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Warum Fangruppen des KSV Hessen Stimmung verweigerten, und warum es jetzt besser wird

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Von: Frank Ziemke, Maximilian Bülau

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Beim Rekordspiel zwischen dem KSV Hessen und dem KSV Baunatal 2019.
So viele waren 2019 da: die Zuschauerzahl am Tag des Rekordspiels zwischen dem KSV Hessen und dem KSV Baunatal. © Christian Hedler

Nach dem Heimspiel des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel am 20. März gegen Hoffenheim II (0:0) platzte es aus Trainer Tobias Damm heraus.

Kassel – Er forderte, dass beim nächsten Heimspiel gegen die Reserve des FSV Mainz 05 alle ins Stadion kommen, denen der Sport und dieser Verein am Herzen liegt. Das habe sich die Mannschaft verdient. Die Zuschauer seien an der Reihe, etwas zurückzugeben.

Auch wenn er wüsste, dass hinter allen schwierige zwei Jahre liegen. Schwierige zwei Jahre, nach denen nun, was die Pandemie-Regeln angeht, aber Erleichterung in Sicht ist.

Morgen, beim Heimspiel gegen Mainz 05 II, hofft Damm also auf ein Signal, wünscht sich eine gute Kulisse im Auestadion. Auf eins kann er sich schon mal freuen: Die Nordkurve wird nach dem Wegfall aller Auflagen endlich voller.

Zu den schwachen Zuschauerzahlen gesellte sich ja zuletzt die triste Atmosphäre, verursacht vor allem durch das Fernbleiben der Fangruppierungen. Wobei das nur für den Fanblock selbst gilt. Das erklärt Aufsichtsratmitglied Florian Beisheim, selbst aktives Mitglied der Szene: „Sehr viele Fans sind trotzdem immer im Stadion. Die meisten haben ohnehin Dauerkarten, sodass dem Verein auch keine Einnahmen entgehen.“

Der Boykott ist also in erster Linie ein Stimmungsboykott. Einer, der zusammenhängt mit Maskenpflicht, 2G-Regelung, Auflagen für die Kurve. Was auf den ersten Blick nach Kritik an Corona-Auflagen klingt, ist so nicht gemeint. „Die Szene ist solidarisch gegenüber der Gesellschaft. Die Ultras sind auch nahezu vollständig geimpft“, sagt Beisheim, erinnert zum Beispiel an die Plakataktion zur Unterstützung der Pflegekräfte. Worum geht es den Ultras dann?

Um das Gefühl von Gemeinschaft. Beziehungsweise den Verlust derselben. „Unter den Auflagen war den Fans der Support, das Anfeuern nicht so möglich, wie sie das kennen. Keine Umarmungen, kein gemeinsamer Jubel. Das Fansein, so wie es die Ultras kennen, war nicht möglich.“ Deshalb also hieß es: keine lautstarke Unterstützung der Löwen im Stadion. Es war dabei offenbar nicht so, dass die Fanszene geschlossen hinter dieser Entscheidung stand. Sie wurde aber gemeinsam getragen. Motto: Alle oder keiner!

Immerhin begleiteten Fangruppen die Löwen zu Auswärtsspielen. So jüngst in Homburg, wo die Unterstützung aus einem Wald nahe dem Stadion kam. So wie in Offenbach, wo es auch ins Stadion ging. Nach dem Derbysieg wurde die Mannschaft zudem bei ihrer Rückkehr am Vereinsheim gefeiert.

Gegen Mainz endet die Abwesenheit. Endlich. „Am Mittwoch geht es richtig los“, sagt Beisheim. Der sich einen Aufschwung auf den Rängen nicht nur für die Fanszene wünscht, sondern vor allem auch für den Verein und die Mannschaft. Denn: „Der Verein und die Mannschaft werden so gut und so seriös geführt wie lange nicht. Für den KSV gilt derzeit: Wir machen aus wenig sehr, sehr viel. Das verdient Unterstützung!“

Trainer Damm wollte zu seinen Äußerungen nach dem Hoffenheim-Spiel gestern gar nicht mehr viel sagen. „Die Menschen sollen nicht kommen, weil ich was gesagt habe. Sie sollen die Leistung der Jungs honorieren“, betonte er. Es ginge ihm nicht um 3000, 4000, 5000 Zuschauer. „Schön wäre es, wenn eine „2“ vorne steht“, sagt er. Klar, so viele Zuschauer wie beispielsweise beim Rekordspiel 2019 gegen Baunatal, als 15 500 Zuschauer ins Auestadion kamen, müssen es ja gar nicht sein. Das wäre Utopie. Aber mehr als die – im Bestfall – 1500 zuletzt sollten es sein. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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