1. Startseite
  2. Sport
  3. KSV Hessen Kassel

Sind der KSV Hessen und der KSV Baunatal im Jugendfußball bald gemeinsam am Start?

Erstellt:

Von: Frank Ziemke, Maximilian Bülau

Kommentare

Duell mit den Bayern: Fabrizio Di Giglio (rechts) aus der A-Jugend des KSV Hessen. 
Duell mit den Bayern: Fabrizio Di Giglio (rechts) aus der A-Jugend des KSV Hessen.  © Dieter Schachtschneider

Kassel/Baunatal – Die A-Jugend des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel spielt in dieser Saison in der Bundesliga. Die C-Jugend des Hessenligisten KSV Baunatal ist in der Regionalliga Süd aktiv. Für beide Vereine bedeutet das: Sie haben Nachwuchsmannschaften in der höchsten Spielklasse ihrer Altersstufe. Was sie aber auch gemein haben: Beide Jugendteams stehen derzeit auf dem letzten Tabellenplatz, werden in der kommenden Saison wohl wieder eine Liga tiefer kicken.

Die Situation zeigt: In der Region sind viele gute junge Spieler aktiv, die Konstanz auf einem Niveau fehlt aber. Einige Akteure wandern ab in Nachwuchsleistungszentren (NLZ) anderer Klubs. Zudem teilen sich die größten Talente auf mehrere Vereine der Region auf.

Das soll sich in Zukunft ändern. Nach Informationen dieser Zeitung sitzen Verantwortliche des KSV Hessen sowie des KSV Baunatal schon seit einigen Monaten zusammen, um ein Konzept auszuarbeiten, das eine Kooperation beider Vereine in der Jugend vorsieht. Möglich macht das demnach auch Sponsor Volkswagen. Der Konzern soll bereit sein, Geld zu investieren, um die Kraft der Fußball-Jugend in der Region zu bündeln.

Duell mit dem SC Freiburg: Hossein Haydari (rechts) aus der C-Jugend des KSV Baunatal.
Duell mit dem SC Freiburg: Hossein Haydari (rechts) aus der C-Jugend des KSV Baunatal. © Pia Malmus

„Dass wir die Zusammenarbeit in der Jugend optimieren wollen und müssen, steht fest“, sagt Steffen Friedrich, Teammanager des KSV Hessen und seitens des Klubs verantwortlich für das Projekt. Friedrich skizziert die vergangenen Monate: „Volkswagen ist im Herbst auf uns zugekommen. Die Grundidee war, den Jugendfußball für Nordhessen zu fördern.“ Es habe Vorgespräche zwischen VW, dem KSV Baunatal und dem KSV Hessen gegeben. Alle seien sich einig gewesen: Das ist der richtige Schritt. Anschließend sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die sich regelmäßig getroffen habe, so Friedrich, der betont: „Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen.“

Klar ist: Die beiden Vereine sind sich einig darüber, dass eine Kooperation nützlich wäre. Nun gilt es wohl vor allem, juristische Fragen zu klären. Denn: Einen KSV Hessen soll es in Zukunft ebenso geben wie einen KSV Baunatal. „Es wird gerade ein juristisches Gutachten erstellt, um die Frage zu klären, wie diese Schritte laufen können“, sagt Friedrich. Denkbar sei demnach ein JFV (Jugendförderverein), in dem Kinder und Jugendliche mit einem Zweitspielrecht ausgestattet werden, aber weiterhin ihrem Stammverein angehören. „Wie das Ganze heißen soll, so weit sind wir noch nicht“, sagt Friedrich.

Denkbar sei auch, dass ab dem Sommer ein Pilotprojekt laufe, ab 2023 dann die Kooperation gestartet werde. Aus beiden Jugendabteilungen sollen die besten Kinder und Jugendlichen gemeinsam Fußball spielen. „Die Region soll profitieren, in der Leistungsspitze und in der Breite“, sagt der 27 Jahre alte Friedrich. Ziel sei es so, U15 bis U19 in den jeweils höchsten Ligen zu etablieren. Der Umkreis der Zielspieler könnte auf 50 Kilometer ausgeweitet werden. Und natürlich sollen Talente so in der Region gehalten werden und nicht in NLZs nach Jena oder Halle abwandern, wie in der Vergangenheit häufig vorgekommen.

