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Analyse der aktuellen Situation des KSV Hessen ohne Sportliche Leitung: So unruhig wie lange nicht

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Von: Maximilian Bülau

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Ein Sturm zieht auf.
Es braut sich etwas zusammen: Auch beim KSV Hessen? © Imago/Fotostand

Unruhige Zeiten haben lange zum Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel gehört. Doch nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens 2018 und der folgenden Neuausrichtung war es ruhig geworden.

Kassel – Und ist es eigentlich bis heute. Doch wer die Nachrichten rund um den Klub in den vergangenen Tagen verfolgt hat, könnte zu dem Schluss kommen, dass sich mal wieder etwas zusammenbraut. Nicht aus finanzieller Sicht. Was das angeht, wird nun seit einigen Jahren nicht nur seriös gewirtschaftet, sondern auch transparent gearbeitet. Doch die Löwen stecken in einem Dilemma. Einerseits war die vergangene Saison die sportlich beste seit langer Zeit. Andererseits haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht geändert. Doch die Erwartungshaltung steigt – und das nicht unbedingt von außen. Die Verantwortlichen formulieren ambitionierte Ziele. Dafür soll und muss der Kader sukzessive verstärkt werden. Doch gerade in dieser Hinsicht klemmt es.

Gründe dafür, dass die gewünschten Neuzugänge bislang noch nicht verpflichtet wurden, kommen in diesen Tagen Stück für Stück ans Licht. Es scheint intern keine Einigkeit zu geben, wie das Anforderungsprofil an diese Neuen tatsächlich aussehen soll. Es haben sich zwei Lager gebildet. Personelle Konsequenzen hat es gegeben.

So bat der Sportliche Leiter Jörg Müller zuletzt um die Auflösung seines Vertrages, den er erst im April um zwei Jahre verlängert hatte. Gründe dafür nannte der Verein nicht, Müller schon. Er deutete an, dass in seinen Aufgaben- und Entscheidungsbereich hineingeredet wurde. Heißt: Er hatte nicht mehr das Vertrauen der Vereinsspitze. Das wiederum hängt wohl auch mit dem Abgang des Teammanagers Steffen Friedrich zusammen. Friedrich, der nun für die Berateragentur „projekt b“ tätig ist, ist gut vernetzt, hatte volle Rückendeckung. Die Löwen haben wohl einiges versucht, um ihn zu halten. Bei Müller ist das Gegenteil der Fall. Einen ersten Bruch hatte es schon im vergangenen Jahr gegeben, als nach vielen Abgängen erst sehr spät neue Spieler präsentiert wurden. Sportlich und menschlich haben diese dennoch ins Gefüge gepasst, brachten Erfolg.

Dass Trainer Tobias Damm rund zwei Wochen nach Trainingsstart noch auf einen Angreifer und einen Akteur für die linke Bahn wartet – obwohl er diese gern schon zu Beginn dabei gehabt hätte – ist ein hausgemachtes Problem. Denn das Grundgerüst des Kaders stand dieses Mal sehr früh – und bis auf Moritz Flotho wurden alle gehalten.

Und damit zurück zum Anforderungsprofil möglicher Neuzugänge. Da gibt es zwei Ideen: Erfahrene Fußballer zu holen, deren Name vielleicht bekannt ist. Oder den Weg mit jungen, entwicklungsfähigen Akteuren fortzusetzen. Ein Faktor dabei ist auch das Zuschauerinteresse. Die Zahlen entsprechen nicht den Vorstellungen. Große Namen könnten für Interesse sorgen – können aber zugleich eine Gefahr sein.

Denn solange sich die finanzielle Situation des Klubs nicht ändert, ist es unvernünftig, die Philosophie ändern zu wollen, Brüche in der Mannschaft durch ein Gehaltsgefälle zu riskieren. Was Neuzugänge angeht, sollte ohnehin am wichtigsten sein, dass diese ins System und zur Mannschaft passen. Ohne Sportliche Leitung muss der Trainer da mehr Mitspracherecht haben.

Der KSV ist dabei, sich etwas aufzubauen, das aber noch auf wackeligen Füßen steht. Wenn die ambitionierten Ziele wirklich realistisch werden sollen, dann muss es eine einheitliche Linie geben, dann muss kommuniziert werden. Sonst werden die unruhigen Zeiten wieder zur Gewohnheit. (Maximilian Bülau)

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