Der überraschte Spitzenreiter

Mit Waldhof Mannheim gastiert am Montag der Tabellenführer beim KSV Hessen

Erfahrener Mann: Hanno Balitsch ist wieder bei Waldhof Mannheim aktiv. Foto: dpa

Kassel. Mit dem SV Waldhof Mannheim empfängt der KSV Hessen Kassel am Montag im heimischen Auestadion den Spitzenreiter der Fußball-Regionalliga. Der Anpfiff ertönt um 20.15 Uhr. Die Partie wird live auf Sport 1 übertragen. Wer aber stellt sich da überhaupt als Tabellenführer vor? Waldhof im Überblick:

DER TRAINER

Die Frage ist, was die größere Überraschung ist: dass Kenan Kocak 2013 Trainer bei Waldhof Mannheim wurde oder dass er im September 2015 immer noch Trainer bei Waldhof Mannheim ist. Der 34-Jährige – in der Türkei geboren, in Deutschland aufgewachsen – zählt zu den Unbekannteren: Seine Karriere als Fußballer musste er verletzungsbedingt früh aufgeben, als Trainer war er nur in Mannheim tätig.

Nun ist er dabei, sich einen Namen zu machen. Frederic Brill vom KSV Hessen, der im vergangenen Jahr in Mannheim spielte, lobt Kocak und beschreibt ihn als akribischen und kommunikativen Trainer.

DIE MANNSCHAFT

Der Grundstein für den Höhenflug der Waldhöfer ist womöglich schon in der vergangenen Saison zu suchen, die Trainer Kocak als schwierigste der vergangenen Jahre bezeichnet. „Wir sind ein brutales Risiko eingegangen“, sagt Kocak gegenüber unserer Zeitung. Mannheim leitete den personellen Umbruch ein, schaffte mit Ach und Krach den Klassenerhalt.

Nun hat sich das Team gefunden. Hinzu sind mit Ex-Nationalspieler Hanno Balitsch und dem ehemaligen Bundesligaprofi Michael Fink namhafte Neuzugänge gekommen. Kocak ist beeindruckt von deren Persönlichkeit – auf und neben dem Platz. Balitsch ist der Kapitän, Fink gleichzeitig Co-Trainer. „Das passt sehr gut“, sagt Kocak. „Die anderen Jungs fühlen sich noch stärker, wenn ihnen zwei solch erfahrene Fußballer Tipps geben.“

Vor allem die Verpflichtung Hanno Balitschs brachte Aufmerksamkeit: Der 34-Jährige kommt aus der Waldhöfer Jugend. Er ist einer, mit dem sich das Umfeld identifiziert. Seine Rückkehr wurde auch deshalb möglich, weil sie Balitsch Raum für einen Nebenjob gibt: Für die ZDF-Sportreportage analysiert er den etwas gehobeneren Fußball.

DAS UMFELD

Waldhof ist ein Verein mit einer Menge Tradition, Erstligavergangenheit und einer Vielzahl an Anhängern. Wie groß die Euphorie derzeit ist, zeigte der Besuch beim Spitzenspiel gegen Saarbrücken vergangenen Sonntag. Knapp 10.000 Zuschauer kamen ins Carl-Benz-Stadion.

Es scheint, als habe Mannheim die Kurve bekommen. Das gilt auch für die wirtschaftliche Lage. Die Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine Spielbetriebs-GmbH fand Ende Juli eine große Mehrheit. Mittlerweile engagiert sich auch die „Mannheimer Runde“ bei Waldhof. Das ist ein Zusammenschluss von 115 mittelständischen Unternehmen, die auch soziale Projekte unterstützen. Das Ziel ist klar: Waldhof wieder auf Vordermann zu bringen.

DER ANSPRUCH

Anders als zum Beispiel Elversbergs Trainer Michael Wiesinger spricht Kenan Kocak nicht offen über den Aufstieg. Er sagt zur aktuellen Tabellensituation lieber Sätze wie diesen: „Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, wir hätten das so erwartet.“

Kocak bleibt bescheiden und verweist auf den Etat, der in der Liga im unteren Mittelfeld angesiedelt sei. Das darf zwar bezweifelt werden, im Vergleich zu Saarbrücken, Offenbach und Elversberg hinkt Mannheim aber wohl tatsächlich hinterher, was den Etat für die Spieler anbelangt. Der soll angeblich bei 1,2 Millionen Euro liegen. Damit überträfe er den des KSV um mehr als 200.000 Euro.

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