Ob das ganze Projekt umgesetzt werden kann, hängt an vielen Faktoren. Die rechtliche Situation ist die Grundlage, an der aktuell gearbeitet und die geprüft wird. Mit Volkswagen sei ein starker und sportaffiner Partner Teil des Projekts, allerdings werde für die Umsetzung die gesamte Wirtschaftsregion Nordhessen benötigt, sagt Friedrich. Denn klar ist: Ohne finanzstarke Unterstützer bleibt das alles ein schöner Traum.

Ein Verein allein wird keinen der Schritte gehen können. Für eine Umsetzung dieses Projektes sind Expertise, Ressourcen, Infrastruktur und Personal beider notwendig. Doch die Bereitschaft ist da – und damit mehr als in der Vergangenheit, in der eine solche Kooperation schon mehrfach angedacht wurde. „Wir müssen die ersten Schritte gut vorbereiten, um die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Friedrich. Denn: Der große Schritt zurück würde beiden Vereinen sehr wehtun. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

Das sagt der KSV Baunatal

„Wir sind uns grundsätzlich einig, dass das der richtige Weg ist“, sagt German Jaeschke, Abteilungsleiter Fußball beim KSV Baunatal. „Es gilt nun, die rechtlichen Fragen zu klären, die Vereinbarkeit der beiden Satzungen zu prüfen. Das Ganze wurde von Volkswagen angestoßen, also ist am Ende auch das Go von VW nötig. Die Besonderheit sind die beiden Vereine. Im Normalfall ist es ein Verein, das ist dann einfach. Zwei Vereine zusammen machen es juristisch kompliziert. Der KSV Hessen und der KSV Baunatal stellen die besten Teams bei den Senioren und in der Jugend. Trotzdem verlassen uns die besten Spieler – und nicht immer in die besten NLZs. Wenn wir die besten Spieler halten können, müssen wir auch nicht bei anderen Vereinen schauen. Die Region wird so gestärkt.“

Das sagt der KSV Hessen

„Wir haben schon häufiger interne Anläufe unternommen, um einen solchen Schritt zu gehen“, sagt Jens Rose, Vorstandsmitglied des KSV Hessen Kassel. „Aber allein können wir das nicht hinbekommen. Insofern war es wichtig, dass sich VW positioniert hat. VW hat starken Einfluss auf beide Vereine. Nun hat es in dieser Angelegenheit geruckt. Wir haben in der Region etwa 50 Auswahlspieler beim DFB. Da sieht man, wie groß das Potenzial ist. Der Vorstoß ist klasse und wird hoffentlich von Erfolg gekrönt. Allein sind wir wirtschaftlich zu schwach. Wir hoffen, dass wir so unsere Mannschaften mal in den höchsten Jugendspielklassen halten können. Keiner der beiden Klubs soll dabei seine Identität verlieren. Es bringt den Fußball in der Region nach vorn.“ 

Das sagt VW

„Wir sind seit vielen Jahren Partner und Förderer der Nachwuchsarbeit des KSV Hessen Kassel und des KSV Baunatal. Mit der Initiative, ein regionales Nachwuchsleistungszentrum aufzubauen, gehen wir einen Schritt über unser bisheriges Engagement hinaus“, sagt Heiko Hillwig, Leiter Kommunikation des VW-Werkes Kassel. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, das vielversprechende Nachwuchsspieler aus der Region Nordhessen eine Perspektive haben, um in ihrer Heimat leistungsorientierten Fußball spielen zu können. Dafür wollen wir die erfolgreichen Vereine in der Region zusammenbringen und gemeinsam mit ihnen eine professionelle Nachwuchsförderung etablieren. Wir stehen am Anfang dieses großen Vorhabens und sind zunächst froh darüber, dass für beide eine Kooperation im Jugendfußball vorstellbar ist. Aktuell lassen wir die Rahmenbedingungen für ein Förderkonstrukt prüfen. Uns ist wichtig, dass jeder Verein seine Selbstständigkeit bewahrt, seinen erfolgreichen Weg weitergeht und die Jugendarbeit um die dann möglichen professionellen Strukturen eines Nachwuchszentrums anreichert.“

Auch interessant

Kommentare