Verlängerung am Fan-Zaun: Mink stellt sich den KSV-Anhängern

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Geschäftsstellenleiter Torsten Pfennig und Trainer Matthias Mink nach dem Spiel im Gespräch mit den Fans.

Kassel. Das Spiel gegen den Tabellenletzten Saar 05 Saarbrücken war gerade abgepfiffen, da begann für KSV Hessen Kassel Trainer Matthias Mink die heiße Phase dieses Tages erst.

Sein Team hatte nur ein 1:1 erreicht, abermals spielerische Defizite gegen einen harmlosen Gegner offenbart - und somit den Unmut der Zuschauer hervorgerufen. Sie pfiffen, schimpften und buhten, und manche forderten, der Trainer solle gehen. Mink ging auch - und zwar zu den Anhängern.

Erst wollte er mit jenen drei älteren Herren auf der Osttribüne sprechen, die ihn vehement kritisierten, dann schritt er weiter Richtung Kurve, wo er auf den geballten Ärger der Anhänger traf. Mink diskutierte, gestikulierte, sprach engagiert und verteidigte sich und die Mannschaft. Insgesamt dauerte das fast so lange wie eine zusätzliche Halbzeit. Mink arbeitete sich förmlich an den Fans ab. Während der anschließenden Pressekonferenz sagte er zu der ungewöhnlichen Maßnahme: "Das war mal ganz sinnvoll."

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Die Frage ist, ob er alle überzeugen konnte - mit seinen Argumenten, die er auch während der Pressekonferenz darlegte: das Fehlen des Torjägers Shqipon Bektashi, der schlechte Zustand des Rasens, der eingeordnetes Passspiel kaum möglich mache, die fehlende Cleverness. Dabei redete er die Leistung seiner Mannschaft nicht schön, er befand aber auch, dass sie nicht so unterirdisch gewesen sei, wie manch Fan sie eingeordnet hatte. So ergibt sich rund um den KSV eine sehr eigenartige Gemengelage - nach einem Unentschieden wohlgemerkt - und keiner Niederlage.

Der KSV hat unter der Woche beim Tabellenzweiten Elversberg gewonnen, er hat drei Spiele hintereinander nicht verloren, in der Tabelle steht er da, wo er sich selbst vor der Saison erwartet hatte: auf Platz sechs. Und doch ist viel Unmut und Unsicherheit zu spüren. Die Mannschaft spielt zu Hause meist unattraktiv, viele Verträge laufen aus, Hauptsponsor VW verabschiedet sich auf Raten - und der Vorsitzende des Vorstandes ist kürzlich aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. So wirklich weiß wohl keiner derzeit, wohin die Reise geht. Das gilt auch für Kapitän Tobias Becker, dessen Vertrag ausläuft.

Nach dem 1:1 gegen Saar Saarbrücken zeigte er kein Verständnis für die Reaktion mancher Anhänger: "Ich finde sie unverständlich. Wir stecken nicht im Abstiegskampf und haben auch nicht 0:4 gegen Hoffenheim II verloren." Er verschwand dann in die Kabine, während sein Trainer erst so richtig anfing, mit den Anhängern zu diskutieren. Immerhin: Die Sonne schien. Als Matthias Mink die Kurve verließ, war sein Saarbrücker Kollege schon auf der Heimfahrt ins Saarland. Die Pressekonferenz fand ohne ihn statt.

KSV-Trainer Matthias Mink stellt sich nach dem Spiel den Fans

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