KSV: Frauen- und U23-Team protestieren gegen Zientek-Rauswurf

Wolfgang Zientek

Kassel. Die Entlassung von Trainer und Jugendkoordinator Wolfgang Zientek hat beim KSV Hessen Kassel für mächtig Wirbel gesorgt. Noch am Abend versammelten sich fast das gesamte Frauen-Team und große Teile der U-23-Mannschaft in Eppos Clubhaus in Kassel, um gegen die Entscheidung des Vereins zu protestieren.

15 Spielerinnen gaben dabei eine schriftliche Stellungnahme ab. Darin heißt es: „Hiermit bestätigen wir, die Unterzeichnerinnen dieses Schreibens, dass Herr Wolfgang Zientek uns, die Spielerinnen der Frauenmannschaft des KSV Hessen Kassel, zu keiner Zeit sexuell belästigt oder gar genötigt hat.“

Spielführerin Janina Thür sagte in großer Runde: „Wir sind uns als Mannschaft einig, ein Zeichen setzen zu wollen.“ Ein Zeichen für Zientek. „Es gibt aus unseren Reihen keine Gründe für diese Entlassung. Wolfgang Zientek ist ein großerer Förderer, der nur das Beste für uns will.“ Von ihm selbst hätte die Mannschaft von der jüngsten Entwicklung erfahren – per SMS. Vorstand oder Aufsichtsrat des Vereins hätten sich dagegen nicht gemeldet. Wie sie sich nun verhalten, wollen sich die Spielerinnen noch überlegen. Ihr Frust ist groß.

Das Training am Mittwochabend ist zumindest schon einmal ausgefallen. Das hätte eigentlich Nico Steffen geleitet – doch der hatte einen Termin beim Vorstand und bekam die Entscheidung mitgeteilt. Allerdings weiß auch er noch nicht, wie es weitergeht. Er glaubt, dass Zientek nur ein Bauernopfer ist.

Auch die Spieler der U 23 sprachen sich für Zientek aus – und hatten kein Verständnis für das Verhalten des Vereins: „Das ist respektlos und ein Schlag ins Gesicht für uns alle“, erklärte Yusuf Barak. Was sowohl die Spielerinnen als auch die Spieler kritisierten: Mit ihnen habe niemand vom Klub gesprochen – vor Zienteks Entlassung nicht und auch danach nicht. „Dabei sind wir doch keine kleinen Kinder“, sagt Barak. (hag)

Zum Rauswurf von Wolfgang Zientek

Er trainierte die zweite Mannschaft sowie das Frauenteam, zudem fungierte er als Jugendkoordinator. Zientek war praktisch der Chef für den gesamten KSV-Unterbau. Finanziert wurde er vom Hauptsponsor für den Amateurbereich, dem Kosmetikunternehmer Gerhard Klapp.

Hinter der Entlassung verbirgt sich ein Eklat. Die Gründe sind nämlich keinesfalls sportlicher Natur. Sondern in der offiziellen Pressemitteilung des Vereins heißt es als Zitat von Geschäftsführer Giuseppe Lepore: „Aufgrund von aktuell bekannt gewordenen Vorfällen im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Trainer der Frauenmannschaft ist das Vertrauensverhältnis unwiderruflich zerstört. Wir haben die Verantwortung, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden. Es gibt keinerlei Basis für eine weitere Zusammenarbeit.“ Die Entlassung sei eine gemeinsame Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat. Zientek soll sie am Mittwoch am frühen Nachmittag mitgeteilt worden sein – von Dirk Lassen, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates.

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Näheres wollte von Seiten des KSV niemand sagen. Nach Informationen unserer Zeitung gab es in der vergangenen Saison einen Vorfall, der intern für Unruhe gesorgt hat. Zientek soll ein näheres Verhältnis zu einer Spielerin gepflegt haben – inwieweit das einvernehmlich gewesen ist, darüber soll es im Nachhinein unterschiedliche Aussagen gegeben haben. Mittlerweile ist die betroffene Spielerin nicht mehr beim KSV. Gerüchte waren in den vergangenen Tagen bereits in Fußballkreisen laut geworden. Dabei ging es auch um eine angebliche Anzeige dieser Spielerin. Die Staatsanwaltschaft Kassel erklärte Anfang der Woche aber, dass es keine Ermittlungen gegen Zientek gebe. Der Verein handelte jetzt. Auffällig: In der Pressemitteilung schreibt er von Vorfällen und nicht bloß von einem Vorfall. Um was es sich konkret handelt, gibt er aber nicht bekannt.

Zientek wollte sich am Mittwoch nicht zu der jüngsten Entwicklung äußern – mit Verweis darauf, dass er sich einen Anwalt genommen habe, der alle erforderlichen Schritte einleiten werde. Einfach hinnehmen wird er die Entscheidung des Vereins und die Vorwürfe gegen ihn demnach nicht.

Wer ihm in seinen Tätigkeiten beim KSV nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Das werde noch mitgeteilt, hieß es gestern. Einen Kandidaten für den Posten als Jugendkoordinator hätten die Löwen in ihren Reihen: Mirko Dickhaut, Ex-Trainer der Regionalligamannschaft, der derzeit ohne große Aufgabe im Klub ist. Allerdings wird sich der Klub zuvor auch noch mit den massiven Protesten gegen die Entlassung beschäftigen müssen. Am Mittwochabend bereits machten sich Spielerinnen und Spieler für Zientek stark.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

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