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Erst ganz viel Hoffnung, dann der nächste Rückschlag

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Von: Torsten Kohlhaase

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Mit dem Bollerwagen: Diese KSV-Fans kamen zu Fuß aus Wilhelmshöhe zum Stadion.
Mit dem Bollerwagen: Diese KSV-Fans kamen zu Fuß aus Wilhelmshöhe zum Stadion. © andreas fischer

Eine Mannschaft der Polizei rennt über den Vorplatz am Auestadion. Kurz darauf ist ein lautes „Hier regiert der KSV“ zu hören. Die Lage ist angespannt. Nicht nur sportlich. Heute ist Hessenderby gegen Offenbach, und die Sirenen heulen schon vor dem Risikospiel.

Neben den beteiligten Anhängern sollen auch Fans von Holstein Kiel und Bayer Leverkusen die jeweiligen Lager unterstützen. Ein F-Jugendteam macht sich vom Parkplatz auf in Richtung Stadion. Und alle sind sich einig: „Heute gewinnen die Löwen, heute schaffen sie es.“

Etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Spiel haben sich dann auch ein paar Anhänger aus der Nordkurve vor der Eissporthalle stationiert. Mit eigens gebasteltem Bollerwagen. „Wir sind aus Wilhelmshöhe bis hierher gelaufen“, sagt Benza, der nur seinen Spitznamen verraten will. Was er zur aktuellen Lage beim Schlusslicht der Fußball-Regionalliga Südwest sagt? „Es hat in den bisherigen Spielen immer irgendetwas gefehlt. Aber es gibt so Situationen, da musst du durch. Dass der Verein Tobi Damm den Rücken gestärkt hat, ist richtig. Er hat viel für den Klub gemacht“, sagt er.

Auch Pasco, der ebenfalls zu den treuen Fans der Kurve zählt, äußert sich ähnlich: „Ich bin Optimist, das musst du im Fußball sein. Erst am zehnten Spieltag ist die Tabelle aussagekräftig, es kommt jetzt darauf an, wie sich die Mannschaft verkauft. Ein Derbysieg gegen Offenbach wäre auf jeden Fall so viel Wert wie die Meisterschaft.“ Langsam füllt sich der Vorplatz, und die Schlangen vor den Kassenhäuschen werden länger. Dort steht auch Martin Rabich mit seinen Söhnen Kaspar und Ludwig. „Ich bin zwar Anhänger von 1860 München, aber hin und wieder sind wir auch beim KSV. Die Lage könnte natürlich besser sein, aber ich glaube, dass sie sich da auch wieder rauskämpfen können“, sagt der Papa, der mit seiner Familie in Kassel wohnt. Wer heute gewinnt? „Der KSV natürlich“, rufen alle.

Und dann geht es rein ins Stadion. Achim Herwig, der Organisationsleiter der Löwen, steht im Vip-Raum und ist guten Mutes. „Wir wollen den Bock heute umstoßen. Ich glaube an die Mannschaft, die wird sich zerreißen“, meint er. Ein paar Schritte weiter steht der ehemalige Baunataler Trainer Bernd Lichte. „Es ist eine schwierige Situation derzeit. Viele Spiele hätten auch anders ausgehen können, aber wenn du da unten drinhängst, dann läuft einiges gegen dich. Vielleicht kommt heute das Selbstvertrauen zurück“, sagt Lichte.

Dann ist Anpfiff. Beide Fanlager tauschen die ersten Nettigkeiten aus. Ein Zweikampf vor den Auswechselbänken sorgt für Rudelbildung, sofort ist die Kulisse da. Hessenderby eben. Statt 1500 wie gegen Fulda kommen 4000 ins Auestadion. Als in der Halbzeit Stadionsprecher Charly Wimmer verabschiedet wird, sagt Vorsitzender Jens Rose zu ihm: „Wenn du 100 wirst, bist du schonmal 23 Jahre Ehrenmitglied beim KSV. Denn dazu ernennen wir dich heute.“ Bis zur Pause fallen keine Tore. Das soll sich in der zweiten Halbzeit ändern.

Und es wird wieder bitter. Chancen hat der KSV diesmal genug, allein Nils Stendera scheitert dreimal. Und dann kommt diese 69. Minute, in der das einzige Tor des Nachmittags fällt. Nicht für den KSV. Für Offenbach. Die Löwen haben gekämpft, stehen aber wieder mit leeren Händen da. Die Anhänger feiern sie trotzdem. Innenverteidiger Hendrik Starostzik sagt später, dass sie einen Punkt verdient gehabt hätten. Hätten sie. Als die Gästefans von der Polizei Richtung Heimweg begleitet werden, ist noch einmal „Hier regiert der KSV“ zu hören. Am Ende bleibt alles ruhig. Nur die sportliche Lage bei den Löwen ist weiter angespannt.

Familienausflug: Martin Rabich mit Kaspar und Ludwig.
Familienausflug: Martin Rabich mit Kaspar und Ludwig. © Fischer, Andreas

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