Testspiel gegen Löwen: HSV-Trainer Labbadia freut sich auf Kassel

Gastiert nächste Woche Freitag mit dem Hamburger SV in Kassel: Trainer Bruno Labbadia. Foto: dpa

Bruno Labbadia, Trainer des Hamburger SV, gastiert mit seiner Mannschaft nächsten Freitag in Kassel. Im Interview spircht der 49-Jährige über Heimat, Emotionen und den KSV Hessen.

Als Trainer Bruno Labbadia sechs Spieltage vor dem Ende der Saison den Hamburger SV übernahm, war der Dino der Fußball-Bundesliga am Ende: Letzter, es gab kaum mehr Hoffnung. Dann aber gelang Labbadia mit seinem Team der Klassenerhalt in letzter Minute über den Umweg der Relegation. Nun bereitet sich der HSV auf die nächste Saison vor. Am kommenden Freitag bestreiten die Hanseaten ein Testspiel beim Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Anpfiff im Auestadion ist um 18.30 Uhr.

Im Interview spricht Bruno Labbadia auch über seine Erfahrung mit den Löwen.

Herr Labbadia, Sie haben als Spieler und Trainer elf Profistationen durchlaufen. Empfinden Sie noch so etwas wie Heimat? 

Labbadia: Absolut, und zwar unter anderem hier in Hamburg. Beim HSV und in Hamburg war ich bereits als junger Spieler, hier wurde damals meine Tochter geboren, später bin ich als Trainer zurückgekehrt, und anschließend haben wir in Hamburg unseren Lebensmittelpunkt gefunden. Dass ich nun wieder als Trainer beim HSV bin und arbeite, schließt den Kreis, ohne dass ich darüber meine hessische Heimat vergesse.

Sie haben schon so viel erlebt als Fußballer. Trotzdem: War der Klassenerhalt mit dem HSV die schwierigste und emotionalste Aufgabe Ihrer Laufbahn? 

Labbadia: Das kann man so sagen. Es war eine unglaublich intensive Zeit. Ich war vom ersten Tag an in einem Tunnel, wir haben extrem hart mit und an der Mannschaft gearbeitet - und haben unseren Tunnel erst nach dem Relegationsrückspiel in Karlsruhe verlassen. Diese sechs Wochen haben sich angefühlt wie eine ganze Saison. Dass dann, nachdem wir es trotz anfangs aussichtsloser Position tatsächlich geschafft hatten, die Emotionen durchbrachen, das ist sicher jedem verständlich.

Wie verarbeitet man solch einen Last-Minute-Klassenerhalt und eine solche Achterbahnfahrt der Gefühle? 

Labbadia: Wenn das Ende positiv ausfällt, dann wird eine solche Zeit natürlich einfacher und schneller verarbeitet. Dennoch: Das Erlebte muss raus. Das passiert in dem Moment des Geschehens in meinem Fall durch das Herauslassen der Emotionen, im zweiten Schritt folgt dann die ruhige Aufarbeitung. Ich habe meinem Kopf hierfür ein paar Tage Ruhe verordnet. Ziemlich schnell habe ich mich mit meinem Trainerteam dann aber schon wieder der neuen Saison gewidmet, und ich freue mich schon jetzt sehr auf die kommenden Aufgaben.

Inwieweit gibt die Dramaturgie des Klassenerhalts Rückenwind für die kommende Saison? 

Labbadia: Wir haben als Mannschaft ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das in vielen Situationen noch zusätzliche große Kräfte freigesetzt hat. Dieses Wissen und diese Erfahrung nehmen wir mit in die neue Saison. Die Jungs sind im Endspurt extrem zusammengerückt und haben füreinander alles gegeben - das muss in der neuen Saison vom ersten Spieltag an so sein und so weitergehen, dann verbessern wir uns als Gruppe.

Was macht Sie sicher, dass es Ihnen beim Hamburger SV nicht so ergeht wie vielen Ihrer Vorgänger, die recht schnell wieder entlassen worden sind und mitunter der Unruhe im Verein zum Opfer gefallen sind? 

Labbadia: Ich gucke nicht auf das, was einmal war. Ich schaue nur auf das, was ist - und auf das, was ich beeinflussen kann. Ich spüre, dass wir hier im Verein wirklich alle die gleiche sportliche Idee verfolgen, dass wir gemeinschaftlich unsere Ziele angehen. Ich spüre nur Mit- und kein Gegeneinander.

Der HSV absolviert nun ein Freundschaftsspiel gegen den KSV Hessen Kassel. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Kasseler Auestadion - beispielsweise mit dem SV Darmstadt 98? 

Labbadia: Ich denke in Bezug auf Hessen Kassel insbesondere an die Saison 2003/04, als sich Darmstadt und Kassel ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg lieferten. Es war meine erste Trainerstation, am Ende wurden wir mit Darmstadt 98 Erster, Kassel knapp hinter uns Zweiter. Ich habe diese Zeit nicht vergessen und freue mich darauf, endlich mal wieder zurückzukehren.

Zur Person Bruno Labbadia (49):

• geboren am 8. Februar 1966 in Darmstadt als Sohn italienischer Gastarbeiter, verheiratet, ein Sohn und eine Tochter

• Stationen als Aktiver: Darmstadt , HSV, Kaiserslautern , Bayern, Köln, Bremen, Bielefeld, Karlsruhe

• 103 Tore in 328 Bundesligaspielen, 2 Länderspiele

• Stationen als Trainer: Darmstadt, Greuther Fürth, Bayer Leverkusen, Hamburg, Stuttgart, aktuell HSV

• Erfolge als Aktiver: Deutscher Meister (Kaiserslautern 1991, Bayern 1994), DFB-Pokal-Sieger (Kaiserslautern 1990)

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