Seltener Hantavirus

Seltene Krankheit von KSV-Stürmer Schmeer: „Konnte keine 50 Meter laufen“

Jubelnd: Basti Schmeer

Kassel. Der Schock kam Anfang Mai: Im Heimspiel gegen Stuttgart hatte Sebastian Schmeer noch 75 Minuten auf dem Platz gestanden, konnte eine Niederlage seines KSV Hessen aber auch nicht verhindern.

Bereits während der Partie merkte der Stürmer, dass etwas nicht stimmt. Er fühlte sich schlapp, müde. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand. 

„Wir haben abends nach dem Spiel noch Kathrin Rommel (Ex-Mitarbeiterin der KSV-Geschäftsstelle) verabschiedet. Da habe ich schon in der Kabine geschlafen, weil ich so kaputt war“, erinnert sich Schmeer. Er dachte zunächst an eine Grippe. Wenige Tage später trat aber keine Besserung ein. Im Gegenteil: Es wurde schlimmer. Schmeer, der im Schwalm-Eder-Kreis lebt, rief seine Mutter an, wurde dann mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus in Ziegenhain gebracht. „Eigentlich bin ich nicht der Typ, der so reagiert. Aber ich habe den Kopf nicht mehr hochbekommen“, sagt er.

Kurz darauf wird er nach Marburg verlegt. Intensivstation. Die Ärzte finden keine Ursache. Was sie aber wissen: Seine Nieren arbeiten nicht mehr. „Wenn ich einen Tag später ins Krankenhaus gegangen wäre, hätte es sein können, dass es zu spät für die Niere gewesen wäre“, sagt Schmeer. Die Folgen wären katastrophal. Dialyse. Warten auf einen Spender. Ende der Fußballer-Karriere.

„Das war ein Schock, weil wir im Endeffekt überhaupt nicht wussten, was jetzt passiert“, sagt Trainer Tobias Cramer heute. „Das war für uns sehr bewegend. Es ging bei ihm Schlag auf Schlag.“

Die Ärzte waren kurz davor, Schmeer ein Stück der Niere zu entnehmen, um so eine Ursache feststellen zu können. „Es war kurz davor, der dritte oder vierte Tag, den ich im Krankenhaus war. Dann kam aber der Chefarzt zu mir und hat gesagt, sie wüssten nun, was es ist“, sagt der 30-Jährige. Diagnose: Hantavirus (siehe Hintergrund).

So konnte Schmeer nach einer Woche das Krankenhaus verlassen. Allerdings könne es vier bis fünf Monate dauern, ehe er wieder fit sei, sagten ihm die Ärzte. Umso überraschender kam es, dass Schmeer im zweiten Testspiel der Saisonvorbereitung gegen den Hünfelder SV wieder auf dem Platz stand.

Dazwischen aber Ernüchterung: „Als ich wieder nach Hause gekommen bin, konnte ich keine 50 Meter laufen. Dann war ich platt“, sagt Schmeer. Zweimal die Woche musste er nach Kassel zur Untersuchung.

Das änderte sich dann aber schnell. „Bei mir ist der Heilungsprozess optimal verlaufen. Nicht einmal acht Wochen musste ich pausieren und konnte die komplette Vorbereitung mitmachen“, ist Schmeer froh. Und nicht nur er freut sich, natürlich auch die Mannschaft und der Trainer.

Und so könnte beim ersten Saisonspiel im Auestadion gegen Mannheim der neue Sebastian-Angriff auflaufen: Neuzugang Szimayer – und eben Schmeer.

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