Am Samstag in Frankfurt

Spektakel von der Bank: Merle und Schwechel drehen die Partie für KSV Hessen gegen Stuttgart II

Jon Mogge.
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Torschütze in Aktion: Kassels Jon Mogge (rechts, gegen einen Stuttgarter Verteidiger).

Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter ließ in seiner Instagram-Story verlauten: „Geht doch ... Die 4. Liga hat mich.“ Dazu postete er ein Bild der Anzeigetafel im Kasseler Auestadion.

Kassel – 3:2 für den KSV Hessen Kassel gegen die Reserve des VfB Stuttgart war da zu lesen. Heinevetter hatte sich die Partie in der Fußball-Regionalliga Südwest mit seinem Mannschaftskollegen Timo Kastening von der MT Melsungen angeschaut.

Und auch die beiden Handball-Profis hielt es am Ende nicht mehr auf ihren Sitzen. Durch einen Kraftakt kämpften sich die Löwen gegen die Schwaben nach Rückständen zweimal zurück – und erzielten mit der letzten Aktion noch den Siegtreffer zum 3:2 (1:1).

Gefeiert wurde am Ende einer, der das nicht so häufig erlebt: Brian Schwechel. Der 23-Jährige ist in seiner Funktion als defensiver Mittelfeldspieler eher selten fürs Toreschießen verantwortlich. Doch am Mittwochabend, da bekam er kurz vor dem Abpfiff vom starken Jon Mogge den Ball zurückgelegt, er zog im Strafraum ab – und mit etwas Glück trudelte der Ball ins Netz. 3:2! Nach 0:1 und 1:2. Wahnsinn in der Nachspielzeit. Für Schwechel und seine Kollegen ging es sofort in die Kurve. Zu den Fans. Dass Schiedsrichter Tom Bauer aus Mainz direkt nach diesem Tor die Partie beendete, bekamen sie alle zunächst gar nicht mit. „Ich dachte erst, es wäre nun mal Zeit, zurück zum Mittelkreis zu laufen. Da habe ich dann gemerkt, dass er abgepfiffen hat“, sagte ein glücklicher Schwechel. So ein wichtiges Tor zu diesem Zeitpunkt habe er noch nie erzielt, fügte er an. Weil es für den KSV bereits morgen mit dem Hessenderby in Frankfurt weitergeht (14 Uhr), sei die Feier in der Kabine anschließend aber nicht so wild ausgefallen, berichtet der 23-Jährige einen Tag nach dem ersten Saisonsieg. Er habe sich aber eine Auszeit vom Schreiben der Bachelor-Arbeit gegönnt.

Schwechel war in der 86. Minute erst eingewechselt worden. Ein anderer, der erheblichen Anteil an diesem Erfolg hatte, saß zunächst ebenfalls auf der Bank: Ingmar Merle. Doch der 31-Jährige musste nicht lange darauf warten, das Trikot überzustreifen. Weil sich Alexander Mißbach schon früh verletzte und nicht mehr weitermachen konnte, kam Merle. KSV-Trainer Tobias Damm sagte hinterher, dass Mißbach Probleme mit dem schon einmal gebrochenen Mittelfuß gehabt habe.

Merle war gleich mittendrin. Erst musste er mitansehen, wie Alou Kuol das 1:0 für die Stuttgarter erzielte. Dann leitete er mit einer Bilderbuchgrätsche einen Bilderbuchangriff ein, an dessen Ende Jon Mogge den Ausgleich erzielte. Und nachdem der VfB in einer Drangphase des KSV erneut per Kopfball von Jakov Suver nach einer Ecke in Führung gegangen war, übernahm Merle Verantwortung. Er schnappte sich den Ball, als es in der 87. Minute Elfmeter für die Löwen gab, und verwandelte sicher.

„Es war ein offener Fight. Jeder bei uns weiß, dass ich diese Mentalität habe. Ich glaube, dass ich mit meiner Einstellung den jungen Spielern guttue“, sagte Merle. „Ich bin kritisch optimistisch. Das, was hier passiert ist, müssen wir mitnehmen. Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen“, fügte er an.

Trainer Damm sagte auf dem Weg in Richtung Kabine kurz danach: „Ich muss jetzt erst mal ein Bier trinken.“ Mit diesem Gedanken war er nach diesen 90 Minuten sicher nicht allein. Ebenso wenig wie mit seiner Meinung, dass die Einwechselspieler dieser Partie wichtige Impulse gegeben haben. Erst Merle – und dann Schwechel. (Maximilian Bülau)

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