Merle trifft von der Mittellinie

Traumtor aus 50 Metern beim Sieg des KSV Hessen

Fußballer des KSV Hessen Kassel freuen sich in Homburg über ein Tor
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Ingmar Merle (2. von rechts) bejubelt sein Traumtor mit seinen Mitspielern.

Wenn Ingmar Merle Maß nimmt, dann wissen sie beim KSV Hessen Kassel: Es kann etwas Verrücktes passieren. Der 30-Jährige ist bekannt für seine außerordentliche Schusstechnik.

Sein früherer Trainer Tobias Cramer sagte über Merle einmal: „Ein Wahnsinniger!“ Und meinte das durchweg positiv. Merle hatte da gerade im Hessenliga-Spiel gegen Fulda einen Freistoß aus über 30 Metern in den Torwinkel gejagt.

Der Samstag in Homburg lieferte mal wieder so einen Merle-Moment. Eine großen. Einen außergewöhnlichen. Es läuft die 13. Minute in dem Spiel, in dem der KSV als Außenseiter antritt. Merle, der rechte Außenverteidiger, läuft mit dem Ball am Fuß Richtung Mittellinie, hebt den Kopf. „Man wusste schon da, was er vorhat. Fünf Minuten vorher gab es eine ähnliche Situation, da haben wir auf der Bank schon geahnt, dass er sich etwas überlegt hat“, berichtet Trainer Tobias Damm später. Merle, den alle „Inge“ rufen, bestätigt: „Der Torhüter war, das ist ja heute häufig so, sehr offensiv ausgerichtet. Als Außenverteidiger musst du aber erst in die Position kommen, das ausnutzen zu können. Das habe ich versucht. Auf der Bank haben sie sich vermutlich gewundert, wo ich hin will.“

Haben sie nicht. Sondern ihre helle Freude gehabt. „Das Wort, das am häufigsten gefallen ist, war wohl: Dieser Bekloppte“, sagt Damm. Denn „der Bekloppte“ nahm kurz vor der Mittellinie Maß, lief noch zwei Schritte und schoss. Der Ball beschrieb einen Bogen. Er flog rund 50 Meter weit. Er flog auch über den einige Meter vor seinem Tor stehenden Schlussmann David Salfeld hinweg und senkte sich dann direkt neben dem rechten Pfosten ins Tor. Ein Traumtor. Ein schlitzohriges. Ein ganz wichtiges für den KSV, der 2:1 gewann. „Und richtig Spaß machen solche Treffer ja nur, wenn du auch drei Punkte mitnimmst,“ so Ingmar Merle.

Für den ist ein Tor dieser Art nichts Neues. Neben diversen Freistößen und verrückten Distanzschüssen gelang ihm ja sogar bereits ein Treffer aus noch größerer Distanz. Das war im September 2012, Merle war damals gerade 22 Jahre alt, die Löwen spielten in der Regionalliga. Beim 2:1 in Alzenau traf Merle aus ganz ähnlicher Situation, aber deutlich vor der Mittellinie aus rund 60 Metern. „Mit meinem rechten Fuß kann ich halt ein bisschen was anstellen. Es ist ein Glück, dass mir das in die Wiege gelegt wurde“, sagt er verschmitzt.

Bleibt natürlich die eine Frage: Landet der Treffer des Kasselers diesmal bei der Wahl zum Tor des Monats in der ARD? Damals in Alzenau scheiterte das an verwertbaren Bildern. Es gab nur eine Handyaufnahme vom Treffer, die noch heute auf Youtube zu sehen ist. Diesmal war der Saarländische Rundfunk vor Ort, an den Bildern wird es also nicht scheitern. „Es gibt hoffentlich die Chance, diesmal da reinzukommen“, hofft Merle.

Mit dem, der bisher das einzige Tor des Monats für den KSV Hessen erzielte, spielt er ja noch zusammen. Sebastian Schmeer wurde für einen Fallrückzieher gegen Trier im August 2016 von den TV-Zuschauern gewählt. ,.Basti und ich stehen uns in Nichts nach. Auch nicht bei den besonderen Toren“, findet Merle. Die Trainer des Duos nennen das halt „wahnsinnig“. Oder „etwas bekloppt“.

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