf dem Unterarm tätowiert hat, seiner Freundin vor dem Herkules einen Heiratsantrag.

Unter Wolf wurde Pinheiro schnell zu einem Schlüsselspieler beim KSV. Der Mann, dessen Eltern aus Portugal stammen, überzeugte. Von möglichen 38 Spielen in Meisterschaft und Aufstiegsrunde absolvierte er 37. Er schoss neun Tore, wurde eine Art Spieler der Saison – nicht verlegen in Interviews, beliebt bei den Fans.

Dann aber veränderten sich die Bedingungen. Mit Wolf verlor Pinheiro eine Bezugsperson beim KSV. Seine Verlobte blieb in Kaiserslautern und zog nicht – wie einst mal angekündigt – nach Kassel. Pinheiro wollte wieder zurück in die Heimat. KSV-Vorstand Lassen sagt, er habe das glaubhaft vorgebracht. Ob Pinheiro weiter Fußball spielt und mit anderen Klubs verhandelt, ist nicht bekannt. Er war bisher nicht zu erreichen.

Von Florian Hagemann

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