Er starb mit 86 Jahren in Göttingen

Tod mit 86: Trauer um KSV-Legende Karl Schmidt 

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Der Fußball nicht nur in der Region trauert um einen ganz Großen: Karl Schmidt ist in Göttingen im Alter von 86 Jahren gestorben. 

Kassel. Er machte neun Länderspiele für Deutschland, war DFB-Ehrenpräsident und eine Legende des KSV Hessen Kassel. Nun ist Karl Schmidt im Alter von 86 Jahren gestorben.

Aktualisiert am Freitag um 17.30 Uhr: Bundestrainer Sepp Herberger hatte ihn fest eingeplant. 1958 sollte Verteidiger Karl Schmidt für die deutsche Fußball-Nationalelf mit zur Weltmeisterschaft nach Schweden. Neun Länderspiele hatte der aus dem nordhessischen Wabern stammende Fußballer bereits vorzuweisen. Doch Schmidt schlug Herbergers Angebot aus, weil er mitten im juristischen Staatsexamen stand. So entging dem damaligen Spieler des 1. FC Kaiserslautern eine WM-Teilnahme.

Es war eine von vielen Geschichten aus dem Fußballer-Leben von Karl Schmidt. Denn nun ist der frühere Nationalspieler und DFB-Ehrenvizepräsident im Alter von 86 Jahren in Göttingen gestorben. Dies teilte am Freitag der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit.

„Karl war für mich stets ein Vorbild, ich habe viel von ihm gelernt“, sagt der frühere DFB-Vizepräsident Rolf Hocke, mit Schmidt sogar weitläufig verwandt, über den einstigen DFB-Schatzmeister. Ein Rückblick auf das Leben von Karl Schmidt.

Die Anfänge

Karl Schmidt schrieb Fußballgeschichte beim KSV Hessen: Denn der junge Waberner, der 1951 zu den Löwen gewechselt war, erzielte am 23. August 1953, dem Tag der Einweihung des Kasseler Auestadions, das erste KSV-Tor in der neuen Arena. Doch dieser Treffer reichte nicht, denn zur großen Enttäuschung der 20 000 Zuschauer verlor Oberliga-Neuling KSV gegen Viktoria Aschaffenburg 1:2.

Innerhalb kürzester Zeit avancierte der Jungspund zum Leistungsträger des KSV, der in Gala Metzner, Toni Hellwig und Günter Siebert, dem späteren Deutschen Meister mit Schalke 04, über weitere herausragende Spieler verfügte. Günter Schilling, der von 1951 bis 1955 mit Schmidt beim KSV gespielt hat, sagt: „Karlchen hat nie gemeckert, selbst wenn wir Mitspieler mal außer Form waren. Ich habe später, als Schmidt wieder nach Nordhessen zurückgekehrt war, noch einige Male mit den KSV-Altherren gegen Schmidts Waberner Alte Herren gespielt.“

Schmidts Talent blieb den Spähern aus Kaiserslautern nicht verborgen, die ihn in der Saison 1955/56 zum damaligen zweimaligen deutschen Meister auf den Betzenberg lotsten.

Die Erfolge

In Kaiserslautern stand Schmidt mit bekannten Fußballern auf dem Feld: von Fritz Walter über Werner Liebrich bis hin zu Horst Eckel. „Er war sehr schnell, sehr beweglich und sehr spielintelligent“, erinnert sich Rolf Fritzsche. Der spätere Stürmer des KSV Hessen spielte mit Schmidt beim FK Pirmasens zusammen. Dabei führten sie das Team 1961 zur Südwestmeisterschaft – vor den Lauterern. „Karl war ein ganz feiner Kerl“, erzählt Fritzsche, der seinen geschätzten Teamkollegen immer gern zum Training in Pirmasens abgeholt hat. Viele positive Erinnerungen hat auch Hocke. Als Jugendlicher nahm Schmidt ihn in Kaiserslautern mit in die Wohnung des damaligen Nationalmannschafts-Kapitäns Fritz Walter.

Die Zeit nach der Karriere

Schmidt arbeitete unter anderem im Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz. In seiner Freizeit spielte der Sport eine große Rolle. Der Jurist gehörte allein mehr als 20 Jahre dem DFB-Präsidium an. Verbandschef Reinhard Grindel würdigte Schmidt als einen außergewöhnlichen Fußballspieler, der stets mehr im Blick hatte als nur den Sport.

Auch dem Tennis war Schmidt eng verbunden: Er fungierte bis 1990 als Präsident des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz.

Zu Schmidts Hobbys gehörte die Malerei. So bekam Horst Eckel 2012 zu seinem 80. Geburtstag vom früheren Mannschaftskameraden ein besonderes Bild. Schmidt hatte 1956 ein Konterfei Eckels angefertigt.

Das Privatleben

Schmidt wohnte nach seiner Rückkehr aus Rheinland-Pfalz zunächst im Bad Wildunger Ortsteil Bergfreiheit. Zuletzt lebte er mit seiner zweiten Frau Friederike in Göttingen. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, der allerdings früh starb. Auch ein Sohn aus Schmidts erster Ehe ist schon tot. Hocke stand bis zuletzt mit Karl Schmidt in Kontakt. Ein gemeinsamer Besuch des Pokalfinales im Mai in Berlin kam aber nicht zustande.

Die Trauerfeier für Karl Schmidt ist am Samstag, 21. Juli, ab 14 Uhr in der Friedhofskapelle Wabern. Die Urnenbeisetzung findet im Familienkreis statt.

Von Björn Mahr und Günter Grabs

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