Aus der Serie "Schöne Spiele" 

Torsten Schönewolf erinnert sich an den KSV-Aufstieg 2006: „An dem Tag hat alles gepasst“

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Kasseler Jubel: Thorsten Schönewolf (Zweiter von links) feiert mit seinen Teamkollegen Julio Cesar (von links), Dominik Suslik, Mirko Bintzer, Physiotherapeut Sascha Seifert sowie Daniel Beyer (am Boden) und Torschütze Thorsten Bauer (liegend). 

Keine Spiele nirgendwo. Was kann da schöner sein, als zurückzublicken? Auf schöne Spiele im Fußball, im Handball und Eishockey. Unsere Autoren tun das in diesen Wochen, einige auch in persönlichen Erinnerungen.

Er hatte schlechte Sicht auf die Situation. Als Abwehrmann war er zu weit weg vom Angriffsgeschehen. „Es standen einige Spieler im Blickfeld“, erinnert sich Löwen-Verteidiger Thorsten Schönewolf. „Erst als ich den Jubel in unserer Kurve sah, war klar, was passiert ist.“ Tor nach Sololauf von Thorsten Bauer. Tor für den KSV Hessen Kassel. Tor für die Löwen im Aufstiegsendspiel der Fußball-Oberliga beim FSV Frankfurt.

„Im ersten Moment beschlich mich das ungute Gefühl, dass der Treffer vielleicht ein bisschen zu früh gefallen ist“, sagt Schönewolf rückblickend. Klar, es waren erst 48 Minuten am Bornheimer Hang gespielt. Die Frankfurter hatten also noch fast eine Hälfte Zeit, auszugleichen und sich die Tabellenführung zurückzuholen. Nur bei einem Sieg konnte der KSV Platz eins behaupten und aufsteigen. Es wurde ein Zitterspiel.

„Wir hatten bei einigen Frankfurter Chancen Glück“, räumt Schönewolf ein. Er selbst als Abwehrrecke und auch der damalige Schlussmann Oliver Adler standen wiederholt im Blickpunkt. Zumal sich ihre Vorderleute kaum noch Möglichkeiten erarbeiteten – abgesehen von „ein, zwei Kontern von Julio Cesar und Marc Arnold“.

Um 17.07 Uhr am Himmelfahrtstag 2006 ertönte der erlösende Abpfiff. 1:0 gegen den direkten Konkurrenten gewonnen. „Das war für mich der emotionalste Moment, es gab auf dem Platz unbeschreibliche Szenen“, erklärt Schönewolf. Für die Mannschaft von Coach Matthias Hamann war es der Start in eine rauschende Party. „Die Rückfahrt im Zug, der Empfang am Bahnhof in Kassel, der Mallorca-Abschluss – aus einem Feiertag wurde eine Feierwoche“, betont der mittlerweile 47-jährige Schönewolf. Sein rotes Aufstiegs-Shirt liegt bis heute sicher in einer Kiste verstaut.

Das Spiel schaute sich Schönewolf danach nicht noch einmal komplett an. „Aber die Nachspielzeit“, sagt er schmunzelnd, „habe ich mir in den Wochen danach mindestens noch 10 bis 15 Mal angesehen. Da haben sich bei mir jedes Mal erneut alle Haare aufgestellt.“ Kein Wunder, denn 3000 KSV-Fans waren mit nach Südhessen gereist und hatten für eine prächtige Stimmung gesorgt.

Praktisch bis zum letzten Spieltag am 25. Mai 2006 waren die Kasseler immer dem FSV hinterhergelaufen. Dann fingen sie den härtesten Konkurrenten noch ab. „Es war der Tag, an dem bei uns alles gepasst hat“, betont Schönewolf. Es erinnerte ihn ein bisschen an 2001, als der FC Bayern den Schalkern noch den Titel wegschnappte.

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