Torschütze mit der nötigen Arroganz

Sylvano Comvalius macht die Löwen glücklich

Schuss ins Glück: KSV-Spieler Sylvano Comvalius zirkelt den Ball ins Tor der Wormser. Fotos: Eibner

Ludwigshafen. Bis zur 81. Minute war die Geschichte dieses Spiels in der Fußball-Regionalliga zwischen Wormatia Worms und dem KSV Hessen Kassel eine Geschichte der vergebenen Möglichkeiten.

Die als Tabellenführer angetretenen Löwen bestimmten die Partie, sie vergaben aber auch eine Reihe hochkarätiger Chancen. Und so stand es bis zur 81. Minute im Ludwigshafener Südweststadion 0:0 – und nicht viel deutete darauf hin, dass sich dieser Spielstand noch ändern würde.

Dann kam die 81. Minute – und die Geschichte dieser Begegnung ist keine Nullachtfünfzehngeschichte mehr über den Ärger verpassten Gelegenheiten, sondern es ist die außergewöhnliche Geschichte über Sylvano Comvalius – die außergewöhnliche Geschichte des Mannes, der das Siegtor erzielte, das den KSV an der Spitze der Liga hält.

Sylvano Comvalius, Neuzugang aus Dresden, sitzt an diesem Tag zunächst wieder nur auf der Bank. Nach einer Kniereizung ist er noch kein Mann für 90 Minuten. Er ist ein Option für die zweite Halbzeit. KSV-Trainer Matthias Mink hat schon zweimal ausgewechselt, als er Sylvano Comvalius zu sich ruft. 80 Minuten sind da gespielt. Comvalius also bereitet sich auf seinen Einsatz vor, als auf dem Platz ein Pfiff ertönt. Freistoß für den KSV, 20 Meter vor dem Wormser Tor. Jetzt kommt Dynamik in die Auswechslung, die normalerweise in einer Minute vorgenommen werden sollte.

Comvalius sagt zu Mink: „Lass mich rein. Ich mach ihn rein.“ Mink handelt umgehend, deutet dem Linienrichter an, noch vor der Ausführung des Freistoßes wechseln zu wollen, alles nimmt seinen Lauf. Mink sagt zu Comvalius: „Dann mach ihn rein.“

Shqipon Bektashi geht vom Platz, Comvalius läuft auf das Feld – direkt zum Ball, den KSV-Kapitän Tobias Becker zurechtgelegt hat. Comvalius signalisiert Becker, dass er schießen werde. „Er hat gesagt, das sei mit dem Trainer abgesprochen“, berichtet Becker später. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Da wusste ich aber, dass es nicht stimmt.“ In der Tat, das bestätigt auch Mink nachher, gab es keine Anweisung, wer letztlich den Freistoß ausführen soll. Aber Comvalius ist sich sicher: Er wird schießen.

Der Schiedsrichter pfeift, Becker tippt den Ball kurz an, Comvalius schießt. Sein erster Ballkontakt in diesem Spiel, der Ball fliegt durch die Mauer hindurch, er ist gut getroffen. Er senkt sich, er schlägt im unteren Eck des Tores ein. Der perfekte Schuss. 1:0 – Jubel, Comvalius dreht nach seinem ersten Pflichtspieltor für die Löwen ab, läuft Richtung Bank, Richtung Trainer.

Nachher sagt Comvalius: „Ich bin schon mit Arroganz an die Sache heran.“ Er betont aber auch: „Vielleicht hat das Spiel diese Arroganz gebraucht.“ Zuvor spielte der KSV zwar erneut sehr ansehnlich, vor dem Tor fehlte aber die Kaltschnäuzigkeit – und womöglich die absolute Überzeugung, die Comvalius schließlich demonstrierte.

